Individuelle Bildungskarrieren unter einem Dach – Zu Besuch in der Isarnwohld-Schule in Gettorf

Individuelle Bildungskarrieren unter einem Dach – Zu Besuch in der Isarnwohld-Schule in Gettorf

Die Isarnwohld-Schule in Gettorf ist beinahe einmalig in Schleswig-Holstein. Als Gymnasium mit Gemeinschaftsschulteil des Schulverbandes Gettorf und Umgegend stellt sie eine seltene organisatorische Verbindung mit ganz individuellen Bildungschancen dar. Doch der Weg bis dorthin war lang und führte über die Schulen Isarnho (Gymnasium mit Realschulteil) und Jarnwith (Hauptschule) zum gemeinsamen Ziel. Beide Schulnamen haben übrigens die gleiche Bedeutung: Eiserner Wald. Sie sind eine Hommage an die unbewohnte Grenzzone zwischen Jüten und Sachsen – einem menschenleeren und dichten Urwald – im heutigen Dänischen Wohld. Der neue Name für die Gettorfer Schule greift die Historie auf. Isarnwohld ist die plattdeutsche Bezeichnung für Eiserner Wald – einem Ort, an dem die Menschen in Schleswig-Holstein zusammengewachsen sind.

So kompliziert, wie der Name der Schule mit ihren beiden Schulformen klingt, so einfach ist der Alltag für alle, die an der Isarnwohld-Schule auf dem Weg zu einem individuellen Abschluss sind. „Bei uns wechseln die Schülerinnen und Schüler hausintern nur die Tür und das funktioniert relativ unbürokratisch“, erklärt Schulleiterin Marion Ehrich das Prinzip ihrer Schule, die alle Bildungsabschlüsse anbietet, und nennt ein Beispiel. Wenn ein Kind am Gymnasium überfordert sei, dann wechsele es am Ende eines Schuljahres ganz einfach auf den Gemeinschaftsschulteil. „Sollte unsere Aufstiegskoordinatorin dann feststellen, dass das Kind sich verbessert hat, könnte es zum Gymnasium zurückkehren, sofern es eine zweite Fremdsprache belegt hat“, so Ehrich. Solche oder ähnliche Fälle kommen vor, am häufigsten jedoch erfolgt ein Wechsel auf das Gymnasium nach dem Erwerb des Mittleren Bildungsabschlusses.

Wir verstehen uns als eine Schule, die beide Bildungsgänge unter einem Dach vereint und somit individuelle Bildungskarrieren ermöglicht.

Doch nicht nur die fachliche Bildung ist an der Isarnwohld-Schule vielfältig, auch präventive Lernkonzepte integrieren zahlreiche Projekte und Fachtage zu den Themen Gesundheit und Wohlergehen in das Schulleben. Sie schützen die Kinder vor Mobbing, Aggression, Gewalt oder der Entwicklung eines Suchtverhaltens. Als ausgebildete Medienscouts etwa kümmern sich Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen um den richtigen Umgang mit dem Handy für alle Sechstklässler und sensibilisieren die Jüngeren für Themen wie Cybermobbing oder Datenmissbrauch. „Smartphones bestimmen den Alltag der Schüler ganz imment“, sagt Schulleiterin Marion Ehrich. Um einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten zu erlernen, hilft neben den Medienscouts ein Schulknigge, der aus der AG Pädagogische Grundlagen und Kommunikation entstanden ist. Darin geht es nicht nur um allgemeine Höflichkeitsregeln für ein einfacheres Zusammenleben, um Fairness, Toleranz und Rücksichtnahme oder um Ordnung und Sauberkeit, sondern auch ganz konkret um Regeln für den Umgang mit elektronischen Medien. „Wenn unsere Schüler das Schulgelände betreten, schalten sie das Handy aus“, erklärt Ehrich. Ausnahmen gibt es natürlich – für ältere Schüler in ihren Klassenräumen oder wenn ein Elternteil angerufen werden muss.

Auch das Thema Drogen hat in der Präventionsarbeit an der Isarnwohld-Schule einen hohen Stellenwert. „Wir holen uns Fachleute ins Haus, und wenn es hart kommt, gehen wir den strafrechtlichen Weg.“ Zwei Schulsozialarbeiter kümmern sich an der Gettorfer Schule um sämtliche Belange der Kinder und Jugendlichen, auch ein Klassenrat hilft in schwierigen Situationen und bei Streitigkeiten. „Präventionsarbeit findet bei uns wie ein Kontinuum statt, wie ein Perpetuum Mobile“, sagt die Schulleiterin. Bei knapp 960 Schülern, davon etwa 600 am Gymnasium, trage sie mit dem gesamten Kollegium eine hohe Verantwortung.

Das treffe ganz besonders in der Corona-Krise zu, die an der Schule mit einem modernen Distanzlern-Konzept bewältigt wird. „Wir haben uns rechtzeitig gekümmert und können unser Konzept mit digitalem Distanzunterricht über unser Schulintranet mit Hilfe von Videosprechstunden, dem Aufgabenmodul oder dem Messenger Chat gut umsetzen.“ Für die Zukunft wünscht sich Marion Ehrich, dass die konstruktive Kommunikation aller am Schulleben Beteiligten noch verbessert werden kann. „Wir unterliegen den Vorgaben des Ministeriums, das ist ein festes rechtliches Korsett. Gleichzeitig bemühen wir uns, schnell, dezidiert und umfassend zu informieren.“ Denn auf Krisensituationen wie die Corona-Pandemie kann sich auch die Isarnwohld-Schule nur bedingt vorbereiten. Selbst wenn die besten Präventionskonzepte fest in das Schulleben integriert sind.

ERZÄHL MAL…

Mirko, Schülersprecher der Isarnwohld-Schule

Mirco (15) übernimmt bei der Jugendfeuerwehr und als Schülersprecher an der Isarnwohld-Schule Verantwortung für andere und liebt die Natur.

„Ich glaube, ich bin einer, der zuverlässig ist. Als ich in der zweiten Klasse für das Klassenbuch zuständig war, bekam ich positive Rückmeldungen von den Lehrern. Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich gerne Verantwortung übernehme, und so habe ich mich kurz darauf zum Klassensprecher wählen lassen. In der achten Klasse wurde ich stellvertretender Schülersprecher, und jetzt in der neunten Klasse vertrete ich etwa 960 Schüler der Isarnwohld-Schule. Warum ich das mache? Es gefällt mir, in Entscheidungsprozesse eingebunden zu sein und den Alltag für andere Menschen einfacher zu gestalten. Deswegen bin ich auch in der Jugendfeuerwehr Gettorf als Jugendgruppenleiter aktiv.

Mein Traumberuf steht schon lange fest. Ich möchte Lokführer in Schleswig-Holstein werden. Das war schon immer mein größter Wunsch. Mir gefällt die Landschaft im Norden, und ich mag Nord- und Ostsee gerne – dort zieht es mich immer wieder hin. Außerdem fasziniert mich, wie die Züge diese unglaublichen Tonnen aus Stahl in Bewegung setzen. Seit Herbst fahre ich Motorroller, und das ist wirklich ziemlich aufregend, denn ich bin weniger örtlich gebunden. Am liebsten fahre ich nach Sehestedt an den Kanal oder ans Meer und genieße die Natur.

„Um meinen Mittleren Schulabschluss mache ich mir trotz Corona keine großen Sorgen.“

Das Berufsorientierungsprogramm unserer Schule hat mich bei der Wahl meines Traumberufs bestärkt. Und sollte es mit dem Lokführer nicht klappen, hätte ich noch eine Alternative: Dann werde ich Elektriker, das hat mir bei einem Betriebspraktikum auch gut gefallen.

Um meinen Mittleren Schulabschluss mache ich mir trotz Corona keine großen Sorgen. Wir haben noch ein ganzes Jahr Zeit. Allerdings wünsche ich mir, dass es mit dem digitalen Unterricht zukünftig besser klappt. Bisher fand ich die Umsetzung über die Schulplattform IServ eher mangelhaft. Viele Schüler sind aufgrund des Homeschoolings unsicher, was aus ihren Abschlüssen wird. Dann sage ich ihnen, wir wissen es auch nicht genau, aber wir hoffen das Beste.“

 

TEXT Nadine Schättler
FOTOS Isarnwohld-Schule und Sophie Blady

 


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