Wie Jannik Genz den Dreh zum Video am BBZ Rendsburg-Eckernförde fand

Wie Jannik Genz den Dreh zum Video am BBZ Rendsburg-Eckernförde fand

Jannik Genz arbeitet seit knapp sechs Jahren am BBZ Rendsburg-Eckernförde. Vor etwa drei Jahren übernahm der 33-Jährige zusätzlich zu seinen Klassen einen Videokurs, für den er sich extra weiterbildete.

ME2BE: Sie sind verantwortlich für den Bereich Video?

Jannik Genz: Genau. Ich führe einen Videokurs für den 13. Jahrgang im beruflichen Gymnasium durch.

Mann mit einer Kamera in der Hand

Jannik Genz beim Unterrichten in seinem Videokurs

Wie ist Ihr Werdegang hin zum Videolehrer?

Ich habe Lehramt studiert für berufliche Schulen in den Fächern Deutsch und Wirtschaft. In einer recht umfangreichen Weiterbildung habe ich viel über die technischen Aspekte wie Filmschnitt und -bearbeitung gelernt. Es ging aber auch darum, das Ganze im Unterricht einzusetzen. So haben wir didaktische Ansätze erprobt. Mittlerweile mache ich das im dritten Jahr, und es spielt sich immer mehr ein.

Wie tief gehen Sie in die Materie? Schreiben Sie auch Drehbücher?

So tief gehen wir tatsächlich nicht. Drehbücher schreiben die Schüler nicht, aber durchaus schon mal ein Exposé. Der Videokurs ist unterteilt in Filmanalyse und Bildgestaltung. Im zweiten Halbjahr geht es an die Produktion, da kriegen die Schüler eine Kamera in die Hand, ziehen los und setzen ihre Filmideen um.

2 Schüler vor einem Greenscreen

Schüler bei der Produktion im Studio

Wie ist die Ausstattung dafür?

Definitiv sehr gut. Dank EU-Fördergeldern haben wir seit zwei Jahren eine richtig gute Ausstattung. Mit sehr guten Kameras und leistungsstarken Laptops. Wir haben Beleuchtung, also Softboxen, Ringleuchten, können Greenscreens installieren und haben gute Mikrofone mit Tonangeln. Wir können hier schon ein semiprofessionelles Filmset aufbauen.

Wer profitiert von Ihrem Angebot?

Das Hauptaugenmerk liegt auf diesem Videokurs, auf den auch alles zurückgeht. Es wäre aber natürlich viel zu schade, wenn ich das Equipment nur mit dieser einen Klasse nutzen würde. Deswegen versuche ich immer wieder, wenn es die Zeit erlaubt, ein Videoprojekt zu machen. Mit den kaufmännischen Assistenten (Berufsfachschule III) oder Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule I zum Beispiel. So bekommen auch andere Schüler einen Einblick. Natürlich haben aber alle Kolleginnen und Kollegen Zugriff auf den Raum, die das gut nutzen.

Bilden Sie auch die Kollegen aus?

Es läuft gerade an, dass ich interne Fortbildungen anbiete. Bisher ist das eher informell, aber ich zeige natürlich einfache Sachen wie zum Beispiel die Bedienung einer Kamera.

Welchen Kenntnisstand bringen die Schüler mit?
Schüler sitzen vor dem Laptop

Unter Leitung von Jannik Genz schneiden die Schüler an ihren Videos

Das ist ganz unterschiedlich. Gerade in diesem Videokurs habe ich Schüler gehabt, die definitiv mehr Ahnung hatten als ich. Es gibt aber auch Teilnehmer, die ganz unbedarft sind. Man muss relativieren: Mit unserer Ausstattung ist es nicht der einfachste Weg, um ein Video zu produzieren, weil ich mir auch einfach eine App herunterladen könnte. Diese App kann einen Greenscreen simulieren, alles digital bearbeiten und auch ganz intuitiv und sehr benutzerfreundlich sein. Die Frage ist aber immer, ob man dann auch wirklich versteht, was man da macht. Also ob das der Definition von Medienkompetenz entspricht, die wir hier an der Schule vermitteln möchten. Ich glaube, dass es schon wichtig und gut ist, sich intensiver und tiefgründiger mit der Technik auseinanderzusetzen und vor allem auch mit den Abläufen – und dass einem bewusst ist, was für einen Sinn und Zweck das Ganze hat. Das funktioniert nur, wenn man wirklich mit einem Schnittprogramm arbeitet. Das war mir von Anfang an wichtig, eine Ausstattung zu haben, die authentisch ist und einen gewissen Anspruch hat.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sehen Sie als besonders wichtig für Ihre Schüler und wie werden diese gefördert im Schulalltag?

Ich finde Kreativität sehr wichtig, habe aber das Gefühl, dass dafür häufig die Zeit fehlt. Dass man eigenständig denkt und selber eine Art Lernprodukt erstellt, finde ich ganz wichtig. Denn es gilt ja verschiedene Kompetenzbereiche zu beherrschen, wie Handlungskompetenz oder Medienkompetenz. Als Berufsschule bereiten wir ja auf die Berufswelt vor und mir fallen wenige Jobs ein, die nicht mit digitalen Medien zu tun haben. Wir sollten also die Möglichkeit bereitstellen, sich diese Kompetenzen hier aneignen zu können und das Ganze auch kritisch zu reflektieren. Das gehört für mich immer dazu. Und gerade beim Thema Film sind natürlich auch andere Dinge entscheidend: zum Beispiel Persönlichkeitsrechte oder der Datenschutz. Das versuche ich, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Man muss sich auch am Filmset erst einmal umgucken und Fragen klären, wie es zum Beispiel um Persönlichkeitsrechte von gefilmten oder fotografierten Personen steht. Denn dafür bedarf es der Zustimmung dieser Personen.

Sind Sie mit Betrieben in Kontakt?

Ja. Ich sitze als Prüfer in IHK-Prüfungen, bei Einzelhandelskaufleuten und Verkäufern. Da komme ich in Kontakt mit Ausbildern und Betrieben. Darüber hinaus hat man natürlich auch immer mal wieder telefonisch Kontakt. Da tauscht man sich aus und hört schon, was in der Praxis wichtig ist.

Werden denn da auch Wünsche für Unterrichtsinhalte formuliert von den Schülern?

Leider noch sehr wenig. Es ist noch weit verbreitet, dass wir Schüler hier nur für ihre Prüfungen vorbereiten. Das stimmt natürlich – aber nicht einzig und allein, denn wir haben einen weitergehenden Bildungsauftrag. In jedem Beruf braucht man Kompetenzen, um mit Medien umgehen zu können. Wenn man sich dem verweigert, wird man abgehängt.

TEXT Markus Till

FOTOS Henrik Matzen