Roboterjournalisten schreiben Geschichte(n)

Roboterjournalisten schreiben Geschichte(n)

Knk Business Software AG bringt schreibende Roboter ins (Fußball)Spiel

Roboter in Fabriken sind längst ein alter Hut. Intelligente Klimatechnik und autonom fahrende Autos befinden sich auf der Überholspur. Doch die knk Business Software AG aus Kiel geht in Sachen Künstlicher Intelligenz (KI) noch einen Schritt weiter: Schon jetzt übernehmen Roboter einen Teil der redaktionellen Arbeit in Verlagen und machen mit Hilfe von Daten beispielsweise Wirtschaftsberichte oder lokale Fußballberichterstattung. Auf Wunsch sogar emotionsbasierend für das spannende Hörerlebnis inklusive Chips auf dem heimischen Sofa.

Ein Fußballspiel birgt vom Anpfiff bis zum Endstand unzählige Emotionen. Ausgebildete Sportmoderatoren vermitteln diese Atmosphäre während des gesamten Spiels mit ihrer individuellen Leidenschaft spontan durch das Mikrofon. Kann Roboterjournalismus wirklich funktionieren? „Im Sportjournalismus ist diese Entwicklung schon sehr weit vorangeschritten. Künstliche Intelligenz ist in vielen Bereichen der des Menschen überlegen. Der ausschlaggebende Punkt ist aber nicht so sehr die Qualität, sondern die Schnelligkeit. Eine KI erfasst und verarbeitet alle Daten eines Spielberichts und liefert in zwei Sekunden den Artikel. Ein Tageszeitungsjournalist muss sich erst das ganze Spiel anschauen“, erklärt Sebastian Mayeres, Vertriebsleiter bei der Knk Business Software AG, die Software für Betriebsorganisationen, darunter auch für Verlage, anbietet.

Ein packendes Spiel lebt von den Emotionen auf dem Platz. Der Roboter produziert den Text rein datenbasiert. Besonders bei der Übertragung von Texten ins Audioformat ist das nicht zu überhören. „Da merkt man schon noch stark, dass das sehr technisch klingt. Aber es gibt bereits vielversprechende Forschungen, mit denen man versucht, künstliche Stimmen emotionsbasierend zu entwickeln.“ So sollen KI-kommentierte Fußballspiele der dritten oder vierten Liga zukünftig klanglich elan- und schwungvoll wirken, ein Katastrophenbericht hingegen eher traurig. „Die Entwicklung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber in diese Richtung wird die Reise gehen“, ist sich Sebastian Mayeres sicher.

Übernehmen Roboter die Vorherrschaft auf dem Arbeitsmarkt?

Eine Konkurrenz zur menschlichen Arbeitswelt sieht der Knk-Vertriebsleiter durch Künstliche Intelligenz nicht. „Oftmals wird KI falsch verstanden, und Menschen denken, sie verlieren ihren Job an den Roboter, der da um die Ecke kommt. Soweit sind wir in dem Bereich noch nicht und werden es auch nicht sein.“ Denn Künstliche Intelligenz habe, so Mayeres, auch ihre Grenzen. Sie  sei fokussiert auf ein Thema. Unterschiedliches miteinander zu kombinieren, überfordere sie. „Eine bestimmte Sache kann sie richtig gut, aber alles andere gar nicht. Wenn wir unseren Chatbot als Kommunikationsmedium trainieren, ist der darauf spezialisiert, Kundenanfragen zu beantworten, aber beispielsweise ein  Essen können Sie nicht bestellen.“

„Oftmals wird KI falsch verstanden und Menschen denken, sie verlieren ihren Job an den Roboter, der da um die Ecke kommt.“

Künstliche Intelligenz bietet nach Ansicht der Knk Business Software AG den Unternehmen große Vorteile. In der Verlagswelt etwa seien Computerprogramme, die auf einzelne Benutzer zugeschriebene, individuelle Inhalte auch als Audio umsetzen, preislich unschlagbar. „Man hat keinen großen Aufwand in der Produktion, wenn man den Roboter erst mal trainiert hat.“ Aufgrund der enormen Datenlage heutzutage, so Mayeres, sei das auch nicht sehr aufwändig. „Man bekommt sehr schnell und ohne viel Zeit und Geld zu investieren, künstliche Intelligenzen mit Hilfe von vorgefertigten Modellen wie Blackboxen aufgebaut.“ Auch für kleinere Verlage seien Chatbots etwa für die Kundenbetreuung und Roboterjournalismus durchaus machbar, meint der Experte. Man müsse sich dem nur öffnen.

Menschliche Daten für ‚emotionale’ Roboter

Wichtig für den Aufbau Künstlicher Intelligenz ist die individuelle Datenbasis. Bei Verlagen mit älteren Kunden ist die Schreibweise von E-Mails meist eine andere, als bei einem Verlag, der Magazine für Jugendliche produziert. „Die E-Mails sind strukturell so anders, dass man die Blackbox für den Chatbot als Kommunikationsmedium jeweils entsprechend trainieren müsste.“ Ein Chatbot kann ‚erkennen’, ob ein Kunde gerade sauer, genervt oder fröhlich ist. Er kann auch ‚entscheiden’, ob er genervte Kunden lieber gleich an einen persönlichen Kundendienst abgibt. Wenn er denn gut trainiert wurde. Die Knk Business Software AG steht ihren Kunden dabei auf Wunsch zur Seite, um die Unternehmen zu entlasten. Doch das geht nicht ohne ‚Futter’. „Wir brauchen natürlich Daten dafür. Deswegen empfehlen wir: Auch wenn Firmen noch nicht wissen, was sie mit ihren Daten machen möchten, sollten sie sehr frühzeitig anfangen, diese Daten zu sammeln. Beispielsweise E-Mails aus dem Kunden-Support.“ Diese Daten könne man am Ende dafür nutzen, Künstliche Intelligenz zu trainieren, sobald man sie einsetzen möchte.

„Bei komplexeren Sachverhalten ist der Mensch einfach besser.“

Die Vorteile liegen für den Experten klar auf der Hand. Da viele Firmen heutzutage mehr Zeitdruck haben, gleichzeitig aber immer vielfältigere Aufgaben erledigen sollen, entstehe ein Ungleichgewicht, für das es Lösungen brauche. „Das heißt, wir machen immer mehr, haben aber weniger Zeit dazu. Und das ist genau der Punkt, wo Künstliche Intelligenz ins Spiel kommt. Nicht um Menschen arbeitslos zu machen, sondern um Menschen – wie beispielsweise einem Sportreporter die Zeit zu verschaffen, sich auf das wichtige Spiel zu konzentrieren. So bleibt ihm die Zeit, seinen Text besser auszuformulieren, anstatt in der dritten oder vierten Liga auch noch einen Sportbericht schreiben zu müssen“, erklärt Sebastian Mayeres.

Roboter zukünftig auf der Gästeliste?

Der Mitarbeiter ist also nicht so leicht zu ersetzen. Bei komplexeren Sachverhalten hätten die Menschen ohnehin die Nase vorn, versichert der Experte. KI könne Muster innerhalb einer Datenmenge zwar erkennen, so Mayeres, aber sie nicht gut interpretieren. Ein Beispiel: Wenn nach einer Party das meiste Konfetti in der Küche liegt, kann die KI das Muster zwar erkennen, aber sie weiß nicht genau, warum. Dem Menschen hingegen ist schnell klar: In der Küche ist der Kühlschrank, da steht das Essen, die gemütlichsten Partys finden oft dort statt. Ein Großteil der Gäste war also in der Küche, und deswegen liegt dort so viel Konfetti.

Doch die meisten Partys finden ohnehin noch ohne künstliche Roboterwelt statt. Mit echten Menschen, die ihre Emotionen nicht trainieren und ihrer Stimme freien Lauf lassen. Und wenn sie sich fragen, warum der Gastgeber am liebsten gar kein Konfetti auf seiner Party verteilen möchte, dann wissen die meisten sicherlich die Antwort. Mayeres: „Bei komplexeren Sachverhalten ist der Mensch einfach besser. Und wird es wohl auch noch länger sein.

In der Verlagswelt sind Computerprogramme, die individuelle Inhalte auch als Audio umsetzen, preislich unschlagbar.

TEXT Nadine Schättler
FOTO knk