Zukunftsträchtig – der Hörakustiker

Zukunftsträchtig – der Hörakustiker

Bundesoffene Landesberufsschule für Hörakustiker in Lübeck bildet Lehrlinge aus ganz Deutschland aus

Lübeck gilt insgeheim als „Bundeshauptstadt“ für Hörakustik. Denn auf dem Campus Hörakustik nahe der Universität sind die Landesberufsschule, die Akademie für Hörgeräte-Akustik und der Bachelor-Studiengang der FH Lübeck vereint. Auszubildende des Hörakustiker-Handwerks aus ganz Deutschland drücken im Rahmen der dualen Ausbildung in der Hansestadt gemeinsam die Schulbank.

„Bei uns kannst du ordentlich aufdrehen, für perfekten Sound sorgen und die Leute happy machen“ – so wirbt das Hörakustikerhandwerk um Nachwuchs. Denn die Menschen brauchen die Fachleute rund ums Hören. Gerade in einer alternden Gesellschaft werden immer mehr Leute schwerhörig, derzeit sind es 14 Millionen Deutsche. Damit sie an Gesprächen teilnehmen, Musik hören oder auch dem Vogelzwitschern lauschen können, brauchen sie die Hilfe von Hörakustikern. Wer noch nie ein Hörgerät hatte, für den empfiehlt sich der Besuch beim Ohrenarzt. Der Arzt stellt die Diagnose Schwerhörigkeit und schließt bei der Untersuchung zeitgleich andere Erkrankungen aus. Darauf folgt der Gang zum Hörakustiker.

In den Geschäften der Hörakustiker beraten die Experten hörbeeinträchtigte Kunden, welche Hörsysteme für sie individuell am besten geeignet sind. Um das Hörgerät optimal anpassen zu können, führen sie Tests zur Hörleistung durch und stellen so genannte Otoplastiken her. Dafür nehmen sie Abdrücke vom Gehörgang des Kunden, passen die Ohrstücke individuell an und verbinden die Maßohrstücke mit den individuell ausgewählten Hörsystemen. Danach erfolgt Schritt für Schritt die persönliche Anpassung der Geräte, die akustischen Feineinstellungen folgen in den ersten Wochen. Die Experten weisen den Kunden in die Bedienung der Geräte ein. Auch Wartung und Reparaturen zählen zu den Aufgaben der Hörakustiker.

Der Beruf ist vielfältig und anspruchsvoll!
-Eckhard Schroeder

„Der Beruf ist vielfältig und anspruchsvoll – er vereint handwerkliches Geschick, technisches Know-how mit Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen beim Umgang mit dem Kunden“, erläutert Eckhard Schroeder, Leiter der bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustiker in Lübeck. Bewerber für einen Ausbildungsplatz sollten in der Schule also in Physik, Werken, Mathe und Biologie fit sein. Wer als Lehrling bei einem Betrieb eingestellt wird, lernt während seiner dreijährigen Ausbildung an der Berufsschule in Lübeck die Theorie – in acht Unterrichtsblöcken von jeweils vier Wochen. Während dieser Zeit leben die Auszubildenden im Internat auf dem Campus. Die ergänzende überbetriebliche Ausbildung – etwa zu Otoplastik und Reparaturtechnik – findet im gleichen Gebäude an der Akademie für Hörgeräte-Akustik (AHA) statt.

…und was passiert nach der Ausbildung?

Wer seinen Gesellenbrief in der Tasche hat, ist überaus gefragt und findet leicht eine Anstellung. Denn qualifizierte Mitarbeiter werden in diesem Gesundheitshandwerk und auch bei den Hörgeräteherstellern bundesweit ständig gesucht. Außerdem stehen für die Karriere alle Türen offen: In Lübeck können Gesellen „ihren Meister machen“ oder studieren – beste Voraussetzungen, um einen eigenen Betrieb zu betreiben oder Leitungspositionen zu besetzen. Dabei haben die Hörakustiker stets einen großen Denker auf ihrer Seite, denn Voltaire soll gesagt haben: „Das Ohr ist der Weg zum Herzen der Menschen.“

TEXT Joachim Welding
FOTO Landesberufsschule für Hörakustiker Lübeck