Elmshorn, 12. Februar 2026. Er holte den Wettbewerb „Jugend forscht“ einst beim Mittagessen an die NORDAKADEMIE. Heute kehrt Kai Hufenbach (34) zurück – als Alumnus, Dozent und Impulsgeber für den aktuellen Jugend-forscht-Jahrgang. Ein Gespräch über Robotersteuerung übers iPhone, warum Innovation nicht nur im Silicon Valley passiert und wie „Jugend forscht“ eine Lösung für den Fachkräftemangel sein könnte.
Kai, wenn am 20. Februar die Jungforschenden ihre Stände im Audimax der NORDAKADEMIE aufbauen, ist das im Grunde deine „Schuld“. Fühlst du dich verantwortlich?
(Lacht) Ich plädiere auf schuldig! Wobei ich es eher als glückliche Fügung sehe. Als ich damals hier studierte, setzte sich der ehemalige Hochschulpräsident Professor Plate in der Mensa zu mir an den Tisch – ganz unspektakulär zwischen Suppe und Salat. Er fragte mich direkt: „Herr Hufenbach, was fehlt uns hier noch? Wie kriegen wir junge Talente an die Hochschule?“
Und du hattest die Antwort parat?
Ich musste nicht lange überlegen. Ich kam ja selbst aus dieser Jugend-forscht-Welt, war damals zweifacher Landessieger in Hamburg (2008 und 2009). Ich wusste, dass der „Hands-on-Spirit“ der NORDAKADEMIE perfekt zum Wettbewerb passt. Also sagte ich: „Holen wir den Regionalwettbewerb nach Elmshorn.“ Dass daraus eine Tradition wurde, die jetzt im Jahr 2026 immer noch trägt, macht mich stolz. Es zeigt, dass man hier vor Ort Dinge bewegen kann.
Du warst damals selbst Teilnehmer. Deine Projekte waren sehr pragmatisch: LED-Ampeln und intelligente Notfall-Blinker. Warst du ein theoretischer Überflieger oder eher der Bastler im Keller?
Definitiv der Problemlöser. Mich hat nie die abstrakte Theorie gereizt, sondern die Unzufriedenheit mit technischen Mängeln. Wenn mich im Alltag etwas nervt – wie eine Ampel, die im Winter blendet, oder Sicherheitstechnik, die im falschen Moment ausfällt – dann will ich es „fixen“. Genau das bringe ich heute auch meinen Studierenden bei: „Sucht euch echte Probleme, keine künstlichen!“
Ein Highlight deiner Studienzeit war ein Roboter-Projekt. Worum ging es da?
Wir hatten an der Hochschule einen riesigen, orangefarbenen Industrieroboter: einen Kuka. Er war groß, schwer und gefährlich zu bedienen. Ich wollte Robotik aber begreifbar machen. Also setzte ich mich dafür ein, dass wir einen kleineren, kollaborativen Roboterarm bekommen. Den programmierte ich so, dass man ihn intuitiv per iPhone oder Wii-Controller steuern konnte. Das war vor über zehn Jahren — echte Pionierarbeit damals.
„Wir können den jugendlichen Spieltrieb in echte MINT-Karrieren verwandeln!“
Du hättest damit noch einmal bei „Jugend forscht“ antreten können, hast es aber nicht getan. Bereust du das?
Ein bisschen schon. Ich habe mir damals eingeredet, das Studium sei zu stressig. Rückblickend war das Quatsch. Ich habe gelernt: Der größte Fehler ist nicht, zu scheitern, sondern gar nicht erst anzutreten. Mut zu Fehlern bringt einen weiter als abzuwarten. Aber das Projekt hat mir trotzdem Türen geöffnet – auch ohne Wettbewerbsteilnahme.
Wir reden überall über Fachkräftemangel. Wenn du am 20. Februar durch das Audimax beim aktuellen Jugend-forscht-Wettbewerb läufst – siehst du dort die Lösung dafür?
Unbedingt. Jugend forscht (junior) ist eine der besten Pipelines gegen den Fachkräftemangel, die wir haben. Viele Eltern nervt es ja, dass ihre Kinder nur am Handy hängen oder „daddeln“. Aber hier im Wettbewerb können sie Zeugen der Transformation werden: Statt nur zu konsumieren, setzen die Jugendlichen ihr kreatives Potenzial frei. Wer versteht, wie ein Spiel funktioniert, kann oft auch programmieren. Wer einen Controller bedienen kann, kann mit etwas Übung auch eine Maschine steuern. Wir müssen diesen Spieltrieb nur in die richtigen Bahnen lenken – und dann können daraus auch echte MINT-Karrieren entstehen.
Du bist selbst Dozent und in der Wirtschaft tätig. Müssen wir uns vor der internationalen Konkurrenz verstecken?
Überhaupt nicht. Wir schauen immer ehrfürchtig ins Silicon Valley, aber Innovation entsteht genau hier, vor unserer Haustür. Im Norden haben wir eine beeindruckende Dichte an Talenten. Dass neben der NORDAKADEMIE nun schon mehrmals auch die Stadtwerke Elmshorn und die VR Bank in Holstein als Paten mit an Bord sind, zeigt: Die ganze Region hat verstanden, worum es geht. Dieser Wettbewerb beweist, dass Hightech „made in Elmshorn“ nichts Ungewöhnliches ist.
Du wirst dieses Jahr am 20. Februar beim Wettbewerb nicht nur als Gast dabei sein, sondern auch selbst auf der Bühne stehen – für einen kurzen „Motivationspitch“. Willst du den Jugendlichen erklären, wie man gewinnt?
Ich will eigentlich nur eines rüberbringen: Dass ich genau weiß, wie es ihnen gerade geht. Ich kenne diese Mischung aus Nervosität und Aufregung und dem wahnsinnigen Stolz auf das eigene Projekt. Ich möchte ihnen ein bisschen von der Last nehmen. Sie sollen den Tag nicht als Prüfung sehen, sondern als ihre Bühne. Wer da steht, hat schon gewonnen, weil er sich getraut hat. Wenn ich es schaffe, diesen Funken weiterzugeben – von einem ehemaligen Teilnehmer zu den aktuellen – dann bin ich zufrieden.
Zum Schluss: Drei schnelle Fragen, drei schnelle Antworten:
1. Welchen Tipp würdest du deinem 16-jährigen „Ich“ geben, kurz bevor die Jury an den Stand kommt?
Atme durch. Die Jury will dich nicht prüfen, sie ist genauso technikbegeistert wie du. Erzähl ihr einfach deine Geschichte.
2. Vervollständige den Satz: Ein guter Forscher ist nicht der, der alles weiß, sondern der, der …
… sich traut, Fragen zu stellen, auf die er die Antwort noch nicht kennt.
3. Dass der Wettbewerb jetzt hier in Elmshorn stattfindet, ist für dich …
… der Beweis, dass eine kleine Idee beim Mittagessen große Wellen schlagen kann.“
Kai Hufenbach in einem Motivationsvideo auf dem Social‑Media‑Kanal der NORDAKADEMIE: Youtube

Zur Person:
Kai Hufenbach (34) ist ein echtes Nordlicht. Nach dem Abitur in Hamburg studierte er dual Wirtschaftsinformatik an der NORDAKADEMIE und schloss dank eines Stipendiums direkt den Master in IT‑Management an. Er war zweifacher Hamburger Landessieger bei „Jugend forscht“ (das Foto zeigt ihn 2009 mit dem „Notfallblinker)“ und initiierte 2013 die Partnerschaft zwischen dem Regionalwettbewerb und der NORDAKADEMIE. Heute arbeitet er als IT‑Projektleiter im Gesundheitswesen und lehrt seit zwölf Jahren nebenberuflich an seiner ehemaligen Hochschule. 2017 trat er dem Alumniverein „Nordakademiker e. V.“ bei und wird beim diesjährigen Wettbewerb vor Ort sein. Er freut sich schon sehr auf die Forschungsprojekte der jungen Generation.
TEXT NORDAKADEMIE
FOTO NORDAKADEMIE / Nele Fürböter (1), Stiftung Jugend forscht e. V. (1)

