Isarnwohld-Schule Gettorf: Erstmalig ist der BO-Unterricht auch in der Oberstufe implementiert

Isarnwohld-Schule Gettorf: Erstmalig ist der BO-Unterricht auch in der Oberstufe implementiert

BO-Lehrer Volkhard Hanns begleitet das Projekt

Volkhard Hanns kommt aus Leipzig und wollte schon früh Lehrer werden. Er unterrichtet WIPO, Geschichte und Deutsch am Gymnasium der Isarnwohld-Schule und verantwortet dort den BO -Unterricht.

Seit diesem Schuljahr ist der BO-Unterricht in der Oberstufe ein eigenes Fach. Wie wird das Fach gestaltet und ist zum Beispiel ein Praktikum vorgesehen?

Dies ist der erste Jahrgang der Oberstufe, in dem dieses Fach verankert ist. Berufliche Orientierung ist nun ein ordentliches Unterrichtsfach, und es gibt eine Klausurersatzleistung. Im ersten Jahr in der Oberstufe bekommen die Schüler eine orientierende Einführung; es werden Kompetenzen und Berufsinteressen ergründet, auch unter Zuhilfenahme verschiedener Online-Angebote der Berufsagentur. In meinem Unterricht haben wir uns gerade verschiedene Berufsfelder und deren Zukunftsperspektiven angeschaut. Die Schülerinnen und Schüler lernen das gesamte Spektrum der Berufswelt kennen und analysieren diese unter bestimmten Gesichtspunkten. Ein Mitarbeiter der Agentur für Arbeit, Martin Bodenstein, bietet den Schülern die Gelegenheit zu einem regelmäßigen Austausch über Studien- und Berufsmöglichkeiten. Ein Praktikum ist nicht vorgesehen, da wir in der Oberstufe schon das Wirtschaftspraktikum haben.

Was versteht man unter einem Wirtschaftspraktikum?

Dabei untersuchen die Schüler ihr theoretisch erworbenes Wissen in den Unternehmen und schreiben darüber eine Facharbeit. Das Wirtschaftspraktikum hat bei vielen Schülern schon eine berufsorientierende Wirkung, denn sie suchen sich Betriebe aus, die ihrer Interessenlage entsprechen.

Interessieren sich denn die Gymnasiasten eher für ein Studium oder ist auch eine Ausbildung gefragt?

Es kommt immer darauf an. Einige gehen mit dem klaren Ziel in die Oberstufe, ihr Abitur zu machen und danach ein Studium zu beginnen. Andere wissen noch nicht, was sie später machen wollen und orientieren sich erst in der Oberstufe. Manche gehen dann auch mit der Fachhochschulreife nach zwei Jahren ab und machen eine Ausbildung. Das Studium an einer Fachhochschule ist danach immer noch eine Option. Einen Trend kann ich allerdings nicht ausmachen.

Wie bereiten Sie die Schüler auf die Messe vor?

BO -Stunden werden genutzt, um die Schüler auf die Messe vorzubereiten. Sie müssen sich erkundigen, welche Unternehmen anwesend sind, und wir erwarten, dass sie zielgerichtet das Gespräch suchen. Im Vorfeld erarbeiten wir im Unterricht gemeinsam zum Beispiel auch Regeln der Gesprächsführung.

Welche Online-Formate nutzen Sie im BO-Unterricht?

Das BIZ (Berufsinformationszentrum) von der Bundesagentur für Arbeit bietet eine ganze Menge Formate. Berufsorientierungstests, Kompetenztests und vieles mehr. Die Tests können je nach Länge auch im Unterricht durchgeführt und ausgewertet werden. Natürlich ist das nur eine grobe Orientierung, aber es hilft, die Schüler für das Thema zu sensibilisieren.

Wie orientieren sich die Schüler unmittelbar nach dem Abitur?

Einige nutzen das erste Jahr für ein FSJ oder die Bundeswehr. Es gibt fast niemanden, der gar nichts macht. Leider habe ich aber Rückmeldung von einigen früheren Absolventen, die in der Coronazeit ins Studium gegangen sind und sich aufgrund von fehlenden Präsenzveranstaltungen nun umorientiert haben. Die waren regelrecht erschüttert, wie sich der Beginn ihres Studiums gestaltet hat.

Sie kommen aus der ehemaligen DDR. Gab es zu Ihrer Zeit BO-Unterricht?

In der polytechnischen Oberschule gab es ab der 7. Klasse für die Schüler einmal in der Woche einen Tag Betriebspraktikum. Das hieß Werkstatt oder Fließband oder ähnliches. Im Grunde war es so etwas wie ein Langzeitpraktikum, welches das ganze Schuljahr hindurch lief und eng durch die Lehrkräfte begleitet wurde. Die ließen mit Fragen, was man denn nun werden wolle, nicht locker. Damals als Jugendlicher fand ich das lästig, aber im Nachhinein empfinde ich das als hilfreich. Es ist gut, dass die Berufsorientierung heutzutage immer stärker ein fester Bestandteil der Schulbildung wird.

 

TEXT Anja Nacken
FOTO Reinhard Witt