Biologisch abbaubarer Kaugummi, ein Sportgerät fürs Weltall oder Klebstoff ohne Erdöl: Am 19. Februar präsentierten Schülerinnen und Schüler aus dem Kieler Umkreis ihre Forschungsergebnisse beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ an der HAW Kiel. Diese fünf Teams haben sich für den Landeswettbewerb am 25. März qualifiziert.
„Der Andrang dieses Jahr war riesig. Statt 300 haben wir dieses Mal über 500 Anmeldungen erhalten. Statt drei gibt es dieses Jahr fünf Regionalwettbewerbe nur in Schleswig-Holstein“, freut sich Daniel Schluckebier, Landeswettbewerbsleiter von „Jugend forscht“. 35 dieser Forschungsprojekte konnten die Besucherinnen und Besucher am vergangenen Donnerstagnachmittag beim Regionalwettbewerb Kiel an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW Kiel) bestaunen. Thematisch sind die Projekte in den Bereichen Mathematik/Informatik, Physik, Chemie, Biologie, Technik, Arbeitswelt und Geo- und Raumwissenschaften angesiedelt.
Ein Fitnessgerät fürs Weltall
Ein spannendes Projekt im Bereich Geo- und Raumwissenschaften stammt zum Beispiel von Finn und Nele, beide 15 Jahre alt, vom Gymnasium Elmschenhagen. Die beiden Zehntklässler haben ein Modell für ein Trainingsgerät nachgebaut, das auch im Weltall funktioniert. Im Gegensatz zu dem von der NASA entwickelten ARED-Gerät verwenden die beiden Schüler Terraband. „Terrabänder verlieren nicht an Zugkraft und sind deshalb optimal für ein Training in der Schwerelosigkeit geeignet“, erklärt Finn. Seit dem Sommer 2025 haben die sportbegeisterten Jugendlichen im Rahmen des Schulfachs MINT an ihrem Projekt gearbeitet. Leistungsdruck machen sich die beiden nicht. „Unser Ziel ist es, einfach Spaß zu haben und mit einem Lachen heute nach Hause zu fahren“, sagt Nele.
„Unser Ziel ist es, einfach Spaß zu haben und mit einem Lachen heute nach Hause zu fahren.“

Junge Talente forschen für eine nachhaltigere Zukunft
Auffällig war, dass sich viele Forschungsprojekte mit dem Thema Umweltschutz beschäftigten. So haben sich die Zehntklässler Jakob (15), Victor (16) und Marius (15) mit der Auswaschung von Düngemitteln auseinandergesetzt. Von Auswaschung spricht man, wenn überschüssiger mineralischer Stickstoff, hauptsächlich Nitrat, aus Düngemitteln in das Grundwasser gelangt. Das Umwelt- und Agrarproblem hat insbesondere in Schleswig-Holstein eine hohe Relevanz. Ein Jahr lang haben die drei Schüler im Rahmen ihres Projekts „Der Grüne Daumen“ untersucht, inwiefern verschiedene Bodenstrukturen die Auswaschung beeinflussen. Ihre Vision für die Zukunft: „ein Produkt entwickeln, das Substratauswaschung auf Feldern, die an Bäche und Flüsse grenzen, verhindert“.

Coronapandemie inspiriert innovative Idee
Eine ebenfalls aktuelle Problematik griffen die Schülerinnen Mila (16) und Lisa (15) von der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf auf. Den beiden Zehntklässlerinnen ist aufgefallen, wie stark die Anwendung von Desinfektionsmittel seit der Coronapandemie zugenommen hat. Das Problem: Der hohe Alkoholgehalt tötet zwar erfolgreich Keime ab, schädigt auf Dauer aber auch die Haut. Mila und Sina haben sich deshalb mit der Frage beschäftigt, ob ätherische Öle desinfizierend wirken können. Circa 1,5 Jahre haben die beiden Jugendlichen im Rahmen eines Wahlpflichtkurses an ihrem Projekt „Schutzengel für die Hände“ gearbeitet – mit Erfolg. Entstanden ist eine feste Handcrème mit zehn Prozent Teebaumöl, die effektiv gegen Keime helfen soll.

Junior-Forscher liefern ebenfalls beeindruckende Projekte
Auch jüngere Schülerinnen und Schüler bis 14 Jahre hatten die Chance, bei „Jugend forscht“ in der Sparte „Jugend forscht junior“ mitzuwirken. Gleich mehrere Junior-Projekte konnten beim Regionalwettbewerb in Kiel punkten: So konnte zum Beispiel die 10-jährige Julia vom Gymnasium Wellingdorf mit ihrer Idee eines biologisch abbaubaren Kaugummis überzeugen. „Der Kaugummi löst sich nach circa 15 Minuten auf. So landen nicht so viel Kaugummis auf der Straße und es besteht auch keine Erstickungsgefahr“, zählt Julia einige der Vorteile ihrer Erfindung auf. Für die Kaumasse hat die Fünftklässlerin unter anderem Glycerin und Zitronensäure verwendet. Stevia und Birkenzucker sorgen für den süßen Geschmack. Die Idee stieß sichtlich auf Interesse: Der Stand der Zehnjährigen war stets umringt von Besucherinnen und Besuchern.

Ein weiteres Projekt in der Sparte „Jugend forscht junior“ stammte von Thore (10) und Finn (11) von der Hebbelschule in Kiel. Die beiden Fünftklässler haben sich mit der Forschungsfrage „Welche Naturalien leuchten unter UV-Licht?“ beschäftigt. „Wir hatten einfach Lust, Naturwissenschaften kennenzulernen“, erklärt Thore. Im Rahmen einer MINT-AG hatten die beiden Jungen dazu die Gelegenheit. Unter dem Namen „Leuchtende Naturalien“ wollen Thore und Finn in Zukunft eine neue, umweltfreundliche Lichtquelle entwickeln. Bei einer Reihe von Experimenten haben sie bereits herausgefunden, dass Eichenrinde in einem Glas Wasser leuchtet, wenn sie sie mit einer UV-Taschenlampe anstrahlen. Nächstes Jahr wollen die beiden Schüler wieder bei „Jugend forscht junior“ antreten: „Wir wollen eine Lampe, die in ganz vielen verschiedenen Farben leuchtet, herstellen. Wir kommen auf jeden Fall nächstes Jahr wieder“, versprechen Thore und Finn.
„Wir kommen auf jeden Fall nächstes Jahr wieder.“

Preisverleihung beim Regionalwettbewerb Kiel
Im Anschluss an die „offene Stunde“, bei der die Schülerinnen und Schüler der Öffentlichkeit ihre Projekte vorstellen und Fragen beantworten konnten, fand die Preisverleihung statt. „Ich freue mich sehr, dass dieser Wettbewerb jungen Menschen die Chance gibt, zu forschen, zu experimentieren und Neugier zu wecken“, sagte Ulrike Hensel vom Ministerium für allgemeine und berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur, im ihrem Grußwort. Auch Daniel Schluckebier war sichtlich zufrieden mit dem Regionalwettbewerb. „Jugend forscht in Schleswig-Holstein wächst und wächst. Ihr seid ein Teil davon und dafür danke ich euch“, richtete sich der Landeswettbewerbsleiter direkt an die Nachwuchsforscher im Publikum.

Schließlich kam der Moment, auf den alle gewartet haben: Nach und nach wurden die Forschungsteams auf die Bühne gerufen und erfuhren ihre Platzierung. Diese fünf Teams haben den ersten Platz belegt und sich damit für den Landeswettbewerb am 25. März qualifiziert:
Siegerliste
Jugend forscht:
- Projekt „Sichere Kommunikation mit einem unknackbaren DIY-Verschlüsselungssystem“ von Marten (16) vom Gymnasium Altenholz
- Projekt „Entwicklung eines Tauchroboters zur Automatischen Meereserkundung“ von Kieron (16) und Denys (17)
Jugend forscht junior:
- Projekt „Parafilm 2.0“ von Sarah (11), Lis (12) und Dana (12) von der Hebbelschule Kiel
- Projekt „Biologisch abbaubarer Kaugummi“ von Julia (10) vom Gymnasium Wellingdorf
- Projekt „Wie viel Kresse müsste man pflanzen, um den Klimawandel zu stoppen?“ von Silja (11) vom Gymnasium Altenholz
TEXT & FOTO Mareike Neumann

