Schule ohne Eltern funktioniert nicht!

Schule ohne Eltern funktioniert nicht!

Heike Britt weiß als Elternvertreterin, wie wichtig ein gutes Miteinander ist

Die Mutter von zwei Kindern engagiert sich schon lange als Elternvertreterin und ist im Vorstand des Elternbeirats der FTS. Neben ihrem Beruf als Altenpflegerin und der Pflege des Familienhofes nimmt sie sich trotzdem die Zeit, sich um die Belange der Schulgemeinschaft zu kümmern.

Frau Britt, haben Sie den Eindruck, dass es immer schwieriger wird, Eltern für solche Schulämter zu gewinnen?

Ich habe zum einen die Erfahrung gemacht, dass das Interesse der Elternschaft mit zunehmendem Alter der Kinder nachlässt. In der Grundschule gab es viel mehr Initiative. Andererseits sehe ich aber auch ein, dass es für viele Eltern zeitlich immer komplizierter wird, die mit einem Amt verbundenen Pflichten wahrzunehmen.

Welche Aufgaben kommen da beispielsweise auf Sie zu?

Als Elternvertreter fungieren wir als Bindeglied zwischen Eltern und Schule. Wir vermitteln bei Fragen und Konflikten, nehmen an Zeugniskonferenzen, bei denen Veränderungen, Prognosen im Entwicklungsstand der Kinder besprochen werden, teil und organisieren zum Beispiel auch mal Grillfeste am Schuljahresende. Zusätzlich haben wir die Aufgabe, zu Fachkonferenzen zu gehen. Dort wird dann besprochen, was im nächsten Halbjahr ansteht, welche Anschaffungen für die jeweiligen Fächer beantragt werden müssen oder welche Projekte geplant sind.

 Welche Projekte sind das zum Beispiel?

Zum Beispiel, dass für die Schüler im Fach Dänisch eine kleine Reise nach Dänemark organisiert wird, damit sie das Land, dessen Sprache sie lernen, besser kennen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schule?

An der FTS funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut. Es gibt sehr viele engagierte und verständnisvolle Lehrer, die mit großem Elan immer gute Problemlösungen anbieten. Erziehung muss zwar zuhause und das Lernen in der Schule stattfinden, aber trotzdem greift eins ins andere, deshalb finde ich die Zusammenarbeit gerade auf der weiterführenden Schule so wichtig. Schule ohne Eltern funktioniert nicht.

Wie lief denn das Homeschooling während Corona?

Mein Eindruck ist positiv. Natürlich mussten sich alle erstmal in die neue Struktur einfinden, aber das ging schnell und lief gut. Gerade bei meinem Sohn, der noch Förderbedarf hatte, kann ich sagen, dass auch die Sonderaufgaben nicht vernachlässigt wurden und die Lehrer immer gut zu erreichen waren. Selbst die digitalen Elternabende funktionierten einwandfrei.

Was bleibt von der ‚digitalen Erfahrung’?

Das wird sich entwickeln, aber Infos werden dadurch jetzt schon besser und schneller weitergegeben, und die Kinder haben zum Beispiel nun die Möglichkeit, sich auch während des Schulpraktikums mit dem Lehrer via E-Mail auszutauschen.

Ihre Tochter ist in der 9. Klasse, wo macht sie gerade ihr Praktikum?

Sie ist bei einem Tierarzt und sehr begeistert. Obwohl sie es nicht musste, ist sie freiwillig direkt am ersten Tag länger geblieben. Leider waren im letzten Jahr durch Corona die Praktikumsmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Das Praktikum ist meines Erachtens überaus wichtig. Entweder, weil die Kinder noch nicht genau wissen, in welche Richtung sie sich orientieren wollen, oder auch, weil sie so vielleicht feststellen können, dass ihre Vorstellung von dem Beruf mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmt.

Wie finden Sie die Durchführung BO-Messe an der Schule?

Die Messe ist sehr gut. Die Schüler werden im BO-Unterricht darauf vorbereitet, und die Chance mit den Ausstellern, also Berufsgruppen, mal direkt zu sprechen, stößt bei vielen Schülern eine andere Art der Denkweise an. Die Schulzeit dauert nicht so lange, und die Berufswahl steht an, da ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren.

Wie sieht es denn bei Ihren Kindern mit einem Berufswunsch aus?

Beide Kinder wissen, was sie möchten. Mein Sohn will Kindergärtner werden und am liebsten gleich eine Kochausbildung zusätzlich machen, um mit den Kindern später gesund kochen zu können, und meine Tochter möchte beruflich auf jeden Fall etwas mit Tieren machen. Sie ist ja auf unserem Hof mit Pferden, Hunden, Katzen und Enten aufgewachsen. Ich rate zwar immer, sich auch noch etwas anderes anzuschauen, aber das haben sie wohl von mir: Ich habe mit 14 mein Praktikum im Altenheim gemacht und bin bei dem Beruf geblieben.

TEXT Anja Nacken
FOTO Reinhard Witt