Von der Uni ins Packeis

Von der Uni ins Packeis

Im Gespräch mit dem „Packeis Kiel“- Geschäftsführer Philipp Klang.

Eine Firma gründen und sich mit einer coolen Geschäftsidee selbstständig machen! Davon träumen viele der bundesweit rund 200.000 Studierenden der Betriebswirtschaftslehre (BWL). Für Philipp Klang ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. 2017 schloss er sein Studium mit dem Bachelorgrad an der Christian-Albrechts-Universität ab und entschied sich, bei der Firma „Packeis Kiel“ mit einzusteigen. Geschäftsidee: handgemachtes Qualitätseis am Stiel. Für ME2BE CAMPUS öffnet der 24-Jährige die Türen der Kieler „Packeis“-Produktion und berichtet über das BWL-Studium, gute Surf-Spots und sein erstes Eis-Erlebnis!

Moin Philipp. Der Mai meint‘s gut mit uns. Bei 30 Grad im Schatten, habt ihr da keine Angst, dass euer Eis schmilzt?

Nö. Unser Eis lagert bis zur Auslieferung gut gekühlt bei konstant minus 25 Grad in der Kühlkammer. Da wir täglich frisch produzieren, brauchen wir nicht lange zu lagern!

„Packeis Kiel“ surft auf einer Erfolgswelle. Euer Eis am Stiel ist in vielen Geschäften der Renner! Was genau bietet ihr an?

Wir bieten selbstgemachtes Speiseeis am Stiel an. Dabei achten wir möglichst auf regionale Zutaten und handgemachte Eisherstellung ohne die Verwendung von Farb- oder anderen Zusatzstoffen. Milch, Quark und Sahne kommen von Höfen und Meiereien aus unmittelbarer Nachbarschaft Kiels. Momentan stellen wir dreizehn verschiedene Sorten her und haben insgesamt sechzehn Produkte im Angebot.

Produktion bei "Packeis"
Wo kann man „Packeis“ kaufen?

„Packeis“ gibt es in ausgewählten Supermärkten, Restaurants, Kiosken, Imbissen, Hotels und Strandläden. Besonders stark vertreten sind wir an der Ostseeküste, von Flensburg über Kiel bis Lübeck. Unser Nahziel ist der Vertrieb im gesamten Raum Schleswig-Holstein, also von Küste zu Küste! Täglich kommen neue Partner und Lieferadressen dazu. Auf unserer Webseite www.packeiskiel.de präsentieren wir unsere „Packeishöker“. Mittelfristig planen wir, unser Gebiet auch auf Hamburg auszudehnen, doch dazu bedarf es noch einiger Vorbereitung.

Schaffst du es, alle Sorten aufzuzählen?

Ja, klar: Pistazie, Stracciatella, Kieler Mandel, Erdbeer, Erdbeer Milch, Buttermilch Limette, Haselnuss, Kaffee Deichbohne, Schokolade, Vanille, Waldbeer, Zitrone und Quark Himbeer.

Wie lautet euer Claim?

„Pack dir ein Eis und gut iss!“

Das war die Chance, von der ich immer geträumt hatte.
-Philipp Klang

Viele träumen von der Selbständigkeit. Hochschulen, Handels- und Industriekammern bieten rund um die Uhr Förderprogramme für Entrepreneurship an, denn die Zahl der Unternehmensgründungen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Wie ist die Firma ‚Packeis Kiel‘ entstanden? Wer hatte die Idee dazu? Und wie bist du persönlich dazu gekommen?

Irgendwann eine gut Idee zu haben und eine Firma zu gründen, diesen Traum hatte ich auch! Doch ich hätte nie für möglich gehalten, dass dieser Traum so schnell wahr werden könnte. Allerdings hatte ich das Glück, die richtigen Leute zu kennen. Die Kernidee – „die Kugel muss an den Stiel“ – wurde 2014 ursprünglich von meinem Geschäftspartner Claudio Ferraro und dessen Freund Viktor Simonovsky entwickelt. Mit seinem Eisgeschäft „Eiswerk“ im Olympiahafen Schilksee führt Claudio die 44-jährige Familientradition der Eismanufaktur fort. In den ersten Jahren wurde das Eis am Stiel dort sozusagen als Nebenprodukt aufgebaut. Seit 2017 firmiert „Packeis Kiel“ in eigenen Räumlichkeiten. Ich selbst bin 2016 über die Surf-Freundschaft zu Viktor zu „Packeis“ gekommen. Als mir Viktor von der Idee erzählte, war ich sofort begeistert und habe mich neben meinem Studium um den Aufbau der Marke gekümmert. Irgendwann hieß es dann: „Philipp, sieh zu, dass du dein Studium beendest. Um mit der Firma durchzustarten, brauchen wir dich als BWLer!“ Daraufhin habe ich an der Uni noch mal Vollgas gegeben, meine Bachelorarbeit über die Optimierung des Vertriebs bei „Packeis“ geschrieben und das Studium erfolgreich beendet. Letztes Jahr erhielt ich dann das Angebot als gleichberechtigter Partner und Geschäftsführer bei „Packeis Kiel“ voll einzusteigen. Das war die Chance, von der ich immer geträumt hatte. Nun sind wir ein kleines Fünf-Mann-Team und stehen zu 100 Prozent hinter „Packeis“ und unseren Produkten.

Apropos Studium. Warum hast du dich für den Studiengang BWL an der CAU Kiel entschieden, und wie sehr helfen dir deine BWL-Kenntnisse?

Mit dem BWL-Studium wollte ich zweigleisig fahren. Zum einen hatte ich schon während der Schulzeit ein Interesse an wirtschaftlichen Themen, zum anderen wollte ich Zeit gewinnen, denn ein Vorteil des BWL-Studiums ist, dass man sich nicht sofort spezialisieren muss. Für den Studienort Kiel habe ich mich aufgrund der Nähe zum Wasser entschieden. Ich komme ja aus Wolfsburg. Da konnte ich mein Hobby, das Freestyle- Windsurfen, nicht regelmäßig ausüben. Mich zog es ans Wasser und da war Kiel die erste Adresse. Das Studium selbst hat mir ein betriebswirtschaftliches Grundwissen vermittelt. Meine Studienschwerpunkte waren „Produktion“ und „Logistik“. Einige dieser Kenntnisse kann ich jetzt anwenden, doch in einem Start-up-Unternehmen mit einem kleinen Team kommen so viele Aufgaben auf jeden zu wie Produktion, Akquise, Verkauf, Logistik, Marketing, Buchhaltung – auf das alles bereitet dich kein Studium perfekt vor. Außerdem fand ich das Studium an der CAU sehr unübersichtlich. Ich habe allein zwei, drei Semester gebraucht, um genau zu verstehen, welche Veranstaltungen für wie viele Credit Points ich wann und wo belegen sollte. Das erging vielen so. Das erste Semester BWL an der Uni Halle war deutlich entspannter. Da konnte ich alle Infos auf einer zentralen Webseite finden und hatte sofort den Überblick.

Die Sorte Pistazie verkauft sich gut

Hat man als Start-up-Gründer noch Freizeit? Wie viel Zeit bleibt dir momentan für das Surfen? Und wo sind deine Lieblingsspots?

Tja, das ist natürlich die Kehrseite der Selbständigkeit. Man arbeitet selbst und ständig! Zurzeit bin ich an sechs Tagen in der Woche zehn bis zwölf Stunden mit „Packeis“ beschäftigt. Da bleibt nicht viel Zeit.
Bei gutem Wind nehme ich mir allerdings auch manchmal die Freiheit, spontan für zwei Stunden aufs Wasser zu gehen. Meine Topspots sind auf Fehmarn. Dort habe ich zwei Jahre als Surflehrer gejobbt und kenne mich bestens aus, doch auch die Nordseeküste und die Kieler Förde sind gute Surfreviere. Eine neue Leidenschaft entdecke ich seit Kurzem beim Motocross. Da habe ich den Vorteil, nicht viel Material ein- und ausladen zu müssen!

Isst du eigentlich selbst noch Eis? Und welche Packeissorte gefällt dir am besten?

Ja, auf jeden Fall. Meine Lieblingssorte „Packeis“ wechselt ab und zu. Lange Zeit war es Pistazie. Momentan ist es Stracciatella. Aber schon als kleiner Junge hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Immer, wenn meine Mutter mich auf dem Bollerwagen am Eiswagen vorbeizog, bekam ich von der Eisverkäuferin eine Kugel Vanille-Eis geschenkt. Vielleicht hat das unbewusst Einfluss auf mein Schicksal gehabt!

TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Sebastian Weimar