Netzwerktreffen mit Mission: Schule und Wirtschaft wollen Berufliche Orientierung der Zukunft gestalten

Netzwerktreffen mit Mission: Schule und Wirtschaft wollen Berufliche Orientierung der Zukunft gestalten

Die gegenwärtige Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt Unternehmen aller Branchen vor enorme Herausforderungen. Laut der Bundesagentur für Arbeit besteht in jeder sechsten von insgesamt 1200 Berufsgruppen ein Mangel an Nachwuchs- oder Fachkräften. Weitere Zahlen sprechen für sich: Ausbildungsabschlüsse werden deutlich geringer. Momentan liegt die Quote bei 38 Prozent, ein weiterer Rückgang ist zu erwarten. Eine Situation, die mittlerweile viele Unternehmen besorgt, aber auch in allgemein- und berufsbildenden Schulen ein immer dringlicheres Thema ist.

Die Kooperationsinitiative von SCHULEWIRTSCHAFT SH und RDN der BA „Schule – Wirtschaft – Berufsberatung: Von Worten zu Taten“ hat sich zum Ziel gesetzt, bei der Berufsorientierung neue Wege zu gehen und diese nachhaltig zu verbessern. Die engagierte Landeskoordinatorin Margrit Gebel von SCHULEWIRTSCHAFT SH hatte mit Unterstützung von Bianka Lohmann, Geschäftsführerin des UV Mittelholstein, zu einem regionalen Netzwerktreffen für den Raum Neumünster eingeladen, um praktische Möglichkeiten zu entwickeln, so dass Unternehmen und Schulen effektiv kooperieren können. Für Margrit Gebel steht dabei „das Matching zwischen Schulen und Betrieben in regionaler Nähe besonders im Fokus.” Beide Bereiche gehörten zwar zusammen, seien aber doch sehr unterschiedlich. Hinzu kämen die individuellen Anforderungen und Entscheidungsprozesse der Schulabsolventen. „Fest steht, dass es nicht nur die eine Lösung für dieses Problem gibt, sondern mehrere Ansätze erforderlich sind.“, fasste der schulische Vorsitzende von SCHUWI SH, Thomas Willers, ehemalige Schulleiter der Friedrich-Junge-Schule in Kiel, zusammen und motivierte zu einem intensiven Austausch.

Viele Akteure, eine Aufgabe: Berufliche Orientierung neu denken!

So trafen sich am 14. September 2023, in Neumünster, in den Räumen des Logistikunternehmens Voigt Vertreter aus dem Bildungssektor sowie der freien Wirtschaft für das erste regionale Netzwerktreffen für die Region Neumünster. Unter den rund 30 Gästen waren Schuldirektorinnen und -direktoren, Lehrkräfte und branchenübergreifend Firmenvertreter aus vielen Bereichen und Institutionen. Interessante Impulsvorträge und eine ausführliche Betriebsbesichtigung standen auf dem Nachmittagsprogramm.

Gastgeber und Geschäftsführer Jörg Gutschlag gewährte den Teilnehmenden einen umfangreichen und faszinierenden Einblick in das familiengeführte Logistikunternehmen, das sich technologisch auf dem modernsten Stand befindet und weltweit agiert.

 

Schule mit Wirtschaft verbinden – Lösungsansätze entwickeln

„Schülerinnen und Schüler sollten möglichst gut informiert sein, welche Anforderungen und Tätigkeitsfelder verschiedene Berufe haben, um eine passende Ausbildung für sich zu finden und diese auch erfolgreich abzuschließen.“, betonte Axel von Kortzfleisch in seinem Impulsvortrag. Er ist Geschäftsführer der digitalen Berufsorientierungsplattform DIGI:BO, die er bei dem Netzwerktreffen als pädagogisches ‚Instrument‘ für den Berufsorientierungsunterricht vorstellte, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern die Möglichkeit bietet, sich jederzeit umfassend über Berufe und regionale Unternehmen kompetent zu informieren.

 

Einen weiteren praxisorientierten Ansatz, stellte Lasse Zipfel von SCHULEWIRTSCHAFT SH vor: Mit dem digitalen ökonomischen Planspiel WIWAG könnten Schulen im Zuge einer Projektwoche eine Unternehmenssimulation durchführen. Es würden zu dem Zweck Gruppen gebildet, die jeweils die Aufgabe hätten, als ein mittelständisches Unternehmen zu agieren, verschiedene Positionen zu besetzen und betriebswirtschaftliche Entscheidungen zu treffen. Lasse Zipfel zählt die Vorteile auf: „WIWAG sorgt für praktische Erfahrungen innerhalb der Schule, fördert Kreativität und bereitet Schüler auf das komplexe Arbeitsleben vor.“

Vom Austausch … zum Wunsch nach weiteren Treffen …

Die Vertreter aus Schule und Wirtschaft berichteten anschaulich von ihren drängenden Herausforderungen und Problemen: Eine besondere Schwierigkeit vieler Unternehmen sei, wirklich geeignete Personen für ihre Stellenangebote zu finden. Gerade bei der Suche nach Auszubildenden falle auf, dass bei den Bewerberinnen und Bewerbern häufig Wissensgrundlagen fehlten. Von schulischer Seite wurde berichtet, dass oft nicht genügend Zeit für eine intensivere und praktischere Berufsorientierung sei. Mitinitiatorin dieser Auftaktveranstaltung, Margrit Gebel, plant daher weitere Netzwerktreffen in anderen Regionen mit Auftaktveranstaltungen und Gelegenheiten zur Zusammenarbeit zu starten. „Für die bereits bestehenden Arbeitskreise plane ich Folgeveranstaltungen. Dabei wird es jeweils einen interessanten Input geben, beispielsweise wie heute Betriebsbesichtigungen oder auch die Vorstellung einer Schule, Best Practice-Beispiele von beiden Seiten und auf jeden Fall genug Zeit zum Austausch in Workshops.” Den Austausch zu intensivieren und weitere Treffen sowie Workshops zu veranstalten, ist an diesem Donnerstagnachmittag allgemeiner Konsens, so dass der nächste Termin bereits in Planung ist.

TEXT ME2BE
FOTO Caren Detje