Mit der Chemie ist es so eine Sache. Ihre Stoffe, Moleküle und Atome sind meistens klitzeklein und mit dem bloßen Auge nicht zu sehen. Aber ohne sie gäbe es keinen Fortschritt. Keine Medikamente, keine Computer, keinen Kunststoff, kein Benzin und keine Autos. Chemie hat die Menschheit schon immer fasziniert. Vor allem in Deutschland hat sie eine lange Tradition. Die chemische Industrie hierzulande beschäftigt 500.000 Menschen und setzt jährlich mehr als 100 Milliarden Euro um.
Eines der größten deutschen Chemieunternehmen ist die Bayer AG aus Leverkusen am Rhein. Die meisten kennen Bayer sicher vom Fußball. Die erfolgreiche Bundesligamannschaft Bayer 04 Leverkusen ist eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG. Das Team war fünf Mal Vizemeister (zuletzt 2011) und hat es als eine von nur acht deutschen Profimannschaften geschafft, einen internationalen Titel zu gewinnen – den UEFA-Pokal im Jahr 1988.
Die Anfänge
Bayer wurde am 1. August 1863 von den Chemikern Friedrich Bayer, dem Namensgeber des späteren Konzerns, und Johann Friedrich Weskott unter dem Namen „Friedr. Bayer et comp.“ gegründet. Zu Beginn stellten beide Farben zum Einfärben von Textilien her und verkauften sie mit großem Erfolg in ganz Europa. Ihre Produkte waren besser, reiner und strahlender als die der Konkurrenz. Den Durchbruch schafften Bayer und Weskott aber mit dem weltbekannten Schmerzmittel Aspirin. Ihr Mitarbeiter Felix Hoffmann hatte 1897 das schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel Acetylsalicyclsäure erstmals in chemisch reiner und haltbarer Form hergestellt. Bayer und Weskott brachten das Mittel unter dem Namen “Aspirin” auf den Markt und begründeten damit den Weltruhm ihres Unternehmens.
Bayer heute
Heute besteht die Bayer AG aus drei Bereichen: Bei “Bayer HealthCare” werden Medikamente und medizinische Produkte wie Aspirin entwickelt, produziert und auf der ganzen Welt vertrieben. “Bayer CropScience” stellt Mittel zum Schutz von Nutzpflanzen und zur Bekämpfung von Schädlingen her. “Bayer MaterialScience”, das dritte Tochterunternehmen, ist einer der weltweit größten Hersteller von Kunststoffen und den dazu erforderlichen Chemikalien. Die Produkte von Bayer MaterialScience werden in vielen Bereichen eingesetzt – unter anderem in Autos, Gebäuden, Elektrogeräten, und in Sport- und Freizeitartikeln. Auch die offiziellen Bälle der großen Fußballturniere werden traditionell von Bayer MaterialScience in Zusammenarbeit mit dem Sportartikelhersteller Adidas entworfen – aktuell das Modell „Brazuca“, das bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien über den Rasen rollt.
Bayer MaterialScience im hohen Norden
In Brasilien ist Bayer MaterialScience übrigens auch mit einem Standort vertreten – genauso wie an rund 30 anderen Stellen rund um den Globus. Das Unternehmen beschäftigt 14.500 Mitarbeiter, von denen die meisten in Deutschland arbeiten. Hier produziert Bayer MaterialSciencevor allem entlang des Rheins in Dormagen, Krefeld-Uerdingen und natürlich am Hauptsitz in Leverkusen. Es gibt aber seit 1973 auch einen Standort bei uns im hohen Norden – in Brunsbüttel, wo sich Elbe und Nord-Ostsee-Kanal kreuzen. Hier werden Vorprodukte für harte und weiche Schaumstoffe hergestellt, sogenannte Polyurethane. hergestellt. Wir finden sie überall im täglichen Leben: In den Matratzen, auf denen wir schlafen, in den Sohlen unserer Schuhe, in unserer Fernsehcouch, oder beim Autofahren, in den Sitzen und Armaturenbrettern.
Wie ein großer Chemiebaukasten
Mit seinen Kesseln, Pumpen und Rohrleitungen sieht das Werk in Brunsbüttel aus wie ein überdimensionierter Chemiebaukasten. Stoffe werden destilliert, erwärmt, gekühlt, gefiltert und gerührt und dann zwischen den einzelnen Behältern hin und her transportiert. Jeden Tag laufen hier unzählige Prozesse ab, die von den fast 600 naturwissenschaftlichen, technischen und kaufmännischen Mitarbeitern vor Ort organisiert und koordiniert werden. Chemikanten und Chemielaboranten regeln, überwachen und kontrollieren die chemischen Abläufe auf dem Gelände. Ingenieure, Techniker und Mechaniker installieren, warten und optimieren die modernen Produktionsanlagen und Leitungen. Und die Mitarbeiter in den Büros und in der Verwaltung sorgen dafür, dass alles reibungslos abläuft, die Zahlen stimmen und die Produkte rechtzeitig und in der richtigen Menge zu den Kunden kommen.
Vielfältige Aufgaben, vielfältige Chancen
Ebenso vielfältig wie die Aufgaben, die jeden Tag erledigt werden müssen, um eine solche Fabrik am Laufen zu halten, sind auch die Ausbildungsmöglichkeiten bei Bayer Materialcience in Brunsbüttel. Ob im kaufmännischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich – hier findet jeder einen Beruf, der optimal zu den eigenen Vorlieben und Fähigkeiten passt. Die Bayer AG verfügt über eine mehr als 100-jährige Ausbildungstradition, und auch in Brunsbüttel können junge Menschen seit 1977 einen Beruf erlernen. Die Ausbildung ist sehr modern und findet im hauseigenen Ausbildungszentrum und den Büros, Produktionsstätten und Laboratorien auf dem Werksgelände statt. “Auf diese Weise schaffen wir ein Zusammenspiel der betrieblichen Ausbildung mit der speziellen Fachausbildung hier im Haus und erreichen so ein größtmögliches Angebot“, erklärt Knut Pommerenke, der Ausbildungsleiter in Brunsbüttel.
Chemikanten, Techniker und Mechaniker gesucht
Derzeit werden 118 junge Menschen vor Ort ausgebildet. Bayer MaterialScience sucht in Brunsbüttel aber noch angehende Chemikanten (m/w), Automatisierungstechniker (m/w) und Industriemechaniker (m/w). Idealerweise aus der Umgebung. Diese Berufe sind etwas für alle, die sich für Naturwissenschaften interessieren und eine Neigung zu handwerklich- technischen Arbeiten haben. Chemikanten betreiben und betreuen Produktionsanlagen und begleiten die chemischen Stoffe auf ihrem Weg durch die Anlage. Sie kontrollieren die einzelnen Verfahrensschritte, führen leichte Reparaturen durch und machen regelmäßige Kontrollgänge. Automatisierungstechniker installieren, integrieren und warten die Automatisierungssysteme und sorgen dafür, dass vorgegebene Werte wie Temperatur, Druck oder Durchflussmenge eingehalten werden. Industriemechaniker haben ein breites Aufgabenspektrum und einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag. Dazu gehört zum Beispiel die Installation und Wartung von Geräten, die regelmäßige Kontrolle und Reparatur der Produktionsanlagen und die manuelle oder maschinelle Bearbeitung von Werkstoffen.
Das Schulförderprogramm von Bayer
Bayer MaterialScience in Brunsbüttel versteht sich als Ausbilder für die ganze Region und unterstützt deshalb mit dem Schulförderprogramm der Bayer AG auch Schulen in der Umgebung mit Geldspenden. Das Ziel ist es, Schüler für Chemie und Physik zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie spannend und aufregend die Naturwissenschaften sind. Seit 2007 sind so über 100.000 Euro an Schulen in Brunsbüttel, Itzehoe, Burg, Marne, Meldorf, Friedrichskoog und Wilster geflossen. Mit den Geldern werden die unterschiedlichsten naturwissenschaftlichen Schulprojekte gefördert:
- So konnte die Regionalschule Brunsbüttel ein Robolab-Baukasten-System von Lego anschaffen, mit dem die Schüler selbstständig einfache Roboter bauen können.
- An der Gemeinschaftsschule am Hamberg in Burg hat die Bayer-Stiftung verschiedene Waldbäume und Tierpräparate für das Schulprojekt “Jugendwaldspiele” finanziert.
- Mit der Geldspende von Bayer wurde an der Wolfgang-Ratke-Schule in Wilster ein Forscherraum eingerichtet, in dem die Kinder frei oder nach Anleitung experimentieren können.
- An der Grundschule Friedrichskoog unterstützt die Bayer-Stiftung das Projekt “Schulwald”: Schüler können den Wald erkunden, die Tiere dort beobachten und lernen, wie das Sonnenlicht den Pflanzen beim Wachsen hilft.
- Die Grund- und Regionalschule Marne konnte mit den Spendengeldern von Bayer Photovoltaikanlagen und Windräder auf dem Schulgelände für den praxisnahen Unterreicht anschaffen.
- Das Gymnasium Marne Europaschule hat mit den Fördergeldern ein Labor für DNA-Analysen von Pflanzen eingerichtet. Außerdem wurden auf dem Radwanderweg Marne-Friedrichskoog Spitze Informationstafeln aufgestellt, um Radfahrer und Wanderer über die Planetenbahnen über Dithmarschen zu informieren.
Schüler des Gymnasiums Marne Europaschule haben übrigens auch den Bayer-Schultechnik-Wettbewerb 2013 gewonnen: mit einem Rollator, der einfach über hohe Bürgersteige kommt – bisher schwer überwindbare Hindernisse für Senioren. Die Zehntklässler konstruierten spezielle Zusatzräder, die einfach an konventionelle Rollatoren angesteckt werden. Eine einfache Erfindung, die den Menschen hilft.
COVESTRO … das haben viele schon mal gehört, doch das Unternehmen ist noch nicht jedem so ein Begriff, wie die „Bayer AG“, aus der Covestro 2015 hervorging. Das aber wird sich schnell ändern, denn Covestro wächst und gedeiht!
Text Slaven Marinovic
Fotos Bayer & Michael Ruff