Vom Azubi zum freien Unternehmensberater

Vom Azubi zum freien Unternehmensberater

Die erstaunliche Erfolgsgeschichte eines ambitionierten Studenten

Fabian Walter weiß genau, was er will. Der 21-Jährige hat sich nach dem Abitur aufgemacht, die Welt des Personalwesens und der Wirtschaft zu erobern. Mit Erfolg: Seine Ausbildung beim Gebäudemanagement Schleswig-Holstein, kurz GMSH, zum Personaldienstleistungskaufmann absolvierte der Gettorfer als Bundesbester. Nun arbeitet er in dem Unternehmen und studiert gleichzeitig BWL in Kiel. Seine Ziele sind hoch gesteckt.

Der Grundstein für die Berufswahl wurde zuhause gelegt. Sein Vater ist Personalleiter. „Durch ihn habe ich viel über diesen Bereich mitbekommen“, erklärt Fabian Walter. Schon immer hat er sich für Menschen und ihre Lebenswege interessiert. Eine wichtige Voraussetzung, um im Personalwesen zu arbeiten. Mit dieser konkreten Vorstellung schaute er sich 2017 auf der Nordjob Messe nach einem Ausbildungsplatz um.

Die GMSH mit Hauptsitz in Kiel bot auf der Messe als einziges Unternehmen die Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann an. Ihre Aufgabe: Sie nimmt staatliche Bauherren- und Planungsaufgaben für Land und Bund in Schleswig-Holstein wahr, ist zuständig für die Bewirtschaftung der vom Land genutzten Liegenschaften und beschafft Material sowie Leistungen für die Landesbehörden. „Ein Unternehmen mit großer Vielfalt und spannenden Aufgaben“, sagt Fabian. Zudem sei der öffentliche Dienst ein sicherer Arbeitsplatz und laut Tarifvertrag werden Auszubildende für ein Jahr übernommen. „Am Messestand konnte ich direkt mit der Ausbildungsleiterin sprechen, das hat mir gut gefallen“, ergänzt Fabian. Gleich nach dem Gespräch schrieb er eine Bewerbung, und kurze Zeit später erhielt er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch und bekam im Anschluss zeitnah die Zusage. Unmittelbar nach dem Abitur im Sommer 2018 begann Fabian Walter seine Ausbildung bei der GMSH.

Mit 100 Prozent Einsatz zum bundesbesten Azubi

Drei Jahre dauert die duale Ausbildung zum Personaldienstleistungskaufmann mit dem Ziel, für Unternehmen Personal mit speziellen Qualifikationen zu finden und den Personaleinsatz zu koordinieren. Dazu gehört auch, Personalakten zu führen, kaufmännische Aufgaben zu erledigen, Vorstellungsgespräche zu begleiten und Bewerberinnen und Bewerber zu beraten.

Fabian gefiel, dass die GMSH ihre rund 1500 Beschäftigten ganz klassisch mit einer eigenen Personalabteilung betreut und man während der Ausbildung auch die Bereiche Finanzen und Beschaffung kennenlernt. Während seiner Ausbildung lernte der Azubi in der Personalabteilung, wie man Beschäftigte am besten betreut, sie persönlich oder am Telefon berät und wie man sich mit Gehaltsabrechnungen auseinandersetzt. „Am besten gefiel mir die Recherche von arbeitsrechtlichen Fragen“, betont Fabian. Mit der Einstellung, immer 100 Prozent zu geben, hat er es schließlich zum besten Auszubildenden in ganz Deutschland geschafft. Als Kreisbester und Landesbester konnte er sich schließlich auch gegen bundesweit rund 800 Mitstreiter durchsetzen. Mitte November 2020 wurde er von der Ausbildungsleiterin und dem Personalchef per Videokonferenz über den Sieg informiert. „Ein unbeschreibliches Gefühl! Mich überkam pure Freude über eine ganz große Sache, auf die ich hingearbeitet habe“, verrät er stolz.

„Mich überkam pure Freude als ich von meinem Sieg als bundesbester Azubi erfuhr.“

Seit Mitte Juli 2020 ist er bei der GMSH angestellt. Seine Arbeit umfasst die Betreuung eines kleinen Mitarbeiterkreises; er hilft bei Fragen im Bereich Personalwesen, wenn es beispielsweise um Arbeitszeitverkürzung, Gehaltsabrechnungen oder Arbeitsverträge geht. „Ich bereite die Einstellung von Mitarbeitern vor und begleite sie vom Anfang bis zum Ende ihrer Beschäftigung“ erläutert der Personaldienstleistungskaufmann. Dass er noch so jung ist, sei dabei kein Problem.

Der Weg ins Team

Wichtig ist für Fabian von Anfang an der Betriebssport gewesen, „weil man die Kollegen einfach besser kennenlernen kann“, sagt er. „Beim Fußball spielen viele Kollegen aus dem Personalbereich mit, da geht es nur um Sport, nicht um die Arbeit.“ Als Neuer sei die Teilnahme am Betriebssport besonders zu empfehlen, „weil dadurch der Weg ins Team leichter geebnet wird. Wer seinen Kollegen von Beginn an offen und positiv begegnet, macht bereits viel richtig. „Verschlossen zu sein, das ist nie gut“. Auch die Angst, Fragen zu stellen, ist meist unberechtigt. „Wer Unklarheiten direkt beseitigt und sich traut nachzufragen, suggeriert seinem Gegenüber Wertschätzung, „weil man auf diese Weise dessen Kompetenz anerkennt“, betont Fabian.

Kommunikation ist Fabian Walters Stärke, ebenso sein Ehrgeiz. Und der treibt ihn seit kurzem in die Hörsäle der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die er wegen der Corona-Pandemie bislang nur aus Videokonferenzen kennt. Im ersten Semester studiert er nun Betriebswirtschaftslehre, kurz BWL. „Gut war, dass ich schon an der Berufsschule Grundlagenkenntnisse im kaufmännischen Bereich vermittelt bekommen habe“, resümiert er. Um Arbeit und Studium gerecht zu werden, hat er seine Woche genau geplant: Drei Tage Arbeit bei der GMSH, drei Tage für die Uni büffeln.

Arbeiten und Studieren: klar geht das!

Nachdem Fabian sich bereits viel Wissen in der Personalabteilung angeeignet hat, interessiert er sich nun für die wirtschaftliche Grundlage von Unternehmen. „Ich möchte Einblicke bekommen, wie ein Unternehmen funktioniert, wie es Entscheidungen trifft und erfolgreich am Markt besteht“, erklärt der engagierte 21-Jährige. Sein Ziel: eine Karriere als freier Unternehmensberater in Monaco.

Auf einen Schwerpunkt im Studium hat er sich noch nicht festgelegt, „mal sehen, wie sich alles entwickelt. Ich möchte auf jeden Fall so viel mitnehmen wie möglich“. Den Master hat er sich fest vorgenommen, der Bereich Marketing interessiert ihn auch, und weitere Berufserfahrungen möchte er am liebsten bei den Unternehmensberatern McKinsey & Company Deutschland in Hamburg sammeln. Doch damit nicht genug: Fabian Walter sieht seine Zukunft nicht in Gettorf. Er träumt von einer beruflichen Zukunft in Monaco.

Von Gettorf nach Monaco, diesen Sprung hat er schon länger im Sinn. Schon zweimal war er dort, „die Côte d‘Azur, das Wetter, die Reichen und Schönen, das alles hat mich gecatcht“,  bekennt Fabian. Mit Mitte 30 möchte er an der Mittelmeerküste Fuß fassen. Ob der ehrgeizige Student sich zum Ziel gemacht hat, auch der beste Absolvent zu werden? Wer weiß? Vielleicht treffen wir ihn ja in ein paar Jahren wieder und erfahren, was aus seinen Plänen geworden ist.

TEXT Karina Dreyer/ Sophie Blady
FOTOS GMSH