GEFRAGTE EXPERTEN

GEFRAGTE EXPERTEN

Neue Medien wie Tablets oder Mobiltelefone bieten Schülern und Lehrern viele Möglichkeiten, haben aber auch ihre Tücken. Die Medienscouts der GMS Bredstedt gehen deshalb regelmäßig in die 5. und 6. Klassen, um ihre jüngeren Mitschüler im Umgang mit den Endgeräten zu beraten – und das ehrenamtlich und bestens ausgebildet. Auch außerhalb der Schule sind die Medienexperten im Einsatz – allerdings für eine ganz andere Altersgruppe.

Ein böses Wort, ein peinliches Foto, eine verschlossene Gruppe. Über Soziale Medien können Schülerinnen und Schüler leicht andere ausschließen oder bloßstellen. Damit junge Menschen rechtzeitig lernen, Gefahren wie Cyber-Mobbing im medialen Alltag zu erkennen und zu umgehen, haben die Schulsozialarbeiterin Antonia Held und die Lehrerin Svea Franz 2014 die Medienscouts ins Leben gerufen. Seitdem werden jedes Jahr Freiwillige in einem circa 20-stündigen Kurs zu Medienscouts ausgebildet.

Die engagierten Schülerinnen und Schüler und AG-Leiterin Franz sind mittlerweile an der Schule als Ansprechpartner bekannt. Die Kinder und Jugendlichen, aber auch Lehrerinnen und Lehrer können sich mit Problemen an die Experten wenden.

Neben den Akuteinsätzen gehört die Präventionsarbeit zu den Arbeitsschwerpunkten der Medienscouts. Dafür gehen die AG-Mitglieder in Zweierteams in die unteren Klassenstufen, um ihre Mitschülerinnen und Mitschüler im Umgang mit WhatsApp, Instagram und Co. für Gefahren zu sensibilisieren. Je ein männlicher und ein weiblicher Teilnehmer treten vor die Klassen – zumindest soweit es möglich ist. „Das hat sich bewährt. Dann haben alle in der Klasse einen Ansprechpartner“, erzählt Svea Franz. Ein weiterer Vorteil der Vermittlung durch die Medienscouts sei, dass Schüler eher auf andere Schüler hören würden, die nur wenige Jahre älter sind. Eltern oder Lehrer hätten es da erheblich schwerer.

Tatjana und Klemens sind zwei der Medienscouts, die sich in der AG engagieren. Die beiden haben im vergangenen Schuljahr ihre Ausbildung abgeschlossen. „Es hat mir viel Spaß gemacht“, erzählt Klemens. „Wir haben viel über das Verhalten bei Cyber-Mobbing gelernt und in Rollenspiele Strategien ausprobiert.“ Auch das Recht am eigenen Bild wurde thematisiert. „Es gab bereits Vorfälle mit problematischen Fotos. Da ist es wichtig, die grundlegenden Rechte zu kennen“, sagt Svea Franz.

Außerdem haben sich die Teilnehmer mit grundlegenden Fragen in Sachen Medienkompetenz befasst: Datenschutz, Passwortsicherheit und das Verhalten im Internet. „Am Anfang steht immer die Frage: Was kann ich tun, um mich zu schützen?“, erklärt Klemens. „Daher haben wir gelernt, Fake-Profile zu erkennen und zu überlegen, welche Daten wir von uns freigeben wollen.“ Vorsicht sei etwa bei der Angabe des Wohnortes angebracht. Problematisch werde es, wenn eine Website nach der E-Mail-Adresse und der Kontonummer fragt. „Man muss sich bewusst machen, dass viel schief gehen kann, wenn man vertrauliche Daten irgendwo angibt.“

Weitere Fallstricke lauern in den oft belächelten Kettenbriefen. „Manche wirken harmlos, können aber zum Problem werden. Die Kinder haben wirklich Angst, wenn sie die Briefe nicht weiterleiten“, berichtet Tatjana. Ein weiteres Problem kennt die 15-Jährige aus eigener Erfahrung. „Wenn es mal einen Streit gibt, werden über Handy schnell andere mit hereingezogen. Da hilft es am besten, man klärt die Auseinandersetzung schnell im echten Leben.“

ANSPRECHPARTNER FÜR ALLE GENERATIONEN

Seit 2014 ist Diyar bei den Medienscouts. Damit gehört der 19-Jährige zur ersten Generation. Mittlerweile hat er die Schule verlassen – ist den Medienscouts aber treu geblieben. „Ich habe Interesse an Medien und Internet und möchte gerne Menschen helfen“, erzählt Diyar. Als er anfing, sich in der AG zu engagieren, mochte er nicht vor Menschengruppen sprechen. „Ich habe mich dann dazu gezwungen, weil ich wusste, dass ich so den Kindern helfen kann“, berichtet er.

Inzwischen macht Diyar eine Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten. Sein Wissen bringt er vor allem in den außerschulischen Einsätzen ein: Alle vier Wochen beantworten die Medienexperten die Fragen von Senioren in der Begegnungsstätte Tonderntreff . Die Teilnehmer der Generation 60+ kommen dafür mit ihren Mobiltelefonen und Tablets. „Meistens zeigen wir, wie man Fotos verschickt oder erklären, welche Apps sinnvoll sind.“ Diyar arbeitet gerne mit den Senioren zusammen. „Das ist eine gute Sache.“

Mittlerweile sind die Medienscouts zu einer wichtigen Institution an der GMS geworden. Tatjana und Klemens wollen dabeibleiben – und weitere Schüler zum Mitmachen ermuntern. „Es macht viel Spaß und man kann sich für andere engagieren.“

„Auch viele Kollegen haben erkannt, wie wichtig wir sind“, sagt Lehrerin Svea Franz. Uns geht es darum, ein Bewusstsein zu schaffen, um schnell reagieren zu können.“ Gerade Cyber-Mobbing sei – wie an jeder Schule – ein Problem. „Wir haben allerdings einen Weg gefunden, wie wir damit umgehen können.“

TEXT Lutz Timm
FOTO Merle Jurzig