Welche Berufe wird es in 20 Jahren noch geben? Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung sorgen bei vielen für Unsicherheit. Für junge Menschen wird die berufliche Orientierung dadurch noch herausfordernder. Beim NOSH Network Event in Kiel hatten Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kronshagen die Chance, Karrieremöglichkeiten in der Region zu entdecken und Einblicke in Berufe zu erhalten, die in Zukunft relevant sind.
Es ist kurz vor 8 Uhr an einem bewölkten Mittwochmorgen im Juli. Auf dem Platz vor dem Kieler Wissenschaftszentrum sammeln sich nach und nach Jugendliche in kleinen Grüppchen. Trotz der frühen Uhrzeit herrscht gute Stimmung und man hört Stimmen und Gelächter. Es liegt eine gespannte Erwartung in der Luft. Denn: Heute steht kein gewöhnlicher Unterricht an. Statt Mathe, Deutsch und Englisch beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Gymnasiums Kronshagen heute mit der Frage: Was kommt eigentlich nach der Schulzeit?
Schule, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringen
Um junge Menschen bei der Berufsorientierung zu unterstützen, hat ME2BE das NOSH Network Event ins Leben gerufen. Das Bildungsevent bringt Schülerinnen und Schüler mit Unternehmen und Hochschulen aus der Region in Kontakt und gibt ihnen in einem ungezwungenen Rahmen die Möglichkeit, Berufe zu entdecken, Fragen zu stellen und Kontakte zu knüpfen. In mehreren Gesprächsrunden rotieren die Jugendlichen von Tisch zu Tisch und lernen Ansprechpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft kennen. Zwischendurch sorgen Snacks und Kurzvorträge von Expertinnen und Experten aus der Arbeitswelt für Abwechslung.

Am zehn Tischen können die Jugendlichen mit Unternehmen und Hochschulen aus der Region ins Gespräch kommen.
Von Verwaltung über medizinische Berufe bis hin zu Kunst
Nachdem die Schülerinnen und Schüler nach einigem Gewusel alle einen Platz gefunden haben, beginnt nach einer kurzen Begrüßung von Organisatorin Nadia Ritter auch schon die erste Gesprächsrunde. An insgesamt zehn Tischen sitzen regionale Arbeitgeber wie die Landeshauptstadt Kiel, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) oder die HUK-COBURG Versicherungsgruppe. Auch ME2BE Universe als Medienagentur ist vertreten.
Wer sich für ein Studium an einer Fachhochschule oder Universität interessiert, kommt unter anderem an den Tischen der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW Kiel), der Fachhochschule Westküste, der Dualen Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH) und der Muthesius Kunsthochschule Kiel auf seine Kosten. An letzterem wartet auf die Jugendlichen ein besonderes Highlight.
Zukunft zum Anfassen: Lampen aus dem 3D-Drucker
Annika Frye, Professorin für Industriedesign, und ihre Kollegin Emma Kortstegge von der Muthesius Kunsthochschule haben einen 3D-Drucker mitgebracht. Immer wieder wandern neugierige Blicke zu dem innovativen Gerät. Surrend und ratternd entstehen hier vor den Augen der Jugendlichen Lampenfassungen. Die zugehörigen Lampenschirme liegen bereits daneben. „Ich habe mich schon immer für den 3D-Druck als Verfahren interessiert“, erklärt Prof. Annika Frye. Als feststand, dass die Muthesius Kunsthochschule am Event teilnimmt, hat die Professorin direkt vorgeschlagen, einen 3D-Drucker aus dem Repertoire der Hochschule mitzubringen.
Cybersicherheit: Ein Berufsfeld mit Zukunft
Nach den ersten drei Gesprächsrunden tritt Prof. Klaas Ole Kürtz für die erste Keynote auf die Bühne. Der Professor für Wirtschaftsinformatik an der HAW Kiel gewährt den Schülerinnen und Schülern Einblicke in seinen Forschungsschwerpunkt Cybersicherheit. „Cyberkriminalität betrifft uns alle – von großen Unternehmen bis hin zu Einzelpersonen“, warnt Prof. Kürtz, „Selbst Cybersicherheitsexperten werden Opfer von Cyberangriffen, wenn sie zum Beispiel gut getarnte Phishing-Mails öffnen.“

Prof. Klaas Ole Kürtz von der HAW Kiel hält eine Keynote zum Thema „Cybersicherheit: Wie schütze ich mein digitales Ich?“.
„Es ist ein Mythos, dass man ausreichend geschützt ist, wenn man gute Passwörter,
ein Antivirenprogramm und eine Firewall nutzt.“
Im Laufe seines Kurzvortrags gibt der ehemalige Unternehmensberater den Jugendlichen praktische Tipps, wie sie ihr digitales Ich schützen können. Gleichzeitig räumt er ein: „Vollständiger Schutz ist schwer erreichbar.“ Der neue Bachelor of Science „Cybersicherheit“, der ab dem 1. September 2026 erstmals angeboten wird, soll junge Menschen darin schulen, Organisationen widerstandsfähiger gegen digitale Bedrohungen zu machen. Mit dem Abschluss können Studierende in Bereichen wie der IT-Sicherheit, Cybersicherheitsberatung oder Sicherheitsanalyse arbeiten.
Foodtruck aus der Region sorgt fürs leibliche Wohl
Viel Input und neues Wissen machen hungrig. Deshalb fährt gegen Vormittag „Phil’s Burger“ aus Eckernförde auf das Gelände des Wissenschaftsparks. Schnell bildet sich vor dem türkisen Foodtruck eine Schlange. Die frisch belegten Burger – auf Wunsch vegetarisch/vegan – und Pommes kommen gut an. Zusätzlich gibt es drinnen eine Auswahl an Getränken, Obst und Donuts. Gut gestärkt geht es in die nächsten Gesprächsrunden.
Künstliche Intelligenz hält Einzug im Industriedesign
Wenig später steht die zweite Keynote von Prof. Annika Frye an. Die Professorin ist seit 2017 an der Muthesius Kunsthochschule tätig und unterrichtet Industriedesign. „Industriedesign ist die Gestaltung von Produkten an der Schnittstelle von Nutzung, Technik und Bedeutung“, erklärt sie. „90 Prozent unserer Umwelt ist gestaltet. Design beeinflusst unser gesamtes Verhalten und unsere Entscheidungen“, macht Prof. Frye den Einfluss dieses Berufsfeldes deutlich.
„Wenn wir über Jobs nachdenken, müssen wir auch darüber nachdenken,
was mit unseren Jobs in Zukunft passiert.“

Prof. Annika Frye von der Muthesius Kunsthochschule nutzt KI in ihrem Alltag als Professorin für Industriedesign.
Trotz der wachsenden Bedeutung von Künstlicher Intelligenz, ist die Designwissenschaftlerin davon überzeugt, dass der Mensch weiterhin eine wichtige Rolle spielt. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir Menschen Supervisor für KI-Modelle sind“, erklärt sie. Besonders interessant sei für sie aktuell die Fragestellung: „Wie kann ich KI dahin führen, dass sie etwas Individuelles gestaltet?“
Positives Feedback zum Abschluss
Gegen 13 Uhr neigt sich das NOSH Network Event in Kiel langsam dem Ende zu. Ein erstes Fazit fällt positiv aus: „Die Gesprächsrunden waren sehr interessant. Ab und zu war es etwas laut, sonst hat es mir gut gefallen“, sagt eine Schülerin des Gymnasiums Kronshagen. Kurz darauf werden die Jugendlichen in den inzwischen sonnigen Nachmittag entlassen – hoffentlich auch mit sonnigen Perspektiven für die Zukunft.
TEXT Mareike Neumann
FOTO Osama Adil




