Ein Händchen für Technik und Medizin

Ein Händchen für Technik und Medizin

Sie können Leben retten oder helfen, dass kranke Menschen geheilt werden: Chirurgie-Roboter, Beatmungsgeräte oder Strahlentherapiesysteme. Die TH Lübeck bildet Expert/-innen für solche medizintechnischen Geräte aus. Und die Master-Studierenden können bereits forschen – etwa im Labor für Medizinische Elektronik.

Studierende betrachten das Modell eines Gehirns auf einem Monitor.Medizintechnik ist eine wichtige zukunftsorientierte Hightech-Branche, die Arbeitsplätze und Wohlstand sichert. Und sie trägt zur Gesundheit der Menschen und damit der Deutschen insgesamt bei. Ständig entwickeln Ingenieur/-innen neue, bahnbrechende Geräte, die nach und nach in Kliniken oder Arztpraxen eingesetzt werden. Herz eines jeden Gerätes ist die Elektronik, die in medizinischen Geräten in besonderer Weise zum Einsatz kommt, erläutert Prof. Martin Ryschka, der dieses Spezialgebiet ebenso wie das Labor für Medizinische Elektronik an der TH Lübeck leitet.

„Ingenieur/-innen der Medizintechnik sind gefordert, möglichst sichere Medizinprodukte zu entwickeln, herzustellen und zu betreiben. Doch elektrischer Strom kann auch sehr gefährlich sein, wenn er unkontrolliert durch den menschlichen Körper fließt. Die medizinische Elektronik stellt durch besondere Vorkehrungen sicher, dass alle Ströme, die gewollt oder ungewollt durch den Patient/-innen fließen, bestimmte Höchstwerte nicht überschreiten“, erklärt Prof. Ryschka, der vor seiner TH-Professur bei namhaften Herstellern gearbeitet hat, darunter beim Lübecker Drägerwerk, wo der Physiker Beatmungs- und Anästhesie-Geräte entwickelt hat

Eine Studierende simuliert eine Computertomografie Die Ausbildungsschwerpunkte für  das Biomedizintechnologie-Studium legt die TH Lübeck auf die Entwicklung komplexer Medizingeräte (Systemdesign, Mechanik, Elektronik), auf die Fachgebiete Beatmung, Anästhesie, Herz-Kreislauf und Augenheilkunde sowie auf die Qualitätssicherung von Medizinprodukten. Wer das anspruchsvolle Bachelor-Studium und sogar den darauf aufbauenden Master-Studiengang Biomedical Engineering abgeschlossen hat, hat beste Chancen auf einen gut bezahlten und anspruchsvollen Arbeitsplatz. Dies sind die Arbeitsfelder:

•    Entwicklung von medizintechnischen Geräten •    Qualitätsplanung und -sicherung in  Entwicklung und Produktion •    Als Applikationsingenieur zur Beratung  bei der Anwendung medizintechnischer Geräte in Kliniken •    Produktmanagement- und Marketing in medizintechnischen Unternehmen •    Vertrieb medizintechnischer Geräte mit qualifizierter Beratung der Anwender •    In Beratungsunternehmen •    Als Klinikingenieure („Clinical Engineer“) in größeren Kliniken zur Vor-Ort-Betreuung der medizintechnischen Geräte

Ein bärtiger, bebrillter Mann lächelt in die Kamera.

Prof. Martin Ryschka leitet das Labor für Medizinische Elektronik an der FH Lübeck.

Zu einer guten Lehre gehört auch an Hochschulen längst die Forschung, meist als Auftragsarbeiten für Unternehmen oder für andere Institutionen. Das Labor für Medizinische Elektronik etwa gehört dem TANDEM Kompetenzzentrum für Medizintechnik an – das ist ein Zusammenschluss mehrerer Labore und Institute der TH und der Universität in Lübeck sowie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. „Seit 2009 forschen wir an zwei großen innovativen Projekten, die von der EU und vom Bundesforschungsministerium gefördert werden“, erläutert Prof. Ryschka. Dabei arbeitet das Team an der sogenannten Impedanz-Tomografie. Das ist ein neues Bildgebungsverfahren, das anders als ein Röntgengerät ohne Nebenwirkungen arbeitet. „Dabei werden kleinste Ströme in den Körper eingeleitet und die Spannungen an der Körperoberfläche gemessen, um ein Bild im Computer zu erzeugen.“

Forschung heißt das Zauberwort auch für Esther Scherer. Sie verbringt für ihre Masterarbeit die meiste Zeit im Labor für Medizinische Elektronik. „Bei der Erforschung der Steifigkeit des menschlichen Arteriensystems sind wir auf die Möglichkeit gestoßen, die vom Herzen ausgehende Pulswelle im Gehörgang zu orten. Ich erforsche nun, wie genau es zu Druckänderungen im Zusammenspiel zwischen der Pulswelle in den Arterien und der Anatomie des Gehörgangs kommt“, erklärt die Studierende. Das Ergebnis könnte für die Diagnose von arteriellen Erkrankungen bei Patient/-innen eingesetzt werden und dient vielleicht der Entwicklung neuer medizintechnischer Geräte – mit ForschungsKnow-how „made in Lübeck“.

Bachelor-Studiengang Biomedizintechnik Studienabschluss: Bachelor of Science Zulassungsvoraussetzungen: Fachhochschulreife oder gleichwertige Qualifikation Regelstudienzeit: 7 Semester www.th-luebeck.de 

Text Joachim Welding 
Fotos TH Lübeck