Das ME2BE-Team besucht Claudio Ferraro, Inhaber der Kult-Eisdiele „Eiswerk“ im Olympiazentrum in Kiel-Schilksee. Wer macht das beste Eis der Stadt? Eis-Gastronom Claudio Ferraro aus Kiel-Schilksee kann über solche Umfragen in Deutschlands Städten nur schmunzeln. Am Ende entscheiden die Kunden darüber, was schmeckt und was nicht. Mit seinem Ladengeschäft „Eiswerk“ kann er auf einen treuen Kundenstamm bauen. Seit mehr als 45 Jahren kommen Gelato-Fans aus aller Welt ins Olympiazentrum und genießen das selbstgemachte Eis und einen atemberaubenden Blick auf die Kieler Außenförde!
ME2BE: Moin Claudio. Das Thermometer steigt auf 30 Grad. Sommer, Sonne, Urlaubszeit. Wie läuft dein ‚Eiswerk’?
Claudio Ferraro: Danke, läuft. Eis geht immer! Für mich heißt es allerdings ‚Sommer, Sonne … Arbeitszeit!’ und das sieben Tage die Woche von 6.30 bis 18 Uhr.
Claudio Ferraro, Inhaber der Kult-Eisdiele „Eiswerk“
Es gibt kein Geheimnis. Ich achte bei der Produktion meiner Milcheissorten besonders auf die Verwendung natürlicher Zutaten …
Zu dir kommen Touristen, Segler, Kieler und Nicht-Kieler. Obwohl dein Geschäft nicht in der Kieler City liegt, hat es Kultstatus. Woran liegt das?
Das liegt wahrscheinlich genau daran, dass es nicht in der City liegt, sondern im Olympiazentrum in Kiel-Schilksee, mit herrlicher Sicht aufs Wasser … und natürlich an unserem köstlichen, selbstgemachten Eis!
Durch die Koordinaten auf deiner Webseite 54.428 Nord, 10.169 Ost gelangt jeder Segler über die Ostsee zu dir. Wie bist du persönlich in Schilksee gelandet?
Ich habe das Eiscafé von meinem Schwiegervater Dino übernommen, der in den 60er Jahren aus Treviso nach Deutschland kam. Norditaliener sind ja die ‚Eisexperten’, während sich Süditaliener gut mit Pizza auskennen. Während mein Vater bei der HDW arbeitete, eröffnete Dino 1966 seine erste Eisdiele in Friedrichsort und zog 1973 nach Schilksee um. Irgendwann lernte ich seine Tochter kennen und stieg ins Geschäft ein. Seit 2005 bin ich alleiniger Inhaber.
Und wie ist der Name ‚Eiswerk’ entstanden?
Der ursprüngliche Name lautete ‚Eiscafé Venezia’, also so wie tausend andere Eisdielen in Deutschland. Das wir mir irgendwann zu langweilig. Der Name ‚Eiswerk’ gefällt mir, weil es die Tatsache betont, dass ich das Eis selbst herstelle; es ist mein eigenes ‚Werk’! Außerdem bin ich gelernter Tischler und habe auch das Interieur selbst gefertigt.
‚Spaghetti-Eis’, das beste Eis der Welt?
‚Spaghetti-Eis’ ist das beste Eis der Welt. Vanille-Eis mit Erdbeersauce … was gibt’s Schöneres?
Neben dem ‚Eiswerk’ entstand parallel die Firma Packeis. Was steckt hinter diesem Konzept?
Die Idee von ‚Packeis’ ist, den Geschmack von selbstgemachtem Kugeleis an den Stiel zu bringen und ihn an Restaurants und Kioske zu vertreiben! Das haben mein damaliger Partner Viktor und ich 2014 entwickelt, allerdings nicht erfunden. In Italien gibt es das sogenannte ‚Stickhouse’ schon seit vielen Jahren. In Mailand und Turin präsentiert man Eis-am-Stiel-Maschinen, in denen das Eis durch eine Glasur gezogen wird, auch gern mal am Tresen. 2017 haben wir dann aus Platzgründen ‚Packeis’ in eine eigene Firma umgewandelt, die nun von unserem damaligen Praktikanten Philipp Klang geführt wird. Auch das ‚Packeis’ am Stiel wird ohne die Verwendung von Farb- oder anderen Zusatzstoffen handgemacht.
Verbraucher haben mittlerweile ein geschärftes Bewusstsein für ökologisch nachhaltig produzierte Lebensmittel. Welche Zutaten verwendest du? Was ist dein Geheimnis?
Es gibt kein Geheimnis. Ich achte bei der Produktion meiner Milcheissorten besonders auf die Verwendung natürlicher Zutaten aus der Region und verwende keine künstlichen Farbstoffe. Ich nehme nur frische Vollmilch aus Angeln, Früchte von mir bekannten Früchtehändlern und Sahne aus umliegenden Meiereien. Leider gibt es nicht mehr so viele Meiereien. Früher konnte ich sonntags mal eben um die Ecke fahren. Für die Sahne muss ich jetzt immer nach Neumünster fahren. Dort gibt es die beste Sahne, die ich kenne!
Heute wird auch veganes Eis verlangt. Hast du das auch im Sortiment?
Ja, klar. Meine Sorbet-Sorten enthalten nur, was notwendig ist, um geschmacklich gute Produkte, auch für Veganer und Allergiker, herzustellen. Veganes Eis gibt’s übrigens schon seit dreißig Jahren. Der Unterschied besteht darin, dass du es heute draufschreiben musst!
Typisch für eine Eisdiele, die kleinen Löffel und kreisrunden Waffel
Was ist mit dem ‚Teufelszeug’ Zucker?
Wenn ich ein Eisgeschäft betrete, bestelle ich eine Süßigkeit. Und Zucker ist ein wichtiger Faktor für die Eisherstellung! Auch Schwarzbrot enthält Zucker, doch das wird von Menschen anders wahrgenommen. Viele Eishersteller weisen neben Zucker noch Glukose und Fruktose aus, aber das ist meines Erachtens Augenwischerei.
Hat sich sonst etwas im Verhalten und am Geschmack der Kunden verändert?
Ja, absolut. Vor zwanzig Jahren sind die Leute abends durch das Olympiazentrum flaniert und haben große Eisbecher bestellt. Heute holt man sich meistens zwei Kugeln und zieht weiter, abgesehen von den Stammgästen. Es ist eben hektischer geworden. Auch zur Kieler Woche hatten wir sieben Tage Action nonstop. Heute überlege ich, ob es sich lohnt, um 21 Uhr noch das Regatta-Ende einer Bootsklasse abzuwarten.
Welches Eis ist verkauft sich gut? Von welcher Sorte stellst du am meisten her?
Vanille-Eis ist immer wichtig, weil es Hauptbestandteil vieler Eisbecher ist. Beim Kugeleis sind die Sorten Schokolade, Vanille und Erdbeer beliebt, aber das hängt auch von den Außentemperaturen ab. Bei großer Hitze werden Fruchtsorten nachgefragt, wie Maracuja. Wenn es kühler ist, laufen die Sorten Nuss, Nougat, Mokka oder Kaffee.
Gibt es für dich das perfekte Eis?
Jeder hat seine Lieblingssorten. Bei mir wechselt das. Momentan schmeckt mir Haselnuss ganz gut. Ansonsten würde ich sagen: ‚Spaghetti-Eis’ ist das beste Eis der Welt. Vanille-Eis mit Erdbeersauce … was gibt’s Schöneres?
Und was ist mit dem Klassiker Zitrone?
Ja, Zitrone wird es auch immer geben. Die ist übrigens gerade in der Maschine. Ich muss nämlich jetzt dringend Eis machen!
Okay, Claudio. Letzte Frage. Was ist das Schöne an deinem Beruf?
Das Schöne ist, dass unser Produkt so positiv besetzt ist. Eis ist gut fürs Gemüt und zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht!
TEXT Christian Dorbandt
FOTO Sebastian Weimar