Quereinstieg: Schule

Quereinstieg: Schule

Referendarin Kurzhöfer über ihren Einstieg in den Schulalltag

Frau Kurzhöfer ist seit einem Jahr Referendarin an der Goethe-Gemeinschaftsschule in Kiel, unterrichtet Kunst und WiPo und wohnt mit ihrem Mann und den zwei Kaninchen Emma und Lotti in Kiel Schreventeich. Abschalten kann sie am besten zwischen Radieschen und Tomaten in ihrem eigenem Garten. Im Interview verrät sie uns, welchen Herausforderungen sie sich als Quereinsteigerin im Ausnahmezustand der Pandemie an der Goethe-Schule stellen musste und was Schüler auf der Suche nach beruflicher Orientierung auf jeden Fall beachten sollten.

Frau Kurzhöfer, Sie haben vor einem Jahr als Quereinsteiger Ihr Referendariat an der Goethe-Gemeinschaftsschule begonnen. Warum haben Sie sich für den Einstieg in den Schulbetrieb entschieden?

Ich wollte eigentlich schon immer als Lehrerin arbeiten und habe an der CAU ein paar Semester Kunst und WiPo auf Lehramt studiert. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen entschied ich mich jedoch nach ein paar Semestern dazu, das Lehramtsstudium abzubrechen und mich voll auf mein Kunststudium an der Muthesius Kunsthochschule zu konzentrieren – immer mit dem Hintergedanken, als Quereinsteiger in der Schule zu arbeiten. Mit dem Masterabschluss in der Fachrichtung Experimentalfilm und performative Installation in der Tasche bewarb ich mich dann tatsächlich für ein Referendariat und bin vor einem Jahr an die Goethe-Schule gekommen. 

Eine Gemeinschaftsschule im Herzen von Kiel. Was macht die Goethe-Schule für Sie aus?

Die Atmosphäre stimmt einfach. Das Kollegium hat mich sehr nett und hilfsbereit aufgenommen, und auch das Miteinander mit den Schülern und Eltern empfinde ich als sehr positiv. Als Quereinsteigerin musste ich ja erst mal das System Schule kennenlernen. Das war nicht immer leicht, und ich war dankbar für Tipps von erfahrenen Kollegen. 

Hatten Sie ein Hauptanliegen für Ihre Arbeit als Lehrerin?

Mit meinem Unterricht möchte ich bewirken, dass dem Fach Kunst mehr Aufmerksamkeit an Schulen geschenkt wird. Kunst sollte nicht nur als unbedeutende Bastelstunde wahrgenommen werden, sondern als Möglichkeit, Kreativität zu fördern, die wiederum sehr wichtig für viele Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen ist. Ein Thema, das ich in meiner Examensarbeit, die sich mit kreativen Prozessen im Unterricht beschäftigt, vertiefen möchte. 

Ein spannendes Thema. Haben Sie ein Vorbild aus Ihrer eigenen Schulzeit?

Ich hatte früher selbst eine ganz engagierte Kunstlehrerin, mit der hat alles angefangen. 

Sie haben Ihr Referendariat vor einem Jahr im Ausnahmezustand begonnen. Wie war die Arbeit mit den Schülern bisher, und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Die ersten Wochen an der Goethe-Schule waren fast ‘normal’, bis es dann in den Wechsel-Unterricht in Kombination mit Homeschooling ging – eine große Herausforderung für mich als Neuling. Wir mussten uns immer wieder umstellen, und es war schwer, eine Art Routine aufzubauen: Je nach Corona-Lage hieß es Präsenzunterricht, Hybrid-Unterricht oder Homeschooling. Ich wünsche mir sehr, dass sich in diesem Jahr alles etwas normalisiert und wir uns nicht jede Woche neu organisieren müssen.

Die voranschreitende Digitalisierung an Schulen ist in aller Munde und verlangt Lehrern zusätzlich einiges ab. Fühlen Sie sich für die digitalen Herausforderungen gut vorbereitet?

Vor meinem Studium habe ich bereits eine Ausbildung zur Fotografin gemacht und mich viel mit Technik beschäftigt. Die Umstellung auf Onlinesysteme ist daher kein Problem für mich. Ganz im Gegenteil: Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mein Referendariat an der Goethe-Schule machen darf. Eine Schule, die in Sachen Digitalisierung sehr fortschrittlich daherkommt. 

Eine Folge und der Digitalisierung an Schulen sind digitale Bildungsangebote und Plattformen wie unser Berufsorientierungsportal DIGI.BO. Haben Sie bereits mit DIGI.BO gearbeitet?

Ich habe unseren Schülern die Plattform gezeigt, da mir die Übersichtlichkeit und die Gestaltung wirklich gut gefallen. Besonders hilfreich für unsere Schüler ist der regionale Bezug des Portals: Auf DIGI.BO können sie Unternehmen aus ihrer Umgebung finden, sich informieren und Kontakt aufnehmen, da jedes Unternehmen sich mit einem Ansprechpartner und besonderen Kriterien für die Ausbildung präsentiert. Anhand der Vorlage auf DIGI.BO habe ich mit den Schülern das Anschreiben geübt und mich sehr über die praxisnahen Tipps gefreut. Auch auf Youtube finden Schüler spannende und anschauliche Einblicke in die Berufswelt, das war besonders in diesem Jahr sehr wichtig, da viele Praktika ausgefallen sind.

Was sollten Schüler auf der Suche nach beruflicher Orientierung auf jeden Fall beachten?

Schüler sollten ganz genau ihre Interessen analysieren, sich viel angucken und sich nicht verrückt machen, wenn sie nicht von Anfang an das große Ziel vor Augen haben. Oft ist der Weg das Ziel, und eine Ausbildung kann der Anfang sein – muss aber nicht immer das Ende sein. Es gibt so viele Weiterbildungsmöglichkeiten und Abzweigungen, die einen Lebensweg prägen können. Da spreche ich aus eigener Erfahrung. 

Auf Ihrem Weg zur Lehrerin haben Sie viele Berufe kennengelernt und oft auf Ihr Bauchgefühl gehört. Wie können junge Menschen herausfinden, welcher Beruf sie glücklich machen könnte?

Wichtig ist zu wissen, ob man gerne alleine oder im Team arbeitet. Man sollte sich seiner Interessen bewusst sein und damit beginnen, Berufsgruppen einzugrenzen – besteht ein Interesse mit Medien zu arbeiten? Oder doch lieber im medizinischen Bereich? Wichtige Fragen sind auch, ob man in einem großen oder kleinen Unternehmen arbeiten möchte? Am Schreibtisch oder an der frischen Luft? Im Team oder lieber alleine? Ob es Weiterbildungsmöglichkeiten gibt und wie die Übernahmechancen und die Arbeitszeiten sind? 

Sie haben bereits sehr früh gewusst, dass Sie als Lehrerin arbeiten möchten. Was macht für Sie den Reiz dieser Arbeit aus?

Besonders gefällt mir die Arbeit mit jungen Menschen. Für mich bedeutet, kreativ zu arbeiten, nicht nur ein Kunstwerk zu erschaffen, sondern auch den Unterricht kreativ und abwechslungsreich zu gestalten.

 

TEXT Sophie Blady
FOTO Tom Riedel