Genau eine Woche nach der Jubiläumsauflage der Berufsorientierungsmesse BOM an der befreundeten Friedrich-Junge-Schule zeigt die BIM an der Goethe-Gemeinschaftsschule Kiel als nur etwas jüngere Schwester, warum das Format so wichtig wie erfolgreich ist. Hier und heute informieren sich Schülerinnen, Schüler und einige Eltern über berufliche Perspektiven – und stoßen dabei mehrfach auf Neues.
Für Leif Einfeldt und Tobias Romeike ist es die dritte Messe am dritten Tag – und gleichzeitig der erste Auftritt auf der BIM. Nur einige Meter trennen die beiden Ausbilder von Küchen Aktuell vom ME2BE-Messestand. Wie immer ist die Halle der Goethe-Gemeinschaftsschule zur Berufsorientierungsmesse BIM gut gefüllt. Neben etlichen langjährig vertretenen Betrieben aus der Region sind zur 16. Auflage auch einige Neulinge vertreten. Darunter etwa das von anderen Berufsorientierungsmessen bekannte Kieler Traditionsunternehmen Flenker Bau, an dessen Stand Schülerinnen und Schüler Nägel einschlagen; die Dialysepraxis PHV – Der Dialysepartner und das Biotech-Unternehmen e-nema. Insgesamt präsentieren sich rund 50 Betriebe, Bildungseinrichtungen und Behörden den Besucherinnen und Besuchern aus den Klassen acht bis zehn der Schule und dem benachbarten BBZ.
„Viel mehr könnten wir gar nicht unterbringen“, sagt Markus Michalski, stellvertretender Schulleiter und verantwortlich für Berufsorientierung und die Messe. Lediglich bei den rein beratenden Ausstellern ohne eigenes Ausbildungsangebot beobachtet er einen gewissen Rückgang. „Mit ihnen haben wir aber vielfach andere Formate etabliert. Sie brauchen nicht immer die große Bühne“, erklärt Michalski. Unterjährige Veranstaltungen ergänzen auch den Auftritt einiger Aussteller wie beispielsweise des Herstellers von Navigationsinstrumenten Anschütz und der Kieler Müllverbrennung. Klar ist dabei: Die Messe bleibt mit ihrer Vielfalt an Ausbildungs- und Berufsperspektiven ein zentrales Element für die berufliche Orientierung an der Schule.
Hundert Azubis gesucht
Für die beiden Küchen-Aktuell-Ausbilder sind Messeauftritte ebenfalls zentral. „Rund die Hälfte unserer Ausbildungsverträge kommt nach ersten Kontakten auf Veranstaltungen wie der heutigen zustande“, sagt Einfeldt. Immerhin 70 Auszubildende hat das Unternehmen mit Hauptsitz und eigenem Ausbildungszentrum in Braunschweig sowie bundesweit 18 Fachmärkten und 13 Logistikzentren – darunter ein Markt in Kiel und ein Zentrum in Bredenbek – in diesem Jahr eingestellt. 2027 sollen es hundert werden.
Um über die unterschiedlichen Ausbildungsmöglichkeiten in ihrem Haus zu informieren, sprechen Einfeldt und seine Kollegen die Schülerinnen und Schüler direkt an. Denn viele Jugendliche haben von den Ausbildungsberufen noch nie etwas gehört. „Die offizielle Bezeichnung unseres Ausbildungsgangs Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice zum Beispiel klingt ja erst mal nicht gerade attraktiv“, sagt Romeike. Nämlich vornehmlich nach Möbel und Kisten schleppen. „Wenn wir aber erklären, was unsere Küchenfachmonteurinnen und -monteure tatsächlich machen, sieht es schon ganz anders aus“, so der Ausbilder. Das wecke dann auch Interesse bei jungen Menschen, die eigentlich eine Tischlerlehre im Blick hatten.
Perspektiven im Norden – und anderswo
Neue Chancen aufzeigen möchte auch Thomas Beton: Der Baustoff- und Betonspezialist zählt zur Thomas Concrete Group, einem der größten privat geführten Konzerne des Segments, und ist nicht nur in Kiel und an anderen Standorten im Norden sowie in Rheinland-Pfalz aktiv, sondern auch in Schweden, Norwegen, Polen und den USA. „Das kann schon während der Ausbildung Perspektiven eröffnen“, sagt Erik Haufe, der als Leiter der Personalabteilung heute persönlich vor Ort ist: „Denn es ist durchaus möglich, bereits während der Ausbildung den Standort zu wechseln, um etwas Neues kennenzulernen.“ Natürlich nur auf Wunsch und mit Unterstützung des „Team Thomas“, was Unterkunft und Orientierung angeht, ob im In- oder auch im Ausland.
Ganz lokal orientiert ist dagegen PHV – Der Dialysepartner. Der Messeneuling wirbt heute für eine Ausbildung zur/zum Medizinischen Fachangestellten (MFA) im Kieler Stadtzentrum. „Unser Ausbildungskonzept hat den Vorteil, dass wir den klassischen Einsatz in einer Arztpraxis kombinieren mit Aufgaben in der Dialyse“, sagt Schichtleiterin Kristina Volkheimer. Das bedeute mehr Abwechslung und eine breitere Qualifikation.
Damit hat die BIM einmal mehr geboten, was sie auszeichnet: Botschaften, Informationen und Motivation.
TEXT Christopher Nachtweh
FOTO Axel von Kortzfleisch

