Aus Liebe zu – Island!

Aus Liebe zu – Island!

Skandinavistin Franziska blickt im Interview über den kulturellen Tellerrand zu unseren Nachbarn im Norden

Wie ist deine Liebe zu Skandinavien entstanden?

Da ich nach meinem Abi für längere Zeit auf Island gelebt und gearbeitet habe, war für mich das Studium der Skandinavistik eine Herzensangelegenheit. Auch während des Studiums war ich in den Semesterferien immer wieder auf der Insel. Als Pferdetrainerin und Tourismusführerin auf dem Pferderücken habe ich in dem wunderschönen Land viele interessante Menschen kennengelernt.

Was begeistert dich am meisten?

Ich bin dieser Insel verfallen – die einmalige Natur und und insbesondere die Leute dort haben mich in den Bann gezogen. Viele sind naturverbunden, sehr musikalisch und etliche glauben noch an Elfen, die angeblich in Steinen wohnen. Auch das finde ich richtig liebenswert! Natürlich konnte ich in dieser Zeit meine Sprachkenntnisse wesentlich verbessern.

Franziska Vollmann

Franziska hat in Island als Pferdetrainerin und Tourismusführerin gearbeitet

Was ist das eigentlich genau – Skandinavistik?

Das Skandinavistik-Studium verbindet Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Länderkunde. Mein Bachelorstudium habe ich an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) abgeschlossen. Und die Entscheidung für dieses Studium war goldrichtig. Das Studium in Kiel ist sehr vielseitig und besonders spannend für Menschen, die sich für die Sprache und Kultur der skandinavischen Länder interessieren. Schon bevor das Studium richtig beginnt, erlebt man Skandinavien live: Die Erstsemesterfahrt startete in Richtung Dänemark. Wir Studis haben uns schnell kennengelernt und zunächst häufig noch Deutsch gesprochen. Der Spracherwerb spielt im Studium jedoch eine Schlüsselrolle. Prima ist deshalb, dass die Dozenten fast alle Muttersprachler sind. Sie können nicht nur die Sprache vermitteln, sondern die Studierenden auch für Land, Leute und Kultur begeistern.

Wie verläuft das Studium?

Im ersten Semester entscheidet man sich für seine erste Fremdsprache. Dänisch, Schwedisch, Norwegisch oder Isländisch stehen zur Auswahl. Im 5. Semester kommt eine weitere hinzu. Die Wahl der ersten Sprache sollte gut überlegt sein, denn der Spracherwerb ist sehr intensiv und erfordert viel Fleiß und Einsatz. Am Ende jedes Semesters muss man mit Referaten, Hausarbeiten sowie in Klausuren sein Wissen unter Beweis stellen. Sich intensiv mit dem Sprachwandel in den verschiedenen Ländern sowie mit der modernen skandinavischen Literatur zu beschäftigen, finde ich wirklich spannend.

Franziska Vollmann

Und wann kann man endlich nach Skandinavien ausschwärmen?

Wenn man sein Studium für ein oder auch zwei Semester ins Ausland verlegen möchte, ist das kein Problem. Über ein Erasmus-Programm kommt man nach Dänemark oder Island; man kann sogar in Finnland studieren. Außerdem bietet das Institut für Skandinavistik in den Semesterferien Studienreisen an. Die Kooperation der CAU mit den skandinavischen Universitäten bietet ausgezeichnete Möglichkeiten einige Semester im Ausland zu studieren.

Okay, das Studium ist klasse. Aber wie sieht es mit den Jobchancen aus?

Der Grundstein für einen Job in Skandinavien ist mit diesem Studium zwar gelegt; allerdings sollte man sich überlegen, was man wirklich machen möchte. Ein klassischer Berufsweg, wie ihn die Eltern sich vielleicht wünschen, wird es wohl nicht. Du kannst später als Journalist arbeiten oder in Museen oder als Reiseveranstalter. Mit der entsprechenden beruflichen Aus- oder Weiterbildung sind die Absolventen auch als Übersetzer für Literatur oder Dolmetscher gefragt. Solche Berufsmöglichkeiten sind in Deutschland natürlich rar. Viele wollen deshalb gerne nach Skandinavien übersiedeln.

Sich intensiv mit dem Sprachwandel in den verschiedenen Ländern sowie mit der modernen skandinavischen Literatur zu beschäftigen, finde ich wirklich spannend.

Ziehst du es auch in Betracht, nach Skandinavien auszuwandern?

Natürlich würde es mich jederzeit wieder nach Island oder auch nach Norwegen ziehen. Aber vor kurzem habe ich geheiratet. Wo unsere kleine Familie künftig leben wird, ist noch völlig offen!

TEXT Joachim Welding
FOTOS Privat