T wie Technik

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Das machen Elektroniker/innen für Automatisierungstechnik und Industriemechaniker/innen bei der Covestro Deutschland AG

MINT – das steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und für Berufe mit großem Zukunftspotenzial. Deutschland ist ein Hightech-Land, das auf der ganzen Welt für seine Innovationen bekannt ist. Deshalb werden gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht. Die Covestro Deutschland AG hat das schon vor langer Zeit erkannt. Seit 1977 können junge Menschen am Standort Brunsbüttel einen MINT-Beruf erlernen.

Wer aus Brunsbüttel kommt, der kennt ihn gut. Den 132 Meter hohen, mit bunten Puzzleteilen bemalten Schornstein der Covestro Deutschland AG. Das Chemieunternehmen – welches 2015 aus der Firma Bayer MaterialScience hervorging – ist einer der weltweit führenden Hersteller von Hightech-Polymerwerkstoffen. Weit über die Grenzen Brunsbüttels hinaus ist Covestro auch für seine hervorragende Ausbildung bekannt. Wer in Norddeutschland einen naturwissenschaftlichen oder technischen Beruf erlernen will, stößt bei seiner Suche unweigerlich auf das für die Ausbildung vielfach ausgezeichnete Unternehmen.

In Brunsbüttel werden vor allem Chemikanten/innen und Chemielaboranten/innen ausgebildet. Die werden im Chemieunternehmen am meisten gebraucht. Technische Berufe wie Elektroniker/in für Automatisierungstechnik und Industriemechaniker/in sind für die Produktion mindestens aber genauso wichtig. Sie warten, montieren und reparieren die Pumpen, Leitungen und Ventile in den modernen Produktionsanlagen; außerdem koordinieren und optimieren sie Prozesse bzw. Abläufe. Sie sorgen also dafür, dass Chemikalien, Wasser sowie Strom auch dort ankommen, wo sie benötigt werden. Wie ihre Ausbildung im Einzelnen abläuft, haben wir uns genauer angeschaut.

Die Azubis der Covestro AG

Auszubildende aus dem ersten Lehrjahr: Chemikanten/innen, Elektroniker für Automatisierungstechnik und Industriemechaniker.

Industriemechaniker/in

Tobias, Kai und Fiete haben es geschafft. Sie haben einen Ausbildungsplatz zum Industriemechaniker bei Covestro erhalten. „Seit meinem Schulpraktikum bei Covestro hatte ich den Wunsch, hier meine Ausbildung zu machen. Als ich die Zusage bekam, war ich richtig glücklich“, erinnert sich Fiete Wenn. Seit September vergangenen Jahres lernt der 20-Jährige aus Marne alles, was er für den spannenden und abwechslungsreichen Beruf benötigt. Die erste Zeit ihrer Ausbildung verbringen die angehenden Industriemechaniker in der Metallwerkstatt im Ausbildungszentrum von Covestro.

Azubis Covestro

Fiete Wenn (links) und Tobias Ladzenski (rechts) sind im ersten Lehrjahr ihrer Ausbildung zum Industriemechaniker.

Die Werkstatt ist mit richtigen Arbeitsplätzen eingerichtet, an denen die Lehrlinge die Grundlagen der Metallverarbeitung lernen. Sie erkunden verschiedene Werk- und Hilfsstoffe, sammeln Erfahrungen mit verschiedenen Werkzeugen und werden mit den Bestimmungen für den Arbeits- und Umweltschutz vertraut gemacht. Hier werden sie auch an die Bohr- und Fräsmaschinen herangeführt, mit denen sie Werkstücke bearbeiten und fertigen können. „Das Arbeiten an der Drehmaschine gefällt mir bislang am besten“, erzählt Tobias Ladzenski. „Im Moment fertigen wir zur Übung einen Lampenständer. Beim Arbeiten mit der Maschine ist höchste Präzision gefragt. Drehzahl, Vorschub und Geschwindigkeit müssen genau passen“, erklärt er. Ein Elektro- und Schweißlehrgang gehören ebenfalls zur Grundausbildung.

Tobias Azubi bei Covestro

Tobias hat am Starthilfe- Programm teilgenommen und im Anschluss einen Ausbildungsplatz bei Lanxess bekommen. Seine Ausbildung findet bei Covestro statt.

Nach vier bis sechs Monaten im Ausbildungszentrum gehen die Auszubildenden in die Produktion und begleiten die Gesellen und Meister bei ihrer täglichen Arbeit. Sie werden mit der Instandhaltung und Instandsetzung der Produktionsanlagen vertraut gemacht, lernen, wie sie die verschiedenen Geräte und Produktionsanlagen einrichten, reparieren und überwachen, wie sie Störquellen ermitteln und beheben. „Mein erster praktischer Einsatz wird in der Pumpenwerkstatt sein“, berichtet der 23-jährge Kai Zimmermann. „Das wird bestimmt sehr spannend.“

Covestro Werkstatt

Top ausgestattet: Die Metallwerkstatt bietet alles, was die Auszubildenden benötigen.

Schleifen, Bohren, Sägen, Drehen, Fräsen, Schweißen und Verschrauben – diese Tätigkeiten müssen die Industriemechaniker beherrschen. Nach 18 Monaten findet der erste Teil ihrer Abschlussprüfung statt. Das Ergebnis fließt zu 40 Prozent in die Gesamtnote ein. Diese Prüfung hat Robin Fleischhauer bereits erfolgreich bestanden. „Im zweiten Jahr steigen wir tiefer in die berufliche Fachausbildung ein. Wir erstellen technische Zeichnungen und Baupläne, planen unsere Arbeitsabläufe und bauen erste Maschinen. Jetzt bin ich im dritten Jahr und wir bekommen immer mehr Verantwortung übertragen. Wir lernen, wie wir zum Beispiel CNC-Maschinen programmieren, größere Geräte warten oder passgenaue Bauteile herstellen“, so Robin. Der zweite Teil der Prüfung erfolgt am Ende der Ausbildung. Und für diese Zeit hat Robin auch schon feste Pläne: „Die Prüfung möchte ich bestmöglich bestehen und dann übernommen werden. Für die Ausbildung bin ich extra von Dortmund nach Brunsbüttel gezogen, und ich will auf jeden Fall hierbleiben.“

Bjoern Azubi Covestro

Robin Fleischhauer ist im dritten Lehrjahr zum Industriemechaniker. Nach seiner Abschlussprüfung möchte er am liebsten bei Covestro bleiben.

Elektroniker/in für Automatisierungstechnik

Gleich neben der Metallwerkstatt befindet sich im Ausbildungszentrum die Lernstätte der Elektroniker für Automatisierungstechnik. Hauke und Simon sind im ersten Lehrjahr und lernen in der Elektrowerkstatt die Grundlagen für ihren Beruf. „Dazu gehören zum Beispiel das Lesen und Erstellen von Schaltplänen, der Aufbau und die Funktionsweise verschiedener Bauteile oder das Ermitteln und Darstellen von Strömen, Widerständen und Kapazitäten“, erklärt Simon Stothfang.

Simon Azubi bei Covestro

Simon Stothfang und ist im 1. Ausbildungsjahr zum Elektroniker für Automatisierungstechnik.

Nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung sind die Elektroniker für Automatisierungstechnik für den störungsfreien Ablauf aller automatisierten Anlagen verantwortlich. Sie errichten, testen und warten die Anlagen. Bei Problemen suchen sie die Ursachen und finden die passenden Lösungen. Sie messen elektrische und physikalische Größen, inspizieren Schalt- sowie Funktionspläne. Darüber hinaus müssen sie die Funktionszusammenhänge einzelner Komponenten analysieren. Das Aufgabengebiet der Spezialisten ist umfangreich, die Ausbildung anspruchsvoll.

Azubis der Covestro AG

Hauke Hansen und Simon Stothfang

„Vor meiner Ausbildung habe ich einige Semester Elektrische Energiesystemtechnik an der HS Flensburg studiert. Da mir die praktische Tätigkeit mehr liegt, habe ich das Studium abgebrochen und diese Ausbildung begonnen. Obwohl ich im Bereich Elektrotechnik durch mein Studium einiges Vorwissen mitbringe, muss ich mich trotzdem hinsetzen und lernen“, meint Hauke Hansen. „Wir werden ordentlich gefordert – aber auch gefördert. Bei Fragen ist gleich jemand zur Stelle. Hilfe bekommen wir nicht nur von unseren Ausbildern und Meistern, ebenso die Auszubildenden älterer Lehrjahre sind sehr hilfsbereit. Es ist ein tolles Miteinander hier“, erzählt Hauke. Über ihre berufliche Zukunft haben sich Hauke und Simon auch schon Gedanken gemacht. Beide möchten nach der Ausbildung, sofern sie die Prüfungen bestehen und alle weiteren Voraussetzungen für eine Übernahme erfüllen, im Unternehmen bleiben. „Covestro bietet vielfache Weiterbildungsmöglichkeiten und unterstützt seine Mitarbeiter bei ihren Karriereplänen. Ich würde gern noch den Techniker oder Meister machen“, sagt der 20-jährige Simon.

Hauke Azubi bei der Covestro AG

Hauke Hansen (links) hat einige Semester an der HS Flensburg studiert. Er wollte lieber praktischer arbeiten, daher begann er im September die Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik.

Gute Noten sind nicht alles

Wer sich erfolgreich für eine Ausbildung zum/zur Elektroniker/in für Automatisierungstechnik oder Industriemechaniker/in bewerben möchte, sollte einen guten Ersten oder einen Mittleren Schulabschluss besitzen. Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern bzw. Mathematik, aber auch handwerkliches Geschick sowie Teamfähigkeit sind wichtige Voraussetzungen. „Jugendliche, die sich bei uns um eine Ausbildung bewerben, müssen einen zweistufigen Eignungstest absolvieren“, erklärt Ausbildungsleiter Jürgen Evers. „Dabei stellen wir immer wieder fest, dass die Ergebnisse im Eignungstest nicht unbedingt die Schulnoten widerspiegeln, denn die geben nur Hinweise auf die fachlichen Fähigkeiten. Für den beruflichen Erfolg sind aber vor allem Persönlichkeit, Engagement und der Umgang mit Menschen von Bedeutung. Gute Noten sind deshalb keine Erfolgsgarantie für einen Ausbildungsplatz.“ Seit April 2017 ist Jürgen Evers für die Auswahl der neuen Auszubildenden verantwortlich: „Ich will nicht die besten, sondern jene, die am besten zu uns und unseren Werten passen. An fachlichen Defiziten können wir arbeiten. Schwieriger wird es, mangelnde Leidenschaft oder Teamfähigkeit auszugleichen.“

Ausbildungsleiter Jürgen Evers

Ausbildungsleiter Jürgen Evers

TEXT Katharina Grzeca
FOTOS Sebastian Weimar