Mit dem Bürgermeister auf eine Praline – Pierre Gilgenast

Mit dem Bürgermeister auf eine Praline – Pierre Gilgenast

Als Rathauschef trägt Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgenast die Verantwortung für 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt. 2012 wählten die Rendsburgerinnen und Rendsburger den SPD-Kommunalpolitiker für acht Jahre zum Bürgermeister. Der 54-jährige Jurist ist verheiratet und seit einem halben Jahr stolzer Vater.

ME2BE: Welcher ist Ihr ganz persönlicher Lieblingsort in Rendsburg?

PIERRE GILGENAST: Wir haben ja eine ganze Reihe besonderer Orte – da ist die Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal genauso wie der Altstädter Markt. Mein persönlicher Lieblingsort ist das Naturgelände an der Grönsfurth. Das ist der Platz an der Eider, an dem der erste deutsch-dänische Friedensvertrag im Jahr 811 geschlossen wurde. 2011 wurden dort die Reste einer Wallburg gefunden. Gerne bin ich dort auch mit unserem Hund unterwegs.

Ich kenne keine andere Mittelstadt unserer Größe in Schleswig-Holstein, die eine solche Vielfalt zu bieten hat.

Was sind die Stärken Ihrer Stadt?

Rendsburg hat eine ausgesprochen günstige Lage, mitten in Schleswig-Holstein. Deshalb gibt es hier starke Wirtschaftsunternehmen, aber auch für den touristischen Bereich viel zu entdecken. Eine weitere Stärke liegt ganz sicher in dem guten Kulturangebot, das nicht nur Kinos, Theater und Museen umfasst, sondern auch eine Vielzahl von Vereinen und Verbänden, die unglaublich engagiert sind. Ich kenne keine andere Mittelstadt unserer Größe in Schleswig-Holstein, die eine solche Vielfalt zu bieten hat. Beeindruckt hat mich letztlich auch, wie vorbildlich die Vereine und Bürger mit der Flüchtlingssituation umgegangen sind.

Wie klappt denn die Integration?

Wir leben Integration sehr bewusst, viele Engagierte helfen dabei mit. Wir sind in der großen Flüchtlings-Landesunterkunft in Rendsburg mit vor Ort. Die Stadt und viele Ehrenamtliche bieten Hilfe und Unterstützung an. Wenn es Probleme gibt, stellen wir uns ihnen und suchen konstruktiv nach Lösungen. Wenn zum Beispiel das WLAN- Netz in der Stadt an bestimmten Hot Spots vornehmlich von Flüchtlingen genutzt wurde, was durchaus zu Konflikten geführt hat, dann ducken wir uns nicht weg. In diesem Falle verbessern wir die WLAN-Angebote innerhalb der Stadt und haben mit dazu beigetragen, dass es auch eines in der Landesunterkunft für Flüchtlinge selbst gibt.

Haben Sie eine Lebensphilosophie, in einem Satz auf den Punkt gebracht?

Ja: „Es geht immer weiter!“

Rendsburger Pralinen

Rendsburg hat noch mehr zu bieten als leckere Pralinen

Was macht Rendsburg für junge Leute attraktiv?

Eine wesentliche Rolle spielt das Bildungsangebot mit einer großen Vielfalt – von den allgemeinbildenden Schulen über die breit aufgestellten beruflichen Bildungszentren bis hin zur „Grünen Meile“, in der unter anderem eine Fachhochschule für Landwirtschaft ansässig ist. Auch die Unternehmen mit ihrem großen Engagement begeistern mich – darunter Weltmarktführer wie die Labmaster Wolter AG, die Hobby-Wohnwagenwerke oder der Weltkonzern ACO. In der Region gibt es hoch interessante Ausbildungsberufe. Hinzu kommen die Werften, die Weltgeltung besitzen, und die Imland-Klinik, mit 2.100 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. Damit kann jungen Leuten eine Vielfalt an Ausbildungsplätzen in unterschiedlichsten Berufen angeboten werden. Nicht zuletzt bietet auch die Stadt Rendsburg selbst Ausbildungsplätze an und zwar in der Verwaltung, der Bücherei, unseren Kindergärten oder den Stadtwerken. Aber auch das Freizeitangebot kann sich wirklich sehen lassen – da gibt es eine große Auswahl. Die Rendsburger Jugendlichen loben zudem die Kinolandschaft.

Was planen Sie, um die Bildungsangebote weiter voranzubringen?

Wir wollen jungen Leuten noch mehr Angebote machen, damit sie in unserer Region bleiben und nicht nach Kiel oder Hamburg abwandern. Wir haben Stärken vor Ort, und dazu gehört die Windkraft-Branche. Betriebe wie Senvion und andere in diesem Bereich sind technologisch spitze. Da wollen wir anknüpfen. Weil auch das medizinische Angebot durch Kreiskrankenhaus und private Ärztezentren hervorragend ist, wollen wir den Studiengang Pflegewissenschaften in Rendsburg aufbauen. Hierzu führen wir gerade Gespräche mit dem Land Schleswig-Holstein.

Ich bin sehr froh, dass wir auf dem Gelände der ehemaligen Eider-Kaserne 386 Wohneinheiten ermöglichen werden.

Welche Zukunftspläne haben Sie als Bürgermeister für Ihre Stadt?

Wir brauchen künftig wieder Flächen, auf denen sich Familien ansiedeln können. Durch die Lage der Stadt an Eider und Kanal ist sie sehr attraktiv. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auf der Neuausweisung von Wohnbauflächen einerseits und der Schaffung weiterer Kindergarten- und Schulplätze andererseits. Ich bin sehr froh, dass wir auf dem Gelände der ehemaligen Eider-Kaserne 386 Wohneinheiten ermöglichen werden. In diesem Herbst sollen die Bagger für den erforderlichen Straßenbau anrollen.

Wieviel Geld investiert die Stadt denn in die Schulen?

In den vergangenen zehn Jahren wurden 20 Millionen Euro in die Sanierung der Gebäude investiert. Das ist gut angelegtes Geld in die Zukunft!

Wie sieht es mit dem Sport aus?

Die Stadt ist gerade ziemlich stark im Basketball – die Rendsburg Twisters spielen in der Regionalliga, da kommen bereits über 1.000 Zuschauer zu den Spielen. Der größte Verein ist der RTSV mit über 1.500 Mitgliedern. Auch der Wassersport wie das Rudern hat viele Fans und eine lange Tradition. Bei der diesjährigen Sportlerehrung wurden über 200 Landes- und Bundesmeister ausgezeichnet; das zeigt doch, wie vielfältig der Sport hier ist. Ich selbst habe gerne Handball und Badminton gespielt.

Und was macht der Bürgermeister Gilgenast am liebsten nach Feierabend?

Für mich sind meine Frau Diana und mein Sohn die Nummer eins! Nicht erst seit der Geburt unseres Sohnes Alexander vor einem halben Jahr gilt für mich: Familie ist das Wichtigste – und der Hammer!

TEXT Joachim Welding
FOTOS Laura Hasl