Raus aus der Komfortzone, rein ins Berufsleben! – Hauke Stärke über neue Konzepte für den BO-Unterricht

Raus aus der Komfortzone, rein ins Berufsleben! – Hauke Stärke über neue Konzepte für den BO-Unterricht

Worauf freuen Sie sich besonders im neuen Schuljahr?

Im allgemeinen bin ich positiv gestimmt. Wir haben die Schüler alle wieder in der Schule und hoffen, dass das auch so bleibt. Natürlich gibt es auch Dinge, die einem Kopfschmerzen bereiten. Besonders als BO-Lehrer sehe ich die Tendenz, dass der Trend, weiter zur Schule zu gehen, mangels Alternativen momentan anhält, und hier müssen wir verstärkt auch auf andere Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam machen.

Warum lohnt sich der Einstieg in eine Ausbildung für einige Schüler mehr als eine weitere rein schulische Ausbildung?

Wir merken, dass viele Schüler schulmüde sind, besonders jetzt nach der Coronazeit und trotzdem weitermachen, obwohl es vielleicht gar nicht ihrem Naturell entspricht. Ich verstehe Ängste, die mit einem neuen Weg verbunden sind, aber die sind nicht unüberwindbar. Die Chancen, die eine Ausbildung bietet, sind groß. Man lernt neue Leute und Situationen kennen und erfährt dabei viel über sich selber. Außerdem ist ja nichts in Stein gemeißelt. Nach oder während einer Ausbildung stehen einem ebenfalls Karriere- und Weiterentwicklungschancen offen. Manchmal ist das besser, als sich jahrelang unmotiviert durch weiterführende Schulausbildungen zu quälen, um dann hinterher doch nicht zu wissen, was man eigentlich will.

Wie motivieren Sie die Schüler, sich mit dieser Alternative zu beschäftigen?

In erster Linie durch Aufklärung. Hierfür arbeiten wir auch mit Frau Schumacher von der Agentur für Arbeit eng zusammen, sprechen auf Elternabenden das Thema gezielt an und versuchen zu vermitteln, welche Chancen Ausbildungsberufe mit sich bringen. Letztendlich bleibt es natürlich jedem selber überlassen, aber unsere Erfahrung hat einfach gezeigt, dass ein Tapetenwechsel bei vielen Schülern etwas Positives bewirkt und die Motivation wieder steigt.

Welche Rolle spielt die Berufsorientierungsmesse BOM innerhalb des BO-Konzeptes ?

Die BOM ist neben den Praktika eine weitere Möglichkeit, sich zu informieren und Ideen zu entwickeln. Manchmal ist es auch besser, wenn nicht immer nur wir oder die Eltern als Gesprächspartner zur Verfügung stehen, sondern jemand, der vielleicht nicht viel älter ist und begeistert von seinem Beruf berichtet.

Wie wird die BOM dieses Jahr stattfinden?

Die Ausstellerzahl müssen wir bedauerlicherweise aufgrund der Pandemie- Hygienebestimmungen dezimieren. Wir werden die großen Räumlichkeiten wie Turnhalle und Musikraum nutzen, da wir hier sowohl den entsprechenden Platz als auch die notwendige Durchlüftung haben. Bei unserer Planung ist Flexibilität ganz wichtig. Wer weiß heute schon, welche Auflagen es für die Durchführung der Veranstaltung geben wird? Eine Möglichkeit ist auch, die einzelnen Jahrgangsstufen separat an der Veranstaltung teilnehmen zu lassen. Im Normalfall planen wir von Klasse 7 bis 10, vielleicht beschränken wir uns diesmal aber auf die Klassen 8 bis 10. Aber wie gesagt, wir wissen noch nicht ganz genau, wie das Projekt nun letztendlich genau umgesetzt wird.

Wie sehen die Alternativen aus, wenn dieses Jahr durch die außergewöhnlichen Umstände nicht alles wie gewohnt funktioniert?

Wir arbeiten weiter mit unserer DIGI.BO und haben viele Pläne, die aber noch nicht ganz spruchreif sind. Obgleich das Angebot groß ist, fällt es den Schülern oft schwer,  sich mit dem Thema Zukunft wirklich konkret auseinanderzusetzen. Hier gilt es, noch stärker in Einzelgespräche zu gehen. Wir müssen die Schüler aus der Komfortzone holen und mit ihnen Stärken und Schwächen intensiver herausarbeiten. Hobbys helfen oft, sich besser kennenzulernen, im Team zu agieren und durchzuhalten und sind daher eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben.

Was raten Sie Schülern für ein Bewerbungsverfahren?

Wo fange ich da an? Offenheit und Ehrlichkeit sind ganz wichtig. Wenn man nervös ist, darf man das ruhig sagen. Informationen über das Unternehmen einzuholen und eine gute Vorbereitung vor dem ersten Kontakt, sind sehr wichtig.

Wie bereiten Sie die Schüler auf die Messe vor, damit sie ihre Chance bestmöglich ergreifen können und erste Kontakte knüpfen.

Sie sollen sich mit uns Gedanken machen, wo ihre Reise hingehen könnte und anschließend Betriebe nennen, mit denen sie gerne auf der Messe sprechen würden. Dann gibt es von uns ein Grundgerüst an möglichen Fragen, die als Inspiration für eigene Fragen dienen sollen.

Gibt es neue Projekte, Ideen und Ansätze, mit denen Sie die Schüler auf ein Leben nach der Schule vorbereiten?

Wir möchten sehr gerne mit den digitalen Betriebsbesichtigungen weitermachen. Das haben wir während Corona angefangen und das hat viel gebracht.

Wie motivieren Sie Schüler, sich frühzeitig konkret mit ihrer beruflichen Zukunft zu beschäftigen?

Unserer Berufsberaterin Frau Schumacher ist drei Wochen hier am Schreventeich und eine Woche am Standort Wik und beschäftigt sich mit jedem Schüler der  neunten und zehnten Klasse. Wir erwarten von den Schülern, dass sie verschiedene Pläne für die Zukunft entwickeln, denn wir haben schon oft erleben müssen, dass es plötzlich am Ende der Schulzeit heißt: ,Nö, um einen anderen Plan hab ich mich nicht gekümmert’.

 

TEXT Anja Nacken, Sophie Blady
FOTO Christina Koodt