Arbeit, Berufsschule, Hobbies – der Alltag von jungen Menschen in der Ausbildung ist eng getaktet. Umso wichtiger ist eine gesunde Work-Life-Balance. ME2BE war auf der Ausbildungsmesse „Nordzubi“ in Husum unterwegs und hat Unternehmen aus der Region gefragt, wie sie ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen.
„Egal ob man acht Stunden im Büro sitzt, vorne an der Tafel steht oder die Schulbank drückt – Bewegung und ein gesunder Lebensstil als Ausgleich sind enorm wichtig“, findet Fabio de Nicolo, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Husum Nord. Eine zentrale Rolle dabei spielen Arbeitgeber. Sie gestalten die Rahmenbedingungen dafür, wie gut sich Arbeit und Privatleben vereinbaren lassen. Wir haben uns auf der Nordzubi Ausbildungsmesse in Husum für euch umgehört, was Betriebe aus der Region für die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden tun.
Flexible Arbeitszeiten bei den Stadtwerken Husum
Ein entscheidender Faktor sind die Arbeitszeiten. Viele Unternehmen bieten ihren Arbeitnehmenden Gleitzeit als Arbeitszeitmodell. So auch die Stadtwerke Husum: „Wir haben zwar Kernarbeitszeiten“, erzählt Industriekauffrau Joy Bohn. „Aber wenn ein Azubi zum Beispiel um 6 Uhr morgens mit dem Zug ankommt, finden wir eine Aufgabe für ihn, damit er um 6.30 Uhr loslegen kann. Das ist gar kein Problem.“ Die 22-Jährige hat im Januar selbst ihre Ausbildung bei den Stadtwerken abgeschlossen und wurde direkt übernommen. Neben Industriekaufleuten bilden die Stadtwerke Husum auch Fachangestellte für Bäderbetriebe aus. Für ausreichend Erholung sollen ab 2027 31 Urlaubstage sorgen. Bei regelmäßigen Mitarbeiterevents wird das Team auch mal aktiv: Demnächst steht ein großes Padelturnier an.

Vom Büro ins Fitnessstudio: Nord-Ostsee Sparkasse fördert Bewegung
Sportlich geht es auch bei den beiden angehenden Bankkaufleuten Kim Schröder und Sophia Schäfer zu. Ihr Arbeitgeber, die Nord-Ostsee Sparkasse in Husum, stellt den Mitarbeitenden eine Wellpass-Mitgliedschaft zur Verfügung. Diese ermöglicht die Teilnahme an unzähligen Fitness- und Wellnessangeboten an mehr als 8.000 Standorten. „Wir gehen beide viel und gern ins Fitnessstudio“, erzählt die 21-jährige Sophia Schäfer. „Aktuelle gehe ich zum Spinning im Fitnesscentrum Husum“. Der ebenfalls 21-jährige Kim Schröder ergänzt: „Ich mache Krafttraining im Clever Fit Husum.“ Auch darüber hinaus versucht die Nord-Ostsee Sparkasse auf die Bedürfnisse und Wünsche der Auszubildenden einzugehen: In regelmäßigen Abständen finden Gespräche zwischen Azubis und Vorgesetzten statt, um die Zufriedenheit der Nachwuchskräfte zu verbessern.

Teamkultur bei der Wüstenberg Landtechnik
Für gute Stimmung wird auch bei der Wüstenberg Landtechnik gesorgt: Jeden Samstag richtet die Firma ein gemeinsames Frühstück für alle Mitarbeitenden, die am Wochenende eingeteilt sind, aus. Das Traditionsunternehmen mit mehr als 80 Standorten deutschlandweit ist als Händler und Servicepartner für Landmaschinen tätig. Zu den vielfältigen Aufgaben zählen der Verkauf, die Reparatur sowie die Vermietung von Traktoren und Maschinen an landwirtschaftliche Betriebe. Morlin Paulsen, angehende Land- und Baumaschinenmechatronikerin im dritten Lehrjahr, freut sich vor allem über die Flexibilität, die die Ausbildung ihr bietet: „Wenn nichts Wichtiges ansteht, kann man selbst am Abend vorher fragen, ob man am nächsten Tag Urlaub bekommt oder Überstunden abbauen darf.“

Ein krisenfester Job an der frischen Luft
In anderen Branchen, wie dem Garten- und Landschaftsbau, richten sich die Arbeitszeiten auch nach dem Wetter. „Im Sommer sind auf dem Dach schnell mal 40 bis 50 Grad. Dann müssen Arbeiten wie die Gestaltung von Gründächern warten“, erklärt Knut Hansen, Inhaber und Geschäftsführer von GartenSchön in Husum. Gleichzeitig müssen die Mitarbeitenden auch bei Schnee und Regen an die Arbeit. „Eine Vier-Tage-Woche ist bei uns daher leider nicht realisierbar.“

Dennoch bietet die Ausbildung zum Landschaftsgärtner viele Vorteile. „Unkraut und Sträucher wachsen immer“, scherzt Knut Hansen, „Es ist ein krisensicherer Job“. Der Meister im Garten- und Landschaftsbau schätzt vor allem die Vielseitigkeit des Berufs. „Alles, was zwischen Wohnhaus und Gartenzaun passiert, ist unser Metier. Von Entwässerung über Erdarbeiten bis hin zum Terrassenbau – jeder Arbeitstag sieht anders aus.“ Die einzige Konstante: Die Arbeit findet stets an der frischen Luft statt.
Über den Tellerrand schauen bei der BAT Agrar
Über eine abwechslungsreiche Tätigkeit können sich auch die Auszubildenden der BAT Agrar in Husum freuen. Das Unternehmen BAT Agrar unterstützt die Landwirtschaft bei ihrer wichtigsten Aufgabe: der Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel. Dank Standorten bis über die Grenzen Deutschlands hinaus haben Azubis die Chance, an einem zwei- bis vierwöchigen Austausch nach Aarhus oder Aulum in Dänemark teilzunehmen. Darüber hinaus fördert der Arbeitgeber die Gemeinschaft der Lehrlinge untereinander durch regelmäßige Events. „Immer am 1. August organisieren wir einen Welcome Day für unsere Azubis“, berichtet Courteny Hartman, Ausbildungsleiterin im Norden. „Außerdem findet sechs Wochen nach Ausbildungsstart ein deutschlandweites Azubievent statt, an dem sich die Nachwuchskräfte der verschiedenen Standorte kennenlernen können.“

Work-Life-Balance zwischen Arbeit, Ehrenamt und Familie
Auch Fabio de Nicolo beschäftigt sich mit dem Thema Work-Life-Balance. Neben seiner Tätigkeit als Lehrkraft für Deutsch, Deutsch als Zweitsprache, Geschichte und Darstellendes Spiel ist der 43-Jährige als Vorsitzender beim Husumer Sportverein tätig. Bewegung war für ihn schon immer eine wichtige Säule. „Besonders Mannschaftssport hat mich in meiner Biografie stark geprägt. Ich habe viele Jahre lang Fußball gespielt“, erinnert sich der Deutsch-Italiener. „Nach Niederlagen wieder aufzustehen und mit Misserfolgen umzugehen – das hat mir eine gewisse Resilienz verliehen.“

Heute hat der zweifache Vater nicht mehr ganz so viel Zeit für Sport übrig. „Sonntagmorgens gehe ich gern laufen, um den Kopf freizubekommen.“ Ansonsten verbringt er seine Freizeit am liebsten mit seiner Familie. „Wenn ich nach Hause komme, gehört die Zeit meiner Frau und meinen Kindern. Komme, was wolle. Das erdet mich.“
Fazit zur Ausbildungsmesse „Nordzubi“ 2026
Als gegen 20 Uhr die Aussteller ihre Stände abbauen und sich die Schülerinnen und Schüler langsam auf den Heimweg machen, ist Konrektor und Organisator Eric Grages sichtlich zufrieden. „Wir haben dieses Jahr ausprobiert, dass auch die siebten Klassen zur Messe hinzukommen. Die Forschung zeigt, dass sich Kinder schon in diesem Alter mit der Berufswahl auseinandersetzen.“ So war der Andrang besonders groß: Rund 43 Unternehmen und 250 Schülerinnen und Schüler haben die Messe besucht. Für Eric Grages, der seit 20 Jahren an der Gemeinschaftsschule Husum Nord tätig ist, sind Ausbildungsmessen ein wichtiger Teil der Beruflichen Orientierung. „Ich kann im Unterricht ein Buch aufschlagen und etwas zu Berufen lesen. Aber wenn ein Handwerksbetrieb da ist, wo gehämmert und gesägt wird, ist das für die Schüler viel beeindruckender.“
TEXT Mareike Neumann
FOTO Mubarak Bacondo

