Gemeinschaftsschule trifft Gymnasium

Gemeinschaftsschule trifft Gymnasium

„Einer für alle und alle für einen!” Das Motto der Schulleiterin Marion Ehrich passt zum Alltag an der Isarnwohld-Schule

Die gebürtige Eckernförderin ist Schulleiterin der Isarnwohld-Schule, ein Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil. Der Standort in Gettorf war der erste, der dieses außergewöhnliche Schulkonzept in Schleswig-Holstein angeboten hat. Wir haben mit ihr über das Konzept, das Schulleben und die Berufsorientierung gesprochen.

Frau Ehrich, wie kam es zu diesem noch nicht so weit verbreiteten Schulkonzept?

Wir sind eine organisatorische Verbindung aus Gymnasium und Gemeinschaftsschulteil. Es gibt noch fünf weitere Schulen dieser Art im Land. Die Idee ist ursprünglich entstanden, um den Kindern der Inseln Sylt und Föhr, die die weiterführende Schule besuchen, die Möglichkeit zu bieten, nicht immer weite Wege zum Festland in Kauf nehmen zu müssen.

Bei 925 Schülern ist das Amt der Schulleitung mit Sicherheit eine große Herausforderung?

Ich mache das natürlich nicht alleine. Das ginge auch gar nicht bei einer Schule solcher Größenordnung. Neben meinem direkten Stellvertreter Herrn Jens Gorath haben wir eine Schulleitungsrunde, die sich aus acht weiteren Kräften zusammensetzt. Wir sind ein Team und begegnen uns auf Augenhöhe, gestalten, beraten und entscheiden gemeinsam. Wenn einer mal ausfällt, rückt ein anderer nach, und so funktioniert der reibungslose Ablauf des Schulbetriebes. Einer für alle und alle für einen!

Welche Fächer unterrichten Sie an der Schule, und wie sind Sie Schulleiterin geworden?

Ich unterrichte die Fächer Latein und Sport. Im Rahmen der Schulleiteraufgaben muss ich sechs Stunden Unterricht erteilen, und darauf freue ich mich immer besonders. Das sind meine ‚Herzensstunden’. Nach dem Studium wohnte ich in Kiel, und habe in Flensburg und Schleswig mein Referendariat absolviert. Dann war ich 16 Jahre in Glückstadt an der Elbe Lehrerin. Anschlie-ßend habe ich zwei Jahre hier in Gettorf unterrichtet. Weil ich schon viele Jahre als Assistentin im Bereich Schulleitung tätig war, übernahm ich 2006 das Amt der Mittelstufenleiterin an der Ricarda-Huch-Schule in Kiel. 2013 musste dann hier in Gettorf die Schulleiterstelle neu besetzt werden.

Das Fach ‚Berufliche Orientierung‘ ist in Schleswig-Holstein keineswegs der Regelfall. Sie betreten gewissermaßen ‚Neuland‘.

Welchen Stellenwert besitzt das Fach Ihrer Ansicht nach innerhalb des schulischen Curriculums? Das Fach BO ist in diesem Schuljahr neu für die gymnasiale Oberstufe eingeführt worden. Dieses neue Fach ist weniger für das schulische Curriculum von Bedeutung, sondern vielmehr zentral wichtig für unser Selbstverständnis als Schule. Wir bieten alle Schulabschlüsse an. Dass wir die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben nach der Schule vorbereiten, gehört daher ganz selbstverständlich zu unserem Profi l. Berufliche Orientierung ist somit ein wichtiger Baustein unserer schulischen Ausrichtung. Wir haben bereits vor vielen Jahren Konzepte entwickelt, wie wir die berufliche Orientierung fest in unseren schulischen Alltag verankern können – in allen Schularten. Das neue Fach stärkt unsere bisherigen Ansätze im Gymnasium.

Die Isarnwohld-Schule ist mehrfach als ‚Zukunftsschule‘ ausgezeichnet worden. Wie prägen diese Auszeichnungen auch das alltägliche Schulleben?

Das Thema Nachhaltigkeit kommt sowohl im Unterricht als auch in AGs immer wieder zur Sprache. So schärfen wir das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler, auch zukünftig im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln. Ob an der digitalen schwarzen Tafel der aktuelle Stromverbrauch angezeigt wird oder Schülerinnen und Schüler eigene Ideen austüfteln, wie wir Müll vermeiden können: Wir erarbeiten, wie viele Lebensbereiche von dem Thema Nachhaltigkeit betroffen sind und wie jeder von uns seinen ganz persönlichen Beitrag leisten kann. Ein Beispiel für die Umsetzung sind Kästen, die in unserer schuleigenen Werkstatt gefertigt wurden, in denen wir Pfandflaschen sammeln, die sonst im Abfall gelandet wären.

Die Größe des Campus ist sehr beeindruckend. Bedeutet das auch lange Wege für die Schüler?

Das stimmt, aber dafür haben wir das Privileg einer exponierten Lage außerhalb des Ortskerns. Alles ist hier vor Ort. Wir versorgen uns an der Schule selbst, das heißt, wir haben einen Mensa- und Cafeteria-Betrieb und verfügen mit dem Sportpark über attraktive und moderne Sportanlagen. Unterrichten Sie an der Schule ganztägig? Wir sind eine offene Ganztagsschule, und in
der Sekundarstufe I findet Unterricht bis zur siebten oder achten Stunde statt . Danach gibt es die Möglichkeit, unser AG-Angebot wahrzunehmen. Die Oberstufe hat grundsätzlich Unterricht von 7.30 Uhr bis 16.05 Uhr, in diesem Zeitfenster können die Belegpflichten erfüllt werden.

Wie sieht der Übergang von der Gemeinschaftsschule zum Gymnasium aus?

Wir bieten das Prinzip der Durchlässigkeit an. Auf den Zeugniskonferenzen werden Wechselmöglichkeiten diskutiert und entschieden, so dass wir individuelle Bildungskarrieren gewährleisten können. Die meisten Schülerinnen und Schüler wechseln am Ende der 10. Klasse, wenn sie einen speziellen Notendurchschnitt erzielt haben. Diejenigen, die bereits an unserer Schule sind, werden natürlich beim Zugang auf das Gymnasium bevorzugt behandelt.

Die Messe steht an. Wie wichtig ist BO-Unterricht an der Isarnwohld-Schule?

Berufsorientierung wird sehr intensiv in unseren beiden Bildungsgängenprakti ziert. Im Gemeinschaftsschulteil wird sie noch intensiver begleitet. Unser BO-Koordinator Herr Meyer-Jessen hat das Konzept entwickelt und ist sehr engagiert. Er ist immer auf der Suche nach neuen Kooperationspartnern, um unseren Schülerinnen und Schülern möglichst viel praktische Berufserfahrung zu ermöglichen. Das heißt, wir versuchen jeden Einzelnen optimal auf das Berufsleben vorzubereiten. Im Gymnasium liegt die BO-Koordination in den Händen von Herrn Volkhard Hanns.

Wir haben dort im 9. Jahrgang unser Berufspraktikum und dann in der Oberstufe das Wirtschaftspraktikum, das mit ausführlichen Wirtschaftspraktikumsberichten seitens der Schülerinnen und Schüler abgeschlossen wird. Seit diesem Jahr wird erstmalig in der Einführungsphase der Oberstufe das Fach BO als ordentliches Unterrichtsfach erteilt. Grundsätzlich hat die berufliche Orientierung innerhalb des gegenwärtigen Curriculums einen großen Stellenwert, und das ist meines Erachtens auch gut so! Denn im Grunde unterstützen wir damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von morgen. Je eher die jungen Leute in die Betriebe oder auch Unisreinschnuppern können, umso besser.

Wie empfi nden Sie den Schulbetrieb in der Zeit nach Corona?

Ich nehme zurzeit eine entspanntere Atmosphäre im Haus wahr. Das war während des Lockdowns nicht immer so. Wir Schulleitungsmitglieder waren jeden Tag da und haben wie von einer Brücke aus die Schule geleitet. Dank unseres schulinternen Intranets IServ hat der Distanzunterricht und die Kommunikation gut funktioniert. Gleichwohl ist der Distanzunterricht nicht mit dem Präsenzunterricht gleichzusetzen, und wir waren sehr froh, dass wir zahlreiche Schülerinnen und Schüler im Präsenzunterricht – in Vorbereitung auf die Prüfungen – unterrichten durften. Jetzt sind die Maßnahmen gelockert, und alle haben sich mit der verbliebenen ungewöhnlichen Situation arrangiert. Ich sehe der Zukunft also mit Gelassenheit und Zuversicht entgegen.

Wie war denn die Kommunikation zwischen Schule und Eltern?

Mein Anliegen war und ist es, die Eltern stets mitzunehmen und sie bestmöglich und schnell zu informieren. Wir haben zu Beginn des Schuljahres einen neuen Schulelternbeirat (SEB) bekommen. Ich freue mich auf die konstruktive Zusammenarbeit. Wir ziehen schließlich an einem Strang und wollen das Beste für alle Schülerinnen und Schüler.

 

TEXT Anja Nacken
FOTO Sebastian Weimar