Mathelehrer Johannes Weißbach über die Bedeutung der Mathematik im Leben
Johannes Weißbach, 38 Jahre alt, ist seit acht Jahren Lehrer an der Toni-Jensen-Gemeinschaftsschule. Er unterrichtet hier Mathe und Physik in der Sekundarstufe zwei und dementsprechend auch Naturwissenschaften in der Unterstufe. Vor den Sommerferien hat er gerade seine Klasse, die er vom fünften bis zum zehnten Jahrgang begleitet hatte, abgegeben. In diesem Schuljahr hat er eine neue fünfte Klasse als Klassenlehrer übernommen. Weißbach ist Familienvater und hat zwei Kinder in der Schule.
Was motiviert Sie dazu, Mathematik zu unterrichten?
Ich hatte schon immer eine große Leidenschaft für Mathematik, die bereits während meiner Schulzeit begann. Die Fachrichtung fiel mir stets leicht. Allerdings neigte ich dazu, eher bequem zu sein, was sich im späteren Studium als weniger optimal erwies. Während ich in der Schule problemlos zurecht kam, musste ich an der Universität lernen, wie man richtig lernt. In dieser Zeit habe ich wertvolle Erfahrungen als Nachhilfelehrer gesammelt und dabei häufig den hohen Frustrationsgrad bei den Schülern bemerkt.
Meine Motivation ist es, zu zeigen, dass Mathematik Freude bereiten kann. Dies erreiche ich durch meine Persönlichkeit und indem ich eine angenehme Lernumgebung schaffe, die spannende Aspekte der Mathematik hervorhebt. Es ist mir ein Anliegen, den Schülern zu vermitteln, dass Mathematik von entscheidender Bedeutung für das Leben ist. Viele sind sich dessen nicht bewusst, aber sie ist essentiell, um ein mündiger Bürger zu werden. Ich begleite meine Schüler auf diesem Weg, damit sie ihre Rolle als mündige Bürger erfolgreich ausfüllen können.
Was ist mit Ihrem zweiten Fach, Physik?
Physik habe ich angefangen zu unterrichten, beziehungsweise zu studieren, weil ich während meiner Schulzeit Schwierigkeiten mit dem Fach hatte. Nach der zwölften Klasse hatte ich Physik sogar abgewählt. Als ich nach meinem Schulabschluss meinen Zivildienst absolvierte, habe ich einen inspirierenden Physiklehrer getroffen; dieser hat mich dazu animiert, Physik zu studieren. Darüber hinaus ergänzt Physik die Mathematik hervorragend. Trotzdem bleibt meine wahre Leidenschaft die Mathematik.
Warum ist Mathematik für viele Schüler so schwierig und wofür brauchen wir sie?
Viele Schüler empfinden Mathematik als schwierig, weil sie oft nicht erkennen, wozu sie das Gelernte im Alltag benötigen. Mathematik ist in gewisser Weise wie das Erlernen einer neuen Sprache. Um sie zu verstehen, müssen die grundlegenden Begriffe und Symbole vertraut sein.
Sobald die Schüler die Grundlagen beherrschen, können sie an zahlreichen praktischen Beispielen sehen, wie Mathematik im täglichen Leben Anwendung findet.
Und sie lernen, dass Mathematik in vielen Bereichen des Lebens und in zahlreichen Berufen unverzichtbar ist. Beispielsweise wird sie für Wettervorhersagen, für die Planung eines Geschäfts oder die Berechnung von Kosten benötigt. Auch geometrische Kenntnisse, wie der Satz des Pythagoras, sind praktisch, etwa wenn man ein Dreieck konstruieren möchte.
Indem ich den Schülern zeige, wie Mathematik in realen Situationen genutzt wird, helfe ich ihnen zu verstehen, warum das Fach so wichtig ist. Auf diese Weise können sie erkennen, dass Mathe nicht nur ein theoretisches Fach ist, sondern ein wertvolles Werkzeug für den Alltag und die berufliche Zukunft.
Wie unterstützen Sie Ihre Schüler, die sich für Physik und Mathematik interessieren, bei der Berufswahl?
Ich sehe schnell, ob jemand ein Talent für Physik und Mathematik hat. Wenn es dann um die Berufswahl geht, überlege ich gemeinsam mit dem Schüler, welcher technische Beruf oder welcher Studiengang infrage kommen könnte. Dabei arbeite ich eng mit der Berufsberaterin unserer Schule, Ulrike Gronau von der Agentur für Arbeit, zusammen.
Diese Zusammenarbeit ist sehr wertvoll, da sie es ermöglicht, die Schüler individuell zu betreuen und ihnen gezielte Beratung anzubieten. Es ist großartig zu sehen, wie die Schüler aufgefangen und in ihren Interessen gefördert werden.
Wann brauchen Schüler Mathe im Beruf?
Jeder Mensch ist individuell und hat seine eigenen Stärken. Deshalb ist es wichtig, dass man seine eigenen Stärken erkennt und sich darauf konzentriert. Allgemein lege ich im Unterricht besonderen Wert darauf, den praktischen Bezug der Mathematik und Physik zu betonen. So integriere ich regelmäßig Projektarbeiten und Experimente, die die Anwendung theoretischer Konzepte in realen Situationen veranschaulichen. Dies hilft den Schülern nicht nur, die Fächer besser zu verstehen, sondern mögliche Berufsfelder zu entdecken, in denen diese Kenntnisse und Stärken gefragt sind. Das gilt auch für Schüler, die sich nicht so stark für Physik und Mathe interessieren.
Ich sage jedoch allen meinen Schülern, dass die Sprache der Wissenschaft Mathematik ist.
Egal, welches Fach man studiert – man wird zwangsläufig mit Mathematik in Berührung kommen, auch in den Sprachwissenschaften, wo statistische Analysen und Hypothesenprüfungen immer wichtiger werden. Deshalb gebe ich meinen Schülern in der Oberstufe den Rat: Wer studiert, braucht Mathematik.
Welchen Rat geben Sie Ihren Schülern über das Fachliche hinaus fürs Leben?
Mein Rat an die Schüler ist, sich nach der Schule eine Auszeit zu nehmen – nicht durch Reisen oder Work and Travel, sondern durch ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr. Solche Erfahrungen außerhalb der Schule bieten wertvolle Einblicke und können die persönliche Entwicklung fördern. Eine Auszeit kann dabei insbesondere helfen, neue Perspektiven zu gewinnen, wenn man sich über seinen weiteren Weg noch nicht im Klaren ist.
Ich habe selber Zivildienst geleistet, dabei einen Rollstuhlfahrer begleitet und mit Kindern mit Einschränkungen gearbeitet. Diese Erfahrungen haben mir die Augen geöffnet und meine Sicht auf verschiedene Schularten verändert. Obwohl ich ursprünglich nur am Gymnasium unterrichten wollte, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, individuell auf unterschiedliche Schüler einzugehen und ihr jeweiliges Potenzial zu fördern. Das ist an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe möglich.
Allgemein möchte ich Schüler dazu ermutigen, nicht nur ihre fachlichen Leistungen, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen zu stärken, damit sie, wenn sie erwachsen sind, wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft werden.
TEXT Hilke Ohrt
FOTO Reinhart Witt