Sind Mathe, Physik und Co. wirklich immer noch Angstfächer? Der Landeswettbewerb von „Jugend forscht“ hat einen ganz anderen Eindruck vermittelt: Mit 73 Schülerinnen und Schülern nahmen so viele wie noch nie am Ideenwettstreit teil. Diese fünf Teams haben sich für den Bundeswettbewerb im Mai qualifiziert.
Von Tauchrobotern über reißfestes Papier bis hin zu Mikroplastikfilter: Die Bandbreite an Projekten, die Schülerinnen und Schüler in der Technischen Fakultät der CAU Kiel präsentierten, war vielfältig. Insgesamt 41 Projekte aus den Bereichen Mathematik/Informatik, Physik, Biologie, Chemie, Technik, Geo- und Raumwissenschaften sowie Arbeitswelt beeindruckten Jury und Publikum gleichermaßen. Nicht nur der große Andrang, sondern auch die ein oder andere Änderung im Regelwerk machten das Event in diesem Jahr besonders.
Jüngere Teilnehmende in der Sparte „Jugend forscht junior“
Während in der Sparte „Jugend forscht“ Schülerinnen und Schüler zwischen 15 und 21 Jahren teilnehmen dürfen, ist die Sparte „Jugend forscht junior“ für Jungforscherinnen und -forscher bis 14 Jahre ausgelegt. Zum ersten Mal durften in diesem Jahr auch Grundschülerinnen und -schüler an dem Forschungswettbewerb teilnehmen. Einer von ihnen war der neunjährige Jorik. Der Schüler der Heinrich-Rantzau-Schule in Bad Segeberg hat sich zum Ziel gesetzt, reißfeste Lesezeichen und Papiertüten herzustellen. Dafür hat Jorik verschiedene Materialien verglichen und eigenes Papier geschöpft. Zwei Materialkombinationen haben sich als besonders gewinnbringend erwiesen: „Papier aus Altpapier und Textil ist doppelt so reißfest wie normales Kopierpapier“, teilt Jorik seine Ergebnisse. „Dafür ist Papier aus Ananasblättern und Textil besonders dehnbar.“ Der Neunjährige wurde für seinen Einfallsreichtum mit dem ersten Platz in der Junior-Sparte im Bereich Technik belohnt.
Ein Haargummi aus Löwenzahn
Mit verschiedenen Materialien haben sich auch Selma und Elsa von der Deutsch-Dänischen-Schule in Kopenhagen beschäftigt. Die beiden 12-Jährigen, die extra aus Dänemark angereist waren, haben Haargummis aus Löwenzahn hergestellt. „Gängige Haargummis reißen schnell oder leiern aus“, erklärt Selma. Löwenzahnmilch soll diesem Problem entgegenwirken und die neuen Haargummis besonders elastisch und widerstandsfähig machen. Seit September 2025 sind die beiden Jungforscherinnen mit ihrem Projekt beschäftigt. Als es im Winter schwierig wurde, an Löwenzahn zu gelangen, haben sich die Mädchen stattdessen mit Geräten zur Ernte von Löwenzahn auseinandergesetzt.
Klimaschutz im Fokus mehrerer Projekte
Bei vielen Schulprojekten stand das Thema Umweltschutz im Fokus, so auch bei Carl, Franz und Sara von der Sankt-Petri-Schule in Kopenhagen. Die Sechstklässler haben einen Filter entwickelt, der Mikroplastik abfängt, bevor es in die Kanalisation und damit ins Meer gelangen kann. „Die Forschung zeigt, dass Regen in den ersten 15 Minuten etwa 80 Prozent an Mikroplastik in Gullys spült“, erklären die Jungforschenden. Genau hier soll ihr Mikroplastikfilter ansetzen. Ihr Ziel: „Wir wollen die Fische retten und das Klima schützen.“ Mit dem umweltfreundlichen Projekt konnten sich die Schüler den dritten Platz in der Junior-Sparte im Bereich Geo- und Raumwissenschaften sichern.
plus-MINT-Programm am Internat Louisenlund
In eine ähnliche Richtung ging das Forschungsprojekt des 16-jährigen Kieron und des 17-jährigen Denys. Die beiden Schüler des Internats Louisenlund in Güby haben einen Tauchroboter entwickelt. Dieser soll autonom das Meer erkunden und zum Beispiel alte Munition finden. Anderthalb Jahre haben die beiden Jugendlichen an ihrer Erfindung gearbeitet. Louisenlund bietet mit dem plus-MINT-Programm optimale Bedingungen für junge Menschen, die sich für MINT-Fächer begeistern. „Im Sport gibt es Leistungszentren. Louisenlund ist sozusagen das Pendant dazu im Bereich Naturwissenschaften“, erzählt Kieron. In Zukunft wollen die Jugendlichen ihren Tauchroboter noch durch eine Kamera und eine Navigation ergänzen. Ihre Idee zur Meereserkundung erhielt nicht nur den dritten Preis in der Jugend forscht-Sparte im Bereich Technik, sondern auch den Sonderpreis „Die Kraft des Wassers“.
Begeisterung für Astronomie und Weltall
Der 11-jährige Leo von der Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn hat sich in seinem Forschungsprojekt mit Asteroiden beschäftigt. „Seit ich klein bin, interessiere ich mich für Astronomie und das Weltall. Ich finde Asteroide beeindruckend, weil sie mit mehreren Tausend Kilometern pro Stunde einschlagen.“ Seit anderthalb Jahren arbeitet der Sechstklässler an seinem Projekt. Auch mehrere Partnerwechsel konnten seine Begeisterung nicht schmälern. Am diesjährigen Landeswettbewerb nahm Leo gemeinsam mit Mitschüler Noah teil. Die beiden Schüler haben Asteroide aus Granit nachgestellt. „Wir haben uns für einen Würfel und eine Kugel entschieden, weil echte Asteroide auch unterschiedliche Formen haben“, erklären sie. „Unsere erreichen leider nur etwa 20 km/h“, sagt Noah bedauernd.
Feierliche Siegerehrung im Technischen Institut
Nach der Vorstellung der Forschungsarbeiten an den Ständen kamen alle Anwesenden im Hörsaal für die Preisverleihung zusammen. Vorerst mussten sich die Nachwuchsforscherinnen und -forscher aber noch gedulden. Bevor die Platzierungen bekannt gegeben wurden, gab es mehrere Grußworte, unter anderem von Landeswettbewerbsleiter Daniel Schluckebier, Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke (digital) und Stadtpräsidentin Bettina Aust. „Ich bin wirklich begeistert. Ihr bringt uns auf neue Lösungen in einer Welt voller komplexer Herausforderungen“, lobte Bettina Aust die jungen Forscherinnen und Forscher. „Forschung entsteht nicht erst in großen Instituten, sondern beginnt mit einer Beobachtung, einer Idee oder einer neugierigen Frage.“
Bei der anschließenden Preisverleihung wurden die Schülerinnen und Schüler nacheinander aufgerufen und für ihre Arbeiten geehrt. Fünf Teams durften sich über den Einzug ins Bundesfinale, das im Mai in Herzogenaurach stattfinden wird, freuen.
Diese Teams haben sich für das Bundesfinale im Mai 2026 qualifiziert:
- Projekt „Anti-Spy“ von Christoph (17) und Philipp (17) von dem Internat Louisenlund in Güby
- Projekt „Time4Class – Klassenbuch 4.0“ von Fabian (19), Hanna (19) und Abdulghani (19) vom BBZ Norderstedt
- Projekt „Antibiotische Wirkung von Naturstoffen“ von Maxima (18) von der Hermann-Tast-Schule in Husum
- Projekt „Schallgesteuerte Stomata: Ein innovativer Ansatz für effizientere Landwirtschaft“ von Paul (16) von der Kieler Forschungswerkstatt
- Projekt „Kunststoff aus Sekundenkleber – Modifizierte Polymerisation von Ethylcyanacrylat“ von Vincent (17) und Liam (16) von der Max-Planck-Schule Kiel
TEXT Mareike Neumann
FOTO Mubarak Bacondo

