Was passt zu mir? Welche beruflichen Wege stehen mir offen? Und was verbirgt sich eigentlich hinter den Türen des BBZ Rendsburg-Eckernförde? Antworten auf diese Fragen bot die Kombination aus Berufsinformationsforum und Tag der offenen Tür. Die Veranstaltung verband Berufsorientierung mit spannenden Einblicken in die Schule und ihre vielfältigen Möglichkeiten.
Beim Betreten der Eingangshalle wird Besucherinnen und Besuchern schnell klar, dass es sich bei diesem Event um weit mehr als eine klassische Ausbildungsmesse handelt. Aus dem Untergeschoss dringen laute Motorengeräusche, in einem Klassenzimmer im ersten Stock löst der Blitz einer Kamera immer wieder aus. Dicht an dicht reihen sich die Stände regionaler Unternehmen und Hochschulen auf den Gängen.
Besonderes Angebot für „alle, die neugierig sind“
„Wir haben einen schönen Branchenmix“, freut sich Koordinator Peter Reelmann. „Insgesamt 70 Unternehmen aus Bereichen wie Verwaltung, Technik, Handwerk oder Gesundheitswesen sind heute hier.“ Das Team des BBZ Rendsburg-Eckernförde hat sich in diesem Jahr dazu entschieden, das Berufsinformationsforum mit einem Tag der offenen Tür zu kombinieren. „Wir haben unsere Türen für alle, die neugierig sind, geöffnet.“ Dementsprechend groß ist der Andrang: Rund 1.200 Schülerinnen und Schüler, unter anderem vom BBZ am Standort Rendsburg und umliegenden allgemeinbildenden Schulen, sind heute zu Besuch. Das Angebot geht weit über das einer typischen Ausbildungsmesse hinaus.

Das Koordinationsteam der Veranstaltung: Die Lehrkräfte Marius Backhaus, Farina Wohltmann und Peter Reelmann (v. l. n. r.)
Von Azubi-Talks bis hin zu Bewerbungstraining
So können junge Menschen nicht nur mit Ausstellerinnen und Ausstellern an den Ständen ins Gespräch kommen, sondern sich auch mit Azubis in einem persönlichen Rahmen austauschen. Dafür hat das BBZ sogenannte Azubi-Talks organisiert. Hier erzählen Azubis direkt aus ihrem aktuellen Berufsalltag und beantworten Fragen der Schülerinnen und Schüler. „Ziel der Azubi-Talks ist es, dass Hürden abgebaut werden und Gespräche auf Augenhöhe stattfinden“, erklärt Peter Reelmann. Das interaktive Austauschformat wurde von der Jugendberufsagentur ins Leben gerufen.
Darüber hinaus haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich bei einem Bewerbungstraining auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Freyer Böhmer, Lehrkraft für Deutsch und Wirtschaft, zeigt, worauf es bei einer gelungenen Bewerbungsmappe ankommt. Und weil der erste Eindruck zählt, setzt Ines Matz-Boomgaarden von Our Focus Photography die Jugendlichen mit kostenlosen Bewerbungsfotos ins rechte Licht.

Worauf kommt es an bei der Bewerbungsmappe und dem Bewerbungsfoto? Das beantworteten Lehrerin Freya Böhmer (li.) und Fotografin Ines Matz-Boomgaarden von Our Focus Photography.
Einer der größten Arbeitgeber in der Region
Mit diesem neuen Wissen können sich die jungen Besucherinnen und Besucher zum Beispiel bei der Stadt Eckernförde bewerben. Als einer der größten Arbeitgeber der Region bietet die Stadt Eckernförde ein vielfältiges Repertoire an Ausbildungsberufen an, darunter Verwaltungsfachangestelle/-r, Sozialpädagogische/-r Assistent/-in oder Erzieher/-in an. „Wir bieten einen sicheren Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst, eine gute Bezahlung und sind bemüht, unsere Azubis nach Ausbildungsende auch hier bei uns einzusetzen“, zählt Sabine Gruß aus der Personalabteilung einige Vorteile auf.
Wer an einer Tätigkeit im Handwerk interessiert ist, wird ebenfalls bei der Stadt Eckernförde fündig: So werden hier auch Bautechnische Konstrukteur/-innen, Gärtner/-innen und Umwelttechnolog/-innen für Abwasserbewirtschaftung ausgebildet. Franziska Bickel empfiehlt jungen Menschen, unbedingt ein Praktikum zu absolvieren, um einen realistischen Einblick in den Berufsalltag zu erhalten. „Viele denken, man pflanzt im Garten- und Landschaftsbau mal eine Blume hier und da“, verrät die Reviergärtnerin, die seit 35 Jahren bei der Stadt Eckernförde tätig ist. Tatsächlich sei aber nicht nur der Umgang mit Pflanzen, sondern auch technisches und mathematisches Verständnis sowie körperliche Fitness erforderlich.

Personalwesen, Soziales oder doch lieber Handwerk? Sabine Gruß, Lana Bösherz und Franziska Bickel (v. l. n. r.) zeigen, was alles möglich ist bei der Stadt Eckernförde als Arbeitgeber.
Aktuelle Herausforderungen für Handwerksbetriebe
Auf handwerkliches Geschick kommt es auch bei Nielsen & Maaß an. Das Unternehmen aus Büdelsdorf fertigt Bauteile für den regionalen und internationalen Maschinenbau an. „Schülerinnen und Schüler mit einem guten Ersten Schulabschluss oder Mittleren Schulabschluss können bei uns eine Ausbildung zum/zur Zerspanungsmechaniker/-in in den Bereichen Drehen oder Fräsen absolvieren“, berichtet Geschäftsführer und Inhaber Christian Maaß.
Wichtig dafür sei neben einem Interesse an Technik auch die Fähigkeit, konzentriert und genau zu arbeiten. „In Zeiten von TikToks und Instagram-Reels fällt es jungen Menschen immer schwerer, sich länger auf eine Sache zu fokussieren.“, erzählt Maaß. „Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer.“ Auf der Messe wollen er und sein Kollege Melf Hansen gegensteuern und die positiven Seiten des Berufs zeigen. Denn: Für viele junge Menschen ist eine Tätigkeit im Handwerk vielleicht genau das Richtige – so auch für den 20-jährigen Hasan.

Letztes Jahr noch bei unserem NOSH Network Event in Rensburg zu Gast, diesmal auf der Messe in Eckernförde: Inhaber und Geschäftsführer Christian Maaß (li.) und Dreher Melf Hansen von Nielsen & Maaß
Einblicke hinter die Kulissen des BBZ
Neben dem Messegeschehen bietet sich den Besucherinnen und Besuchern an diesem Tag die Gelegenheit, den Schulalltag am BBZ Rendsburg-Eckernförde kennenzulernen. Hier besuchen nicht nur Schülerinnen und Schüler die Vollzeitbildungsgänge, sondern auch Auszubildende, die den theoretischen Teil ihrer Berufsausbildung absolvieren. Heute am Tag der offenen Tür geben sie Einblicke in ihre Arbeit und präsentieren aktuelle Projekte.
Einer von ihnen ist Hasan Al Sheikh. Der 20-Jährige macht bei Punker in Eckernförde eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer. „Ich bin jetzt im zweiten Lehrjahr und besuche zwei Tage die Woche den Berufsschulunterricht am BBZ“, erzählt er. Normalerweise ist Hasan in der Metallwerkstatt tätig. Heute jedoch führt er interessierte Schülerinnen und Schüler durch die Kfz-Werkstatt und zeigt ihnen unter anderem, wie sie an einem Fahrzeug auf der Hebebühne einen Reifen wechseln können.

Lust auf einen Job im Handwerk? Der 20-jährige Hasan hat sich für die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer entschieden und besucht am BBZ den Berufsschulunterricht.
Gegen Nachmittag treten die Ausstellerinnen und Aussteller, Lehrkräfte, Auszubildenden und Schülerinnen und Schüler langsam den Rückweg an – letztere mit vielen neuen Perspektiven für ihre schulische und berufliche Zukunft.
TEXT & FOTO Mareike Neumann

