Klaas und Clarissa

Klaas und Clarissa

Elektrotechnik ist keine Männersache, auch Frauen steht das E-Handwerk offen. Beispiel: Clarissa Hofmann, Auszubildende im Elektronikhandwerk bei der Firma Elektro-Klaas in Albersdorf.

Der Elektro-Boom hält an. In allen Lebensbereichen sind elektrotechnische Lösungen gefragt. Ein Beispiel: Seit 2015 wurden in Schleswig-Holstein rund 1.500 neue Photovoltaik-Anlagen pro Jahr installiert, eine Spezialität der Firma Elektro-Klaas in Albersdorf. Das familiengeführte Unternehmen bildet selbst aus, beschäftigt zurzeit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bietet eine große Spannbreite an Dienstleistungen – von Elektroinstallationen über Netzwerk- und Sicherheitstechnik bis hin zu modernsten Energiespeicheranlagen. Eine Besonderheit: Im Dithmarscher Betrieb lernt eine der wenigen weiblichen Auszubildenden das Elektrohandwerk. HANDS UP hat sie am Ausbildungsplatz besucht und wollte wissen, wie ihr die Ausbildung zur Elektronikerin gefällt.

Die permanente Abwechslung und das gute Arbeitsklima motivieren mich sehr!

„Die Ausbildung gefällt mir richtig gut!“, schwärmt Clarissa Hofmann (20) aus Eggstedt. „Ich bin mir sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Nach dem Mittleren Schulabschluss am BBZ Heide hatte ich einige Praktika absolviert und verschiedene Berufe ausprobiert, doch nichts fand ich wirklich spannend. Den entscheidenden Tipp gab mir ein Freund, als ich ihm bei der Reparatur seiner ‚Schwalbe‘ behilflich war. ‚Versuche es doch mal im Elektrohandwerk!‘, meinte er. Also bewarb ich mich bei der Firma Klaas im benachbarten Albersdorf und erhielt nach einem zweiwöchigen Praktikum eine Zusage für einen Ausbildungsplatz. Das Besondere an meinem Betrieb ist die familiäre Atmosphäre. Wir verstehen uns alle gut und arbeiten in einem funktionierenden Team. Auch als Frau unter vielen Männern fühle ich mich zu hundertprozentig respektiert. Manchmal ist der Ton im Handwerk etwas rauer, aber ich kann gut dagegenhalten. Nicht jede Frau ist dafür gemacht, aber zu mir passt es. Ich war schon immer neugierig und praktisch orientiert. Als angehende Elektronikerin komme ich deshalb bei der Firma Klaas voll auf meine Kosten. Die Berufsschulzeit ist sehr lernintensiv, vor allem im Fach Mathe! Doch die permanente Abwechslung und das gute Arbeitsklima motivieren mich sehr. Jetzt komme ich ins vierte und letzte Ausbildungsjahr, werde im Januar meine Gesellenprüfung ablegen und hoffe, anschließend übernommen zu werden!“

 

Elektro-Klaas

Bildet seit 25 Jahren im Elektrohandwerk aus: Albert Klaas, Firmenchef und Lehrlingswart der Elektro-Innung Dithmarschen.

Firmenchef Albert Klaas ist mit Clarissas Ausbildungsstand zufrieden und räumt ihr gute Chancen für eine Übernahme ein. „Seit der Firmengründung im Jahr 1994 haben wir viele Lehrlinge erfolgreich ausgebildet, davon insgesamt drei weibliche Azubis“, berichtet der Elektromeister und staatlich geprüfte Techniker für Industrieelektronik. „In der Ausbildung erhalten unsere Auszubildenden ein breitgefächertes fachliches Grundgerüst. Anschließend können sie sich spezialisieren, beispielsweise im Bereich Photovoltaik oder im Kundendienst, dort gutes Geld verdienen und sich weiterbilden. Voraussetzungen für den Einstieg ins E-Handwerk sind aus meiner Sicht der Mittlere Schulabschluss, Lernbereitschaft sowie das Interesse an Elektrotechnik. Aus meiner langjährigen Erfahrung mit Auszubildenden weiß ich, dass manche Schülerinnen und Schüler falsche Vorstellungen von unserem Beruf haben. Ich empfehle daher, vor der Ausbildung in einem Praktikum den Beruf kennenzulernen. Vom ersten Tag an begleiten interessierte Schülerinnen und Schüler die Gesellen zu unseren Kunden und stellen dort fest, ob ihnen die Arbeit Spaß macht. Auch wir können erkennen, ob genügend Potenzial und Motivation für den Beruf vorhanden ist. Der beste Weg ins Handwerk, ist also sich praktisch einzubringen und mit anzupacken. Deshalb heißt es ‚Praktikum‘ und nicht ‚Theoretikum‘. Wer in der Praxis überzeugt, dem steht eine spannende Ausbildungszeit bei uns bevor!“

TEXT Christian Dorbandt
FOTO Michael Ruff