Medical Design – Gesundheit weiter denken

Medical Design – Gesundheit weiter denken

Master-Studiengang an Muthesius Kunsthochschule findet Antworten zu Gestaltung, Technologie und Gesellschaft

Design soll mehr sein als schöner Schein. Insbesondere, wenn es um Medizin und Gesundheit geht. Das spiegelt sich auch in einem besonderen Studienangebot in Schleswig-Holstein wider: Die Muthesius Kunsthochschule in Kiel bietet den bundesweit einmaligen Master-Studiengang „Industriedesign Medical Design“ an.

Was Design mit gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat, erfahren die rund 40 Studierenden ziemlich schnell. Professor Detlef Rhein weitet den Blick über die gute Gestaltung von Medizinprodukten hinaus: „Gesundheit gehört zu den großen Zukunftsthemen. Deshalb müssen Designer lernen, die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse aktiv zu begleiten.“ Wenn Design-Studierende in Arztpraxen und Krankenhäusern hospitieren oder bei der Feuerwehr recherchieren, dann hat das an der „Muthesius“ System. „Wir wollen unsere Studierenden nicht nur für die praktische Arbeit als Designer professionalisieren. Sie sollen außerdem die weitreichenden Veränderungen in unserer Gesellschaft reflektieren können, um innovative Lösungskonzepte jenseits gewohnter Denkweisen zu entwerfen“, betont Rhein, der vor seiner Professur selbst viele Jahre als Designer für medizinische Produkte gearbeitet hat.

Medical Design an der Muthesius Kunsthochschule

Prof. rhein mit seinen Studenten

Wer sich in diesem technisch komplexen Fachgebiet spezialisieren will, trifft mit dem Studiengang an der Muthesius Hochschule auf ein bundesweit einzigartiges Angebot – wenn man vom entfernt verwandten Studiengang Embedded Systems Design an der Hochschule Bremerhaven absieht. Die Fragestellungen fasst der Studiengangsleiter im Zweifel immer etwas weiter. Dann kann es sein, dass Studierende in Projekt- und Masterarbeiten sich mit einem revolutionären Fahrrad für Ältere befassen oder eine völlig neue Art von Treppe entwerfen, die die Gefahr von Stürzen minimiert (durch bewegliche Automatik-Stufen). Deshalb verwundert auch die Breite des Fächerangebotes des viersemestrigen Studiengangs nicht: Es reicht von den medizinischen Grundlagen wie Anatomie und Anthropologie über Soziologie bis zu Produktplanung, Design Management, Design-Theorie und Computer Aided Design.

Gesundheit gehört zu den großen Zukunftsthemen.
-Professor Detlef Rhein

Die Muthesius Kunsthochschule versteht Medical Design nicht nur als „Medizintechnik“, sondern als umfassendes „entwerferisches Handlungsprinzip“. Die Studierenden vertiefen sich im Rahmen der Projektarbeit umfassend in das Denken, Gestalten und Vermitteln von Prozessen, Systemen und Schnittstellen. Dabei geht es auch darum, neue Sichtweisen auf die Details und die Qualität von Produkten zu erarbeiten. „Die Verbindung mit dem Masterstudiengang Interface Design hat darüber hinaus eine Alleinstellung und ist besonders richtungsweisend, weil Produkte zunehmend als vielschichtige Informationsträger und Interaktionsvermittler zu verstehen sind“, wirbt die Kieler Kunsthochschule.

Ernst nimmt Professor Rhein die Forschung, die nicht allein den Universitäten vorbehalten sein solle: Die Bereiche „Umwelt und Gesundheit“, „Global Health“, „Zukunft Krankenhaus“, „Körpertechnologien“ und „Leben im Alter“ gehören an der Muthesius Kunsthochschule zu den Forschungsschwerpunkten. „Unser hoher Anspruch zeigt sich auch darin, dass wir im Kieler Exzellenzcluster ‚Entzündungen an Grenzflächen‘ mitarbeiten“, sagt Rhein, der mit zwei weiteren Lehrenden die Studenten betreut. Dass die innovative Denkschule der Muthesius Kunsthochschule gut ankommt, zeigen regelmäßig Preise, die die Studierenden mit ihren Masterarbeiten gewinnen.

TEXT Joachim Welding
FOTOS Joachim Welding, Muthesius Kunsthochschule