Vom Tellerwäscher zum Millionär in der Gastronomie?

Vom Tellerwäscher zum Millionär in der Gastronomie?

Eine Branche, die Erfolgsgeschichten schreibt!

Jamie Oliver, Jürgen Gosch und Herbert Steckler – sie alle beweisen: Der American Dream lebt auch in Deutschland. Kein Zufall also, dass sich der Traum vom beruflichen Aufstieg auch in der Gastronomie manifestiert. Kaum eine andere Branche bietet so viele Möglichkeiten, in der großen weiten Welt sein Glück zu suchen. Ricci Giese und Frank Denker engagieren sich nicht nur deshalb bei der DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband), um Schülerinnen und Schülern die vielseitigen Möglichkeiten in der Gastronomie nahezubringen.

Nach der Ausbildung in Dubai arbeiten und Manager auf den Bahamas werden – als Hotelfachmann kein Problem, weiß Frank Denker. Denn diese Karriere stammt nicht aus dem Drehbuch eines bekannten Hollywoodstreifens. Sie beschreibt den beruflichen Werdegang einer seiner Freunde und macht deutlich, welche attraktiven Möglichkeiten die Branche zu bieten hat – wie international die Arbeit in der Gastronomie und Hotellerie tatsächlich sein kann und wie durchlässig das System in der Branche ist. Denn auch wenn das Narrativ ‘vom Tellerwäscher zum Millionär´, nicht die Regel ist: möglich ist alles!

Vom Praktikanten zum Vorsitzenden des Landesausschusses für Berufsbildung und Gastgewerbe – ein faszinierender Lebensweg in der Gastronomie

Frank Denker, Vorsitzender des Landesausschusses der DEHOGA Kiel, und Ricci Giese, Kreisausbildungswartin der DEHOGA Kiel, lernten die Branche von der Pike auf kennen. „Meine Mutter, die selbst als Köchin arbeitete, hat mich bereits inspiriert, als ich ein kleiner Junge war. Noch heute schmecke ich ihre Soße mit der guten Butter, wenn ich an sie denke. Sie war und ist ein großes Vorbild für mich”, bekennt Frank Denker. Als er in der achten Klasse die Chance bekam, mit zwei weiteren Mitschülern am Hauswirtschaftsunterricht teilzunehmen, der damals noch den Mädchen vorbehalten war, stellte er bereits die Weichen für seine spätere berufliche Laufbahn: Es folgte das erste Praktikum als Koch in einem großen Lübecker Traditionsunternehmen. Dort entstand Denkers Begeisterung für die Arbeit der Kellner. Nach seinem Ersten allgemeinen Schulabschluss (ESA) war er mit 1,50 Meter allerdings zu klein für seinen Traumberuf und hatte Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. „Ich entschied mich daher, ein Jahr weiter zur Schule zu gehen und mich im Berufsgrundbildungsjahr im Bereich Ernährung und Gastronomie weiterzubilden”, so Denker. Es folgten die Ausbildung zum Restaurantfachmann, die Fortbildung zum Restaurantmeister sowie die Ausbildereignung. „Bereits während der Ausbildung wurde ich über die Vorzüge des DEHOGA-Verbandes unterrichtet und bin seit Start meiner Selbständigkeit mit einem eigenen Billardlokal in Lübeck Mitglied der DEHOGA. Nachdem ich viele Jahre von dem Angebot des Verbandes profitierte, bewarb ich mich 2017 erfolgreich um den Posten des Kreisvorsitzenden für Lübeck und wurde 2021 zum Vorsitzenden des Landesausschusses für Berufsbildung und Gastgewerbe ernannt. Eine ehrenamtliche Tätigkeit, die ich mit viel Engagement und Überzeugung ausübe”, so Frank Denker.

Viele Wege führen zum Traumberuf – eine Karriere in der Hotellerie

Ein Schulpraktikum im Hotel Birke eröffnete Ricci Giese bereits in der neunten Klasse den Weg in die Hotellerie. Sie entschied sich für eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und sammelte anschließend erste Berufserfahrungen im Housekeeping des Holiday Inn. Giese interessierte sich allerdings mehr für die Arbeit in der Hotelverwaltung und bekam die Möglichkeit, in einem renommierten Hotel in Hildesheim die Buchhaltung zu erlernen. „Ich hatte damals eine sehr nette Chefin, die mich sehr gewissenhaft eingearbeitet hat und mir mit ihrem Engagement neue Wege in der Hotellerie eröffnete”, erklärt sie. Ihre nächste Station bei einem Steuerberater beweist, wie Umwege einen Lebensweg bereichern können, denn es folgte die Selbständigkeit mit einem Verwaltungsservice für die Hotellerie und Gastronomie sowie die Vermietung von Gästezimmern in den eigenen vier Wänden und das Engagement als Elternvertretung an der Friedrich-Junge-Gemeinschaftsschule, an der sich Ricci Giese viele Jahre für das Thema Berufsorientierung stark gemacht hat. „Als Kreisausbildungswartin bei der DEHOGA kann ich all meine Fähigkeiten und Erfahrungen zusammenführen und junge Menschen beim Start ins Berufsleben unterstützen”, freut sich Giese.

DEHOGA

Ricci Giese und Frank Denker auf dem Treffen der Ausbildungswarte 2022.

Wer nichts wird, wird Wirt? – Keineswegs!

Über attraktive berufliche Perspektiven im Gastgewerbe
Ricci Giese, Frank Denker und Landesausbildungswart Christian Schmidt wollen ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus dem Berufsleben an junge Menschen weitergeben. Wir haben mit ihnen über ihre Tätigkeit beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) gesprochen und erfahren, welche Perspektiven die neue Ausbildungsverordnung eröffnet.

Eure Tätigkeit bei der DEHOGA ist ehrenamtlich. Welches Ziel verfolgt Ihr mit Eurem Engagement?

Ricci Giese: Wir wollen über die neue Ausbildungsverordnung aufklären und jungen Menschen Einblicke in eine Branche geben, in der sehr vieles möglich ist! Dafür gehen wir in die Schulen und auf Messen, um Konzepte für unsere Kolleginnen und Kollegen in anderen Regionen zu erarbeiten. Eine digitale Betriebsbesichtigung, wie sie die Friedrich-Junge-Schule 2021 mit dem Hotel Birke realisiert hat, würde ich mir beispielsweise auch an anderen Schulen wünschen.

Frank Denker: Unser Ziel ist, die Berufsorientierung voranzutreiben und über die zahlreichen Möglichkeiten unserer Branche aufzuklären. Mein eigener Lebenslauf verdeutlicht die Aufstiegsmöglichkeiten eines Hauptschülers. Wir wollen der Gastronomie und Hotellerie eine Stimme geben und setzen uns deshalb besonders für die Nachwuchsförderung ein. Unsere Vision: Ausbildungsland für die Gastgeber der Zukunft zu werden.

Bei welchen Themen gibt es besonderen Aufklärungsbedarf?

Ricci Giese: Da gibt es viele Themen, die neu gedacht werden sollten. Frank und ich sind beispielsweise Verfechter der Theorie: Wir haben frei, wenn andere arbeiten – leere Strände, freie Ski-Pisten und viel Zeit für die Familie. Als Mutter kann ich wunderbar als Frühstückskraft arbeiten, wenn meine Kinder in der Schule sind, und den Nachmittag kann ich dann mit ihnen verbringen. Auch die Bezahlung ist durchaus besser als ihr Ruf. Und wer mit einem ordentlichen Schulabschluss eine internationale Karriere anvisiert, hat im Gastgewerbe die Möglichkeit, diesen Traum zu realisieren.

Frank Denker: Da kann ich Ricci nur zustimmen. Gerade in Kiel bieten Kreuzfahrtschiffe einen attraktiven Arbeitsplatz für junge Menschen, die neugierig auf andere Kulturen und ferne Länder sind.
Als meine Kinder klein waren, öffnete ich mein Lokal abends um 17 Uhr und konnte so den ganzen Tag mit meiner Familie verbringen. Der neue Ausbildungsrahmenplan sieht vor, dass die Auszubildenden zukünftig beispielsweise auch in Sachen Management und Marketing geschult werden. Aufgrund des akuten Fachkräftemangels ist die Chance für ausgebildete Kräfte groß, sich mit ihrer Qualifikation zu profilieren und aufzusteigen.

Was macht das Gastgewerbe zu einem so außergewöhnlichen Arbeitsplatz?

Ricci Giese: Die Durchlässigkeit und Vielfalt der Branche ermöglicht sowohl jungen Menschen mit einem ordentlichen als auch mit einem guten Schulabschluss sehr gute Aufstiegschancen an Arbeitsplätzen in der ganzen Welt. Sie eröffnet vielleicht sogar überraschende Horizonte und ermöglicht spannende Begegnungen mit Weltenbummlern, Popstars, Sportlern, Politikern und vielen mehr. Auf Grund meiner positiven Erfahrungen während meiner Tätigkeiten in der Hotellerie und Gastronomie engagiere ich mich für diese Branche.

Frank Denker: Was haben wir in der Gastronomie für Möglichkeiten, prominente Menschen kennenzulernen? Ich bin mit Udo Lindenberg aufgetreten, habe mit Frank Walter Steinmeier Mittag gegessen, mit Olaf Scholz diskutiert und blicke auf viele unvergessliche Begegnungen in meinem Berufsleben zurück, die mich sehr geprägt und zu einem offenen Weltbürger gemacht haben, der seine Erfahrungen heute an junge Menschen weitergeben möchte.


Gut zu wissen:

Die Neuordnung der gastgewerblichen Ausbildungsberufe ist am 1. August 2022 in Kraft getreten und ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Sicherung der Ausbildungsqualität. Zukünftig wird in sieben Berufen ausgebildet:
Fachkraft für Gastronomie mit dem Schwerpunkt Restaurantservice oder Systemgastronomie (m/w/d)
Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie (m/w/d)
Fachkraft für Systemgastronomie (m/w/d)
Hotelfachkraft (m/w/d)
Kaufmann für Hotelmanagement (m/w/d)
Koch (m/w/d)
Fachkraft für Küche (m/w/d)


Inhaltlich werden alle Ausbildungsberufe erweitert: Gesellschaftlich relevante Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung gewinnen ebenso an Bedeutung wie Verbraucherschutz, Hygiene und die gute Zusammenarbeit im Team. Neu eingeführt wird zudem in allen dreijährigen Berufen eine „gestreckte Abschlussprüfung”: Der erste Teil der Prüfung findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, der zweite Teil der Abschlussprüfung wird am Ende der Ausbildung durchgeführt. In der zweijährigen Ausbildung bleiben es Zwischen- und Abschlussprüfung.

TEXT Sophie Blady
FOTO privat, Sophie Blady