Ich werde Erzieherin: Vom Friseurstuhl auf die Schulbank – Caros Weg zur Erzieherin

Ich werde Erzieherin: Vom Friseurstuhl auf die Schulbank – Caros Weg zur Erzieherin

Der Wunsch nach Veränderung ließ Caro irgendwann keine Ruhe mehr. Beruflich weiterkommen, sich weiterbilden und etwas Neues machen, das war ihr Wunsch. Nach fast elf Jahren als Friseurin fasste sie den Entschluss, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen. Wie es dazu kam und wie ihr die neue Ausbildung gefällt, erzählt die 28-jährige Kielerin im Interview.

Hallo Caro. Du hast bereits eine Ausbildung zur Friseurin abgeschlossen. Wie bist du damals zu dem Beruf gekommen?

Ich war 15 Jahre alt, stand kurz vor dem Realschulabschluss und wusste überhaupt nicht, was ich beruflich machen möchte. Ich überlegte, was mich interessiert und welcher Beruf zu mir passen könnte. Da ich sehr offen bin und gerne mit Menschen arbeite, kam mir der Friseurberuf in den Sinn. Ich erinnerte mich an einen nicht so schönen Friseurbesuch und dachte mir: Das kann man doch bestimmt viel besser machen!

Hattest du Schwierigkeiten, einen passenden Ausbildungsplatz zu finden?

Überhaupt nicht. Sobald ich mir sicher war, dass ich den Friseurberuf erlernen wollte, ging es ganz schnell. Meine Bewerbung schickte ich an einen Friseursalon, wurde gleich zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam direkt die Zusage. Das war ein totaler Glücksfall. Ich wurde hervorragend ausgebildet und mein Ausbilder war einfach klasse. Nach dem Ende der Ausbildung arbeitete ich dann fast elf Jahre als Friseurin.

Wieso hast du dich nun für einen anderen Weg entschieden?

Die Arbeit im Friseursalon hat mir gut gefallen. Ich mochte vor allem die Abwechslung. Jeder Kunde hatte individuelle Wünsche und Vorstellungen. Aber nach so vielen Jahren im gleichen Job fragte ich mich, ob ich diesen Beruf noch weiter ausüben möchte. Obwohl ich verschiedene Zusatzqualifikationen erwarb, fühlte es sich an, als würde ich nicht wirklich weiterkommen. Ich war bereit für etwas Neues.

Warum hast du dich für die Ausbildung zur Erzieherin entschieden?

Viele meiner Freunde arbeiten im sozialen Bereich. Was sie von ihrer Arbeit berichteten, hat mich sehr angesprochen. Von ihnen weiß ich auch, dass staatlich anerkannte Erzieher und Erzieherinnen in den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten können. Ich habe mich über den Beruf und die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten informiert und beschlossen, es einfach auszuprobieren.

Wie hat dein Umfeld auf den Berufswechsel regiert?

Die Kunden im Friseursalon waren zwar traurig, aber sie haben mich in meiner Entscheidung auch sehr unterstützt. Auch mein Familien- und Freundeskreis findet, dass der Erzieherberuf gut zu mir passt.

Wie läuft die Erzieherausbildung ab?

Meine Ausbildung findet an der Fachschule Fachrichtung Sozialpädagogik am RBZ am Königsweg in Kiel statt. Da es sich um eine rein schulische Ausbildung handelt, gehe ich während der drei Jahre ganztags zur Schule. Der theoretische Unterricht wird durch praktische Einsätze in verschiedenen Einrichtungen ergänzt. Insgesamt gehen wir innerhalb der Ausbildung vierzig Wochen ins Praktikum. Das erste Praktikum wird im Elementarbereich abgeleistet, also in einem Kindergarten, Krippe oder einer Kita. Ich habe mein zweites Praktikum im heilpädagogisch-psychiatrischen Bereich absolviert und arbeitete mit erwachsenen Menschen mit Behinderung und/oder psychischer Beeinträchtigung. Für das dritte und letzte Praktikum ist der Bereich frei wählbar.

Du bekommst keine Ausbildungsvergütung. Wie finanzierst du deinen Lebensunterhalt während der Ausbildung?

Ich erhalte Schüler-BAföG, das muss, im Gegensatz zum Studierenden-BAföG, nicht zurückgezahlt werden. Nebenbei arbeite ich noch in meinem alten Friseursalon. Schulgeld muss ich nicht bezahlen. Wir zahlen lediglich eine Kopierpauschale von 10 Euro im Jahr. Viele beginnen die Ausbildung direkt nach ihrem Schulabschluss. Sie erhalten dann zum Beispiel Unterstützung von ihren Eltern oder bleiben im Elternhaus wohnen. Einige finanzieren sich auch über das Aufstiegs-BAföG.

Bist du mit der Ausbildung zufrieden? War der Wechsel in einen neuen Beruf richtig für dich?

Bis jetzt bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Es macht mir viel Spaß, wieder zur Schule zu gehen. Ich bin sehr früh ins Berufsleben gestartet und hole jetzt sozusagen meine Schulzeit nach. Natürlich gibt es auch Tage oder Unterrichtseinheiten, die mir nicht so gut gefallen. Aber das ist vollkommen normal und gehört wohl zu jeder Ausbildung.

Welche Fähigkeiten sollten deiner Meinung nach Erzieherinnen und Erzieher mitbringen?

Empathie finde ich eine wichtige Eigenschaft. Egal ob man mit Kleinkindern im Kindergarten oder mit Jugendlichen in einer Wohngruppe arbeitet, man sollte sich stets in sein Gegenüber einfühlen können. Akzeptanz spielt im Erzieherberuf ebenfalls eine große Rolle. Wer im sozialen Bereich arbeitet, wird häufig mit Menschen oder Situationen konfrontiert, die nicht mit den eigenen Werten und Normen einhergehen. Das muss man akzeptieren können.
Schließlich sollte man offen sein, seine Gefühle akzeptieren und mitteilen, sich immer treu bleiben und sich bei der Arbeit nicht verstellen.

Was spricht für die Ausbildung?

Durch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten nach der Ausbildung ist der Erzieherberuf für viele Menschen interessant. Kindergärten, Jugendeinrichtungen oder Therapiezentren sind nur einige Beispiele. Durch die verschiedenen Praktika kann man schon während der Ausbildung herausfinden, welcher Bereich einem besonders liegt. Ich dachte zu Beginn, dass ich in Richtung Suchtprävention gehen möchte. Nun weiß ich, dass mir der heilpädagogisch-psychiatrische Bereich besser gefällt. Ein großer Pluspunkt sind auch die guten Weiterbildungsangebote. Mit entsprechenden Qualifikationen ist sogar ein Studium möglich. Erzieher/in ist zudem ein gefragter Beruf. Ein fester Arbeitsplatz ist dir nach dem Abschluss fast sicher.

Und was spricht dagegen?

Obwohl Erzieherinnen und Erzieher eine so wichtige Arbeit leisten, hat der Beruf kein besonders gutes Ansehen in der Gesellschaft. Viele wissen gar nicht, was wir alles können und leisten müssen. Die fehlende Anerkennung macht sich vor allem in der mäßigen Bezahlung bemerkbar.

Warum lohnt es sich trotzdem, Erzieherin zu werden?

Wegen der Menschen. Man bekommt einfach sehr viel Dankbarkeit für seine Arbeit zurück. Bei meinen beiden Praktika wurde ich sehr herzlich aufgenommen. Noch heute hängt ein Bild aus meiner Zeit im Kindergarten an meinem Kühlschrank.

Caro, vielen Dank für das Gespräch.

 

TEXT Katharina Grzeca
FOTO Dorothee Dahinden