Berufsinformation im Kreis Rendsburg-Eckernförde ist ein Fest!
Judith Hempe, Mitorganisatorin der Berufsinformationsbörse (BIB) in Rendsburg, freut sich auch in diesem Jahr wieder auf über 80 Unternehmen aus der Region, die sich auf der beliebten Ausbildungsmesse für Schülerinnen und Schüler von ihrer besten Seite präsentieren.
Was erwartet Schülerinnen und Schüler auf der BIB 2024?
Wir veranstalten diese Ausbildungsmesse jetzt bereits seit 1997. Und in all den Jahren mussten wir die Messe nur zweimal absagen – Corona bedingt. In diesem Jahr findet die BIB zum 26. Mal statt. Wir haben – wie in jedem Jahr – Wert darauf gelegt, eine gute Mischung aus Branchen, großen und kleinen Betrieben, dem öffentlichen Dienst und Beratungsangeboten zu präsentieren.
Frage: Welche Branchen sind vertreten?
Über 80 Aussteller sind regelmäßig vertreten. Und das Beste ist: Alle bieten Ausbildungsangebote genau hier in unserer Region Mittelholstein an. Von Banken, Bau und Bundeswehr bis Gesundheit, Polizei und Justiz ist eigentlich alles dabei. Besonders stark vertreten ist hier in der Region das Handwerk und hier insbesondere die “grünen Berufe” wie beispielsweise Gartenbaubetriebe. Die Landwirtschaftskammer präsentiert sich mit „Weißen-Kragen“-Berufen, Seite an Seite mit Mechaniker-Berufen im Blaumann, und die Schornsteinfeger sind mit ihrer traditionellen schwarzen Berufskleidung vertreten.
Was zeichnet die BIB Rendsburg aus?
Wir schaffen jedes Jahr eine spannende Mischung aus altbewährten Ausstellern und neuen Gesichtern. Dieses Jahr freuen wir uns besonders über die Firma Bäko. Das ist ein neuer und sehr spannender Anbieter aus dem Lebensmittelbereich. Auch EDEKA ist erneut dabei. Das, was die BIB auszeichnet, ist ja, dass alle Aussteller, die vor Ort auf der Messe zu sehen sind, auch hier bei uns in der Region ausbilden. Man trifft also direkt vor Ort auf seine zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Meist sind an den Ständen andere junge Leute als Ansprechpartner im Einsatz, die beispielsweise nur ein oder zwei Jahre älter sind als die Schülerinnen und Schüler. Das kommt immer sehr gut an.
Ein bisschen schnacken, Hürden abbauen, niederschwellig ins Gespräch kommen – genau darum geht es.
Was für Trends können Sie beobachten?
Mir fällt auf, dass sich die Anbieter zunehmend mit Mitmach-Aktionen präsentieren. Das kommt bei den Schülerinnen und Schülern sehr gut an. Hier können sie Maschinen in Aktion erleben, Geschicklichkeitsspiele mit dem Bagger machen, etwas herstellen oder anfassen. Insgesamt hat der spielerische Charakter und der Erlebnis- und Unterhaltungswert der Unternehmensvorstellungen stark zugenommen.
Welche kreativen und innovativen Ansätze zeigen Unternehmen, um auf sich aufmerksam zu machen?
Anders als früher reicht es nicht mehr aus, einfach bloß Flyer zu verteilen. Die Schülerinnen und Schüler wollen an diesem Tag etwas erleben. Die Unternehmen stellen sich zunehmend auf diese Erwartung ein und freuen sich über jeden, der kommt und einfach erstmal Spaß hat. Die Hoffnung ruht auf dem bleibenden Eindruck von einem menschlich authentischen Arbeitsklima, das in einem Unternehmen herrscht. Schülerinnen und Schüler sollen sich sagen: “Die sind ja total nett, hier kann ich mir vorstellen, wiederzukommen”.
Mit welchen Herausforderungen müssen Unternehmen umgehen?
Nicht nur der Fachkräftemangel macht unseren Unternehmen in der Region zu schaffen, sondern auch der allgemeine Arbeitskräftemangel. Einige Branchen, wie beispielsweise das Hotel- und Gaststättengewerbe, haben mehr Nachwuchssorgen als andere. Aber auch kleinere, familiengeführte Handwerksbetriebe sorgen sich, dass sie mit den Werbebudgets und Kapazitäten größerer Unternehmen nicht mithalten können. Umso wichtiger sind Initiativen wie die ‚Praktikumstage in den Herbstferien‘, bei denen wir mit Partnern aus Rendsburg-Eckernförde, dem Kreis Plön sowie aus Kiel und Neumünster zusammenarbeiten, um diese mit Schülerinnen und Schülern aus der Region zu verbinden.
Was erhoffen Sie sich von diesem innovativen Ansatz?
Mit an Bord, als Unterstützer in diesem Programm, sind die KielRegion, die Wirtschaftsförderung Rendsburg, die Wirtschaftsförderungsagentur WFA, die Wirtschaftsagentur Neumünster, die KIWI und das Landesprogramm Wirtschaft, gefördert durch die Europäische Union. Der Ansatz, Schülerinnen und Schülern einen Schnuppertag im Unternehmen zu bieten, ist schon allein deshalb innovativ, weil wir den Fokus von den Arbeitgeberinteressen auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schüler verlagert haben. Wir schaffen mit den Schnupperpraktika eine unkomplizierte und niederschwellige, weil unverbindliche Begegnungsmöglichkeit. Die Chance liegt darin, den jungen Leuten etwas zu bieten. In den meisten Unternehmen geht es sehr familiär zu. Wenn Schülerinnen und Schüler merken, dass sie sich auf Anhieb wohlfühlen, dass sie vielleicht Bekannte und Mitschüler treffen, die noch im Vorjahr an ihrer Schule gewesen sind, werden sie erkennen: Hier in der Region finde ich nicht nur Arbeit, sondern auch Freunde!
TEXT Natascha Pösel
FOTO privat