Medieningenieur: Die Zukunft der digitalen Wirtschaft gestalten

Medieningenieur: Die Zukunft der digitalen Wirtschaft gestalten

Professor Dr. Heidi Kjär und Professor Dr. Felix Woelk über den neuen Studiengang an der FH Kiel

Zum Wintersemester 2018/19 startet der neue Studiengang Medieningenieur/in an der Fachhochschule Kiel. Was sich genau dahinter verbirgt, für wen das interdisziplinäre Studium geeignet ist und auf welche Inhalte man sich freuen kann, verraten Professorin Dr. Heidi Kjär (FB Medien) und Professor Dr. Felix Woelk (FB IuE).

Frau Kjär, Herr Woelk, was genau machen denn Medieningenieurinnen und Medieningenieure?
Heidi Kjär: Medieningenieure sind eine Schnittstelle in der digitalen Arbeitswelt. Sie bauen Brücken zwischen den Kompetenzen Mediengestaltung, Ingenieurswissenschaften und Informationstechnologie, bringen wirtschaftliches Denken mit und sind Führungspersonen.
Felix Woelk: Das heißt, dass man Projekte zunächst technisch umsetzt, dann aber auch erfolgreich kommunizieren kann, woran man gearbeitet hat. Medieningenieure können den zukünftigen Nutzern oder Konsumenten verständlich machen, worum es genau geht. Es gilt also, Fachtermini der einzelnen Disziplinen zu beherrschen und zu vereinen: Als Ingenieur weiß ich, was eine SQL-Datenbank ist. Als Wirtschaftler weiß ich, was ein ROI, also Return of Investment, ist. Als Gestalter weiß ich, wie ich ein Gesamtprodukt oder eine Dienstleistung ansprechend darstelle und erfolgreich mache. Medieningenieure sind hier die Schnittstelle.
Warum haben Sie diesen Studiengang aufgebaut?
Heidi Kjär: Der Studiengang entstand aus Gesprächen, die wir mit der regionalen Wirtschaft geführt haben. Wir haben uns informiert, in welchen Bereichen zukünftig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht werden. Ganz besonders schwierig scheint dabei die Zukunft mit digitalen Medien zu sein. Die Wirtschaft sucht nach Personen, die Brücken bauen können. Jemand, der nicht nur rein technisches Wissen hat und nur für technische Unternehmen arbeitet, sondern Personen, die auch in einer sozialen Einrichtung arbeiten können oder bei einem Tischler, der sich durch die sozialen Netzwerke neue Kundenkreise erschließen möchte. Die Fachbereiche Medien sowie Informatik und Elektrotechnik haben sich deswegen zusammengetan und sich zum Ziel gesetzt, neue Mitarbeiter/-innen auszubilden, die beide Seiten verstehen und verbinden.
Warum ist es ein interdisziplinärer Studiengang?
Heidi Kjär: Unsere Fachbereiche vereinen alle Kompetenzfelder, die zukünftige Medieningenieurinnen und Medieningenieure benötigen. Wir haben Lehrende aus diversen spannenden Disziplinen, umfangreich eingerichtete Labore mit Geräten auf dem aktuellsten Stand der Technik, und das alles in beiden Fachbereichen. Wir ergänzen uns, genau wie Medieningenieure selbst auch Schnittstellen bilden.
Für wen ist der Studiengang geeignet?
Felix Woelk: Wir wünschen uns Studirende, die sich für die drei Kompetenzbereiche Medien/Gestaltung, Ingenieurswissen mit Elektrotechnik und Informatik mit Programmierung begeistern. Leute, die technisch fit sind, keine Angst vor Formeln haben, aber auch sehr sozial veranlagt sind, bereit sind, über die eigenen Kompetenzen zu sprechen und diese auch zu vermitteln. Man sollte Empathie haben, also verstehen, wer einem genau gegenübersitzt und welche Fachtermini ich im Gespräch verwenden kann.
Heidi Kjär: Auch solche Menschen, die in der Schule schon Lust hatten, Verantwortung zu übernehmen, Klassen- oder Schulsprecher/-in waren und ihren Großeltern gerne mal den Rechner erklären, wenn hier Hilfe gebraucht wird.

 

Medieningenieur an der FH Kiel

Autoroboter aus Lego

 

Was lernen die Studierenden zum Beispiel? Worauf können sie sich freuen?
Felix Woelk: Wir starten mit einer Projekt­arbeit, die die Studierenden in allen Kompetenzbereichen fordert und ihnen aufzeigt, warum es überhaupt wichtig ist, diese drei Kompetenzen zu haben. Das Projekt wird durch die Ringvorlesung „Elementare Techniken“ begleitet, bei der Mathematik, Physik und Elektrotechnik auf dem Plan stehen. Konkret wird ein Autoroboter aus Lego gebaut, der von einem Smartphone gesteuert wird. Man programmiert das Auto, macht sich über Lenkwinkel Gedanken, gestaltet und programmiert die Smartphoneoberfläche. Zum Abschluss werden die Ergebnisse ansprechend präsentiert. Im Studium werden dann die einzelnen Aspekte aus dem ersten Semester laufend vertieft. Einige Module sind Elektro- und Messtechnik, Programmieren, Design, Datenbanken, Testen von Software, Marketing und Produkt-PR, Unternehmensführung und Kommunikationstechniken.
Heidi Kjär: Besonders ist das Modul Virtual und Augmented Reality, das beide Fachbereiche zusammen lehren. Außerdem können die Studierenden im Studium häufig mit Unternehmen in Kontakt treten. Im sechsten Semester folgt ein Projekt mit einem Unternehmen, im siebten Semester wird ein Praktikum über zehn Wochen absolviert, und die Thesis kann selbstverständlich auch in einem Unternehmen geschrieben werden. Praxis und Studium müssen früh zusammengebracht werden, da man Probleme eines Unternehmens nicht von außen lösen kann.
Wo können Medieningenieure nach dem Abschluss arbeiten?
Felix Woelk: Man kann als klassischer Softwareengineer arbeiten, in der Datenvisualisierung oder in der Kundenbetreuung tätig werden. Andere Berufsfelder sind Fach- und Führungsfunktionen in der Wirtschaft, man kann IT-Lösungen, Apps und internet- und hardwarenahe Anwendungen konzipieren und entwickeln, Beratungsleistungen anbieten oder sich auch selbstständig machen.
Haben Sie noch ein paar Tipps oder Ratschläge für alle Interessierten?
Heidi Kjär: Immer neugierig sein und sich jetzt schon ansehen, welche Arbeitsfelder es in diesem Bereich gibt und geben wird. Wer nicht ständig am Ball bleibt, kann auch nicht als Berater in die Zukunft schauen und einem Unternehmen sagen, wo es hingehen könnte. Man sollte aktiv werden, Kontakte suchen, sich die Möglichkeiten ansehen, zu relevanten Veranstaltungen gehen und Fragen stellen.
Felix Woelk: Man sollte begeistert für das Thema sein, ein richtiger Enthusiast. Es ist auch wichtig zu wissen, was einem Spaß macht. Wenn man nicht nur Anwender sein, sondern Einfluss nehmen will, die Technik und auch Grenzen verstehen will, dann ist man hier richtig.

 

Medieningenieur and der FH Kiel

Prof. Dr. Heidi Kjär und Prof. Dr. Felix Woelk

 

TEXT Julia Königs
FOTOS Julia Königs & FH Kiel