Berufsorientierung als fester Bestandteil des Schullebens – BO-Lehrer Holger Fritsch-Dainat erklärt den Ablauf  

Berufsorientierung als fester Bestandteil des Schullebens – BO-Lehrer Holger Fritsch-Dainat erklärt den Ablauf  

Holger Fritsch-Dainat ist seit sieben Jahren an der Isarnwohld-Schule in Gettorf. Er unterrichtet Deutsch, Geschichte, WIPO und Verbraucherbildung. Der BO-Unterricht gehört in den Fächern WIPO und Verbraucherbildung zu seinen Aufgaben. Auch wenn er aus Erfahrung sagen kann, dass den Schülern in Gettorf die Berufsorientierung im Vergleich zu Schülern aus anderen Gegenden leicht fällt, gibt es dennoch genug für den engagierten Lehrer zu tun. Schule

Wann fangen Sie an, sich mit den Schülern mit dem Thema Berufsorientierung zu beschäftigen?

Schon im Weltkundeunterricht in der Klasse 5. Hierbei geht es zunächst um die Beschreibung der Arbeitswelt an sich, also um Fragen wie: Was machen die Eltern? Was bedeutet Arbeiten überhaupt? Danach in der 7. Klasse wird im Fach Verbraucherbildung  die Vorstellung einzelner Berufe und die Vorbereitung auf das Praktikum in der 8. Klasse thematisiert. Ab der 8. Klasse ist Berufsorientierung dann Teil des Unterrichts, und das einwöchige Schnupperpraktikum steht an. In der 9. Klasse folgt dann das zweiwöchige Praktikum.  

Was genau wird im Fach Verbraucherbildung behandelt?

In diesem Fach geht es um den Menschen als Verbraucher. Wir beschäftigen uns beispielsweise mit den Aspekten der Nachhaltigkeit und Ökologie und natürlich mit dem Thema Arbeit. Die Schüler erfahren, wie eine Berufsausbildung funktioniert, welche Arten von Ausbildungen es gibt und welchen Schulabschluss man wofür mitbringen muss. Mit diesem Wissen haben es die Schüler leichter, schon mal zu sondieren, was für sie überhaupt in Frage kommen könnte. Oder auch, dass Influencer kein Beruf ist (lacht).  

Berufliche Orientierung ist für viele in dem Alter bestimmt noch weit weg. Wie bewegen Sie die Schüler zur Auseinandersetzung mit dem Thema?

Da hilft die sogenannte Potenzialanalyse, die in der 7. Klasse erfolgt. Hier werden die Stärken der Schüler erfasst, und wir schauen dann, was aufgrund ihrer jeweiligen Stärken passen würde. Wenn jemand zum Beispiel körperlich nicht belastbar ist, sollte er nicht auf dem Bau arbeiten, und so können wir Möglichkeiten eingrenzen.

Es gibt ja einige digitale Möglichkeiten für die Arbeit im BO-Unterricht. Welche nutzen Sie?

Wir haben immer schon mit digitalen Formen gearbeitet, von daher hat uns selbst Corona nicht ausgebremst. Unser Ziel ist es, dass jeder Schüler am Ende der 8. Klasse eine perfekte Vorlage für seine persönliche Bewerbung erhält. Diese wird fächerübergreifend mit dem Fach Deutsch angefertigt. Im BO-Unterricht erstellen die Schüler auch eine Powerpointpräsentation, in der sie einen Beruf ihrer Wahl der Klasse vorstellen müssen. 

War es während Corona schwieriger, die Schüler in  Praktikumsstellen zu vermitteln?

Das schon. Plötzlich brachen ganze Branchen weg, wie beispielsweise der öffentliche Dienst. Damit aber jeder einen Platz bekam, hat uns das mittelständische Gewerbe sehr geholfen. Handwerk und Handel waren da größtenteils sehr offen, so dass wir alle Schüler in ein Praktikum vermitteln konnten.

Wie bereiten Sie die Praktika mit den Schülern vor und nach?

Im Vorfeld machen wir ein Verhaltenstraining, wobei das bei unseren Schülern nicht so nötig ist, die wissen, sich zu benehmen. Dann erarbeiten wir Kriterien, wie sie sich das Praktikum vorstellen und fügen die Erwartungen mit den tatsächlichen Wahrnehmungen in der Nachbereitung zusammen. Auch in der 9. Klasse setze ich mich mit den Schülern hin und bereite das Praktikum vor. Manche sind ja ein bisschen hilflos, und da ist es gut, wenn man als Lehrer weiß, welche Branche oder welcher Betrieb etwas anbietet, was zu dem jeweiligen Schüler passen könnte. Aus diesem Grunde sind für uns als WIPO-Lehrer unsere  Besuche bei den Praktikumsstellen auch so enorm wichtig. Wir lernen die Meister oder Filialleiter kennen und können so gezielter auch Schüler vermitteln, die vielleicht ein weniger schüchterner sind als andere. Ich muss auch sagen, dass bezüglich der Praktikumszeit das Engagement der Eltern in Gettorf goldwert ist, und das ist nach meiner Erfahrung nicht überall so. 

Was bieten Sie sonst noch für Möglichkeiten im Bereich BO?

Zunächst natürlich die Berufsmessen und vor Corona sind wir zu Nordbau nach Neumünster mit den am Bauwesen interessierten Schülern gefahren ebenso wie zu Nord-Job in der ehemaligen Ostseehalle in Kiel. Darüber hinaus bieten wir die Möglichkeit, zusätzliche Praktika zu machen. Dafür beurlauben wir die Schüler. Mancher braucht eben ein bisschen mehr Orientierung, und wir unterstützen das sehr. 

Welche Erwartungen haben Sie bezüglich der Messe?

Wir freuen uns und sind gespannt, wie sich Schüler und Firmen zusammenfinden. Durch unsere guten Kontakte über die Jahre helfen wir bei der Kontaktaufnahme auch schon mal nach. Mit den Schülern bereiten wir den Messebesuch sehr stringent vor. Hierzu wird beispielsweise das Verhalten nochmal reflektiert, und wir gehen den Fragenkatalog durch. Die Schüler müssen zwei Interviews führen, und nach der Messe bereiten wir die Erfahrungen auf. In besten Zeiten waren 40 Aussteller in der Aula anwesend, und wir hoffen natürlich auch für dieses Jahr wieder auf eine rege Teilnahme. 

Die Berufswelt ändert sich stetig. Wie bleibt der BO-Unterricht immer aktuell?

Man muss natürlich selber am Ball bleiben, aber es ist auch wichtig, dass immer neue BO-Lehrer ausgebildet werden. So kommen stetig andere Perspektiven und gleichmäßig frischer Wind ins Fach. 

Wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen viel Spaß auf der Messe.

 

TEXT Anja Nacken
FOTO Sophie Blady