20 Jahre BOM: Jubiläum bestätigt das Erfolgskonzept der Messe

20 Jahre BOM: Jubiläum bestätigt das Erfolgskonzept der Messe

Bei der 20. Auflage der Berufsorientierungsmesse BOM an der Friedrich-Junge-Schule in Kiel herrscht gewohnt buntes Treiben. Die Jubiläumsveranstaltung zeigt dabei einmal mehr, warum die Messe längst als Klassiker gilt – unter Betrieben und Institutionen aus der Umgebung genauso wie unter Schülerinnen, Schülern, ihren Eltern und dem Kollegium der Schule.

Dustin Syring steht heute die meiste Zeit am Stand der Thyssenkrupp Marine Services, kurz TKMS. Als Auszubildender im zweiten Lehrjahr erklärt er interessierten Schülerinnen und Schülern, wie sein Berufsalltag aussieht, was er schon gelernt hat und welche Voraussetzungen Bewerberinnen und Bewerber mitbringen sollten.

Vom Messebesucher zum Auszubildenden

Bei der BOM im Spätsommer vor zwei Jahren stand er noch auf der anderen Seite des Messetischs am Stand des Kieler Marineschiffbauers. Während Dustin nun bei einem kurzen Rundgang Messeluft schnuppert, erinnert er sich: „Ich war ohne konkretes Ziel unterwegs, wollte mich einfach umschauen.“ Fast so wie jetzt. „Da hat mich der Ausbilder von TKMS einfach angesprochen: ,Komm ran!‘“ 

Gut eine halbe Stunde haben sie sich unterhalten, und Dustin hat die Messe mit einer klaren Perspektive und einer sogenannten Joker-Karte verlassen. Die Karte hat die weitere Annäherung zwischen Schüler und Unternehmen und den Bewerbungsprozess erleichtert. Heute ist der junge Auszubildende vollauf zufrieden mit seiner Wahl und weiterhin dankbar für den Kontakt auf der BOM. 

Ein Erfolgsrezept, das funktioniert und inspiriert

Es ist eine von zahllosen Erfolgsgeschichten, die die BOM geschrieben hat. Während die Messe über die Jahre deutlich gewachsen ist und klar an professioneller Ausrichtung gewonnen hat, hat sich ihr Konzept nur wenig verändert – und mittlerweile viele Nachahmer gefunden. „Es ging immer darum, jungen Menschen echte Einblicke zu geben und praktische Erfahrungen zu ermöglichen“, sagt Margrit Gebel, die die Messe vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat und bis heute maßgeblich prägt.

Schulleiter Ulf Schweckendiek (re.) gratuliert Margit Gebel, die die BOM vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat.

Schulleiter Ulf Schweckendiek (re.) gratuliert Margit Gebel, die die BOM vor 20 Jahren ins Leben gerufen hat.

Nach Glückwünschen zum Jubiläum von Schulleiter Ulf Schweckendiek auf der improvisierten Bühne macht Gebel das, was ihr am allerwichtigsten ist: „Begegnungen schaffen“. Denn, so ihr Credo, Berufsorientierung lebt von Begegnung. „Jugendliche müssen Menschen kennenlernen, die ihren Beruf gern machen und aus erster Hand aus ihrem Berufsalltag berichten können“, sagt sie. Gerade wenn Azubis begeistert erzählten, was ihre Arbeit spannend mache, springe ein Funke über, den keine Broschüre und kein digitales Angebot ersetzen könne.

Jugendliche müssen Menschen kennenlernen, die ihren Beruf gern machen und aus erster Hand aus ihrem Berufsalltag berichten können.

Genau darum treibt es die leidenschaftliche Netzwerkerin in Sachen berufliche Orientierung nun von Stand zu Stand. Anders als die Schülerinnen und Schüler trifft sie dabei auf viele alte Bekannte. Denn etliche der ausstellenden Unternehmen und Betriebe sind Dauergäste – nicht wenige kommen seit mehr als zehn Jahren. Auch sie schätzen das Format der frühzeitigen persönlichen Begegnung.

Unternehmen sind zufrieden mit Resonanz

„Wir stoßen hier auf echtes Interesse“, sagt zum Beispiel Chiara Nagel, Ausbildungsleiterin der Stadtwerke Kiel. Der Energie- und Wasserversorger aus der Landeshauptstadt ist von Anfang an und aus voller Überzeugung dabei. Nagel führt aus, dass Formate wie die BOM, aber auch das regelmäßig in kleineren Gruppen stattfindende BOM Dating zusammen mit Besuchen in den Ausbildungswerkstätten weiterhin der beste Weg bleiben, um jungen Menschen Perspektiven zu eröffnen und gleichzeitig für passenden Nachwuchs im Unternehmen zu sorgen. 

Chiara Nagel, Ausbildungsleiterin der Stadtwerke Kiel (2. v. r.) ist zufrieden mit dem Andrang der Schülerinnen und Schüler am Stand.

Chiara Nagel, Ausbildungsleiterin der Stadtwerke Kiel (2. v. r.) ist zufrieden mit dem Andrang der Schülerinnen und Schüler am Stand.

Ähnlich sieht es Sebastian Hesse von der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG), ebenfalls ein BOM-Urgestein: „Auch wenn das Interesse über die Jahre etwas schwankt, ist unser Stand insgesamt immer gut besucht. Wir sind ein Unternehmen, das jeder kennt“, sagt der Ausbildungsbeauftragte für Fachkräfte im Fahrbetrieb. Gerade auch für Jugendliche, die sich beruflich ohnehin bereits in Richtung einer Ausbildung bei der KVG orientierten, sei der persönliche Kontakt auf der Messe extrem wertvoll.

Ausbildung im Handwerk weniger beliebt

Passenden Nachwuchs finden die ausstellenden Unternehmen – nicht zuletzt wegen der Berufsmesse – weiterhin. Allerdings stellen einige auch Verschiebungen der Interessen und Motivation von Schülerinnen und Schülern fest, die sich über die vielen Jahre seit Start der Messe ergeben haben.

„Für Berufe zu begeistern, bei denen man sich die Hände schmutzig machen muss, fällt derzeit nicht wirklich leichter“, sagt beispielsweise Björn Mattsson am Stand vom Kieler Hersteller von Navigationsinstrumenten Anschütz und spielt damit auf die Ausbildung zum Industriemechaniker bzw. -mechanikerin (m/w/d) – Feingerätebau an. Gab es in den ersten BOM-Jahren noch rund 200 Bewerbungen auf gerade zwei Ausbildungsplätze, sind es heute für vier Plätze nur noch um die 15 Bewerberinnen und Bewerber. Letztlich, so Mattsson, gehe es immer häufiger darum, doch die (Fach-)Hochschulreife zu erlangen. „Klassische Ausbildungsgänge, bei denen ein MSA reicht, haben es zunehmend schwer.“

Für Berufe zu begeistern, bei denen man sich die Hände schmutzig machen muss, fällt derzeit nicht wirklich leichter.

Björn Mattsson am Stand vom Kieler Hersteller von Navigationsinstrumenten Anschütz

Björn Mattsson am Stand vom Kieler Hersteller von Navigationsinstrumenten Anschütz

Fachabitur immer gefragter

Indirekt bestätigen kann das Lutz Bentien. Er leitet die Kleemannschulen, die zahlreiche Aus- und Weiterbildungsangebote mit einem Schwerpunkt auf Wirtschaft anbietet: Der Andrang am Stand, sagt Bentien, nehme Jahr für Jahr zu. Immer mehr Schülerinnen und Schülern sei es wichtig, vor einer Ausbildung zunächst die Fachhochschulreife zu erlangen. Häufig indes, ergänzt der Schulleiter, „werden damit einfach nur Vorstellungen des Elternhauses übernommen“.

Am Stand der Kleemannschulen konnten sich Besucherinnen und Besucher über Aus- und Weiterbildungen im Bereich Wirtschaft informieren.

Am Stand der Kleemannschulen konnten sich Besucherinnen und Besucher über Aus- und Weiterbildungen im Bereich Wirtschaft informieren.

Umso erfreulicher, dass heute viele Eltern ihre Kinder begleiten. Denn auch sie bekommen auf der Messe ganz neue Einblicke in die Möglichkeiten und ganz unterschiedlichen Wege, die ihren Kindern offenstehen. 

Berufsorientierung zum Anfassen

Vielleicht liegt es an der beeindruckenden Motorsäge, aber heute interessieren sich mehr Kinder und Jugendliche als in den vergangenen Jahren für den Stand von Gartenbau-Stegemann. „Wir werden in diesem Jahr super frequentiert“, sagt Meister Rainer Mensing. Offensichtlich möchten viele junge Menschen auch einen Gegenpol finden zu einem stark digital geprägten Alltag.

Zieht die Blicke auf sich: Rainer Mensing vom Gartenbau-Stegemann hat eine Motorsäge auf die BOM mitgebracht.

Zieht die Blicke auf sich: Rainer Mensing vom Gartenbau-Stegemann hat eine Motorsäge auf die BOM mitgebracht.

Festzuhalten bleibt: Die BOM ist ein Erfolgsformat, das Schülerinnen und Schülern Perspektiven für ihren weiteren Lebensweg aufzeigen kann. Aber damit ist es freilich nicht getan: Schule muss weit öfter und kontinuierlich berufliche und gesellschaftliche Orientierung bieten und Schülerinnen und Schüler auf ihren Wegen in und aus der Schule bestmöglich begleiten und unterstützen.

Auf der Messe heute steht neben den vielen anderen Kersten Saket: Als Geschäftsführer des kleinen Sanitär- und Heizungsbetriebs Krambeck lässt er die Standbesucherinnen und -besucher heute ein paar Rohre biegen. Der Andrang ist groß: „Gleich geht uns das Material aus“, so der Handwerksmeister. Gleichzeitig wundert er sich, dass auf der Messe so wenige kleine Handwerksbetriebe vertreten sind. Denn für ihn ist hier einer der Orte, um dem viel beklagten Nachwuchsmangel zu begegnen. Für seinen Beruf, stellt sich im kurzen Gespräch heraus, hat er sich ganz ohne BOM entschieden, denn die gab es damals noch nicht. Dafür Unterstützung aus der Schule, vor allem auch – wie könnte es anders sein – von Margrit Gebel.

TEXT Christopher Nachtweh
FOTO Osama Adil