Get the Look – Damian Kotwinski

Get the Look – Damian Kotwinski

Friseurmeister Damian Kotwinski betreibt seit 2019 seinen eigenen Friseursalon in Eckernförde. Mit LOOK by Damian ist eines seiner Ziele Wirklichkeit geworden. Nach diversen Ausbildungsstationen und beruflichen Erfahrungen im In- und Ausland kann er hier als Meister der Schnitte & Farben inklusive einer zufriedenen Stammkundschaft seinen Traum leben.

Wie kam es zu dem Wunsch, Friseur zu werden?

Mich haben Haare, ihre Struktur und die Frisur als Ausdruck von Mode generell schon immer fasziniert. Die Veränderung, die ein Haarschnitt bewirken kann, hat mich total begeistert. Ich habe bereits als Schüler meinen Klassenkameraden die Haare geschnitten und nach der Schulzeit direkt meine Ausbildung hier in Eckernförde begonnen.

Gab es Personen, Vorbilder oder Momente in Ihrem Leben, die wichtig für Ihren Entscheidungsprozess waren?

Die Entscheidung stand ja fest. Für mich war es aber immer wichtig, durch eine berufliche Fortbildung in anderen Ländern und Städten mein Können zu perfektionieren und den Trends anzupassen. Stationen wie Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Berlin oder Italien sind nur einige Beispiele meiner Vita. Eins war mir immer klar: Stehen zu bleiben und nach 15 Jahren immer noch den Standardschnitt anzubieten, ist nicht mein Stil. Es gibt so viele Schnitttechniken, so viele spannende neue Entwicklungen und Neuerungen im Bereich Farbe und Styling, da wäre es doch schade und langweilig, nichts damit zu machen. 

Woher die anhaltende Begeisterung?

Ein Haarschnitt ist etwas sehr Persönliches. Das ist jedes Mal wieder spannend und abwechslungsreich. Die Kunden vertrauen sich uns an, und der Kopf ist schließlich unser wichtigstes, sichtbares Körperteil. In diesem Beruf muss man mit dem ganzem Herzen dabei sein. Jeden Tag warten neue Herausforderungen, und wir wollen nicht nur Haare schneiden, sondern auch unsere Kunden glücklich machen. Wenn man so will, sind wir so etwas wie Schönheitschirurgen für die Haare. Den Auftrag nehmen wir sehr ernst und gehen damit verantwortungsvoll um. Das tägliche positive Feedback der Kunden ist die beste Bestätigung unserer Arbeit. Wir haben viele Stammkunden, mit denen wir sehr viele persönliche Momente erlebt haben. Viele kommen regelmäßig in unseren Salon, und man lernt sich über die Jahre kennen, wächst zusammen und kreiert über die Zeit schöne optische Darstellungen.

Gibt es ein Geheimrezept für den perfekten Look?

Mit einem Kamm geführten Haarschnitt kann ich als Friseur die Persönlichkeit des Menschen unterstreichen. Durch die Kammführung und die Schere können wir den Haarschnitt perfekt der Kopfform anpassen, weil zum Beispiel die Übergänge deutlich weicher ausfallen. Auch beim naturgemäßen Nachwachsen der Haare bleibt der Schnitt längerfristig schön. Kunden geben uns oft das Feedback, dass unsere Haarschnitte länger halten, als sie es bei anderen Friseuren gewohnt waren. Das liegt an speziellen Methoden wie Slicen, Pointen und Incuts, die wir beherrschen und anwenden. Mithilfe bestimmter Winkel und Handausführungen schaffen wir fließende Übergänge, die den Haaren länger Halt geben, als es mit herkömmlichen Schnitttechniken möglich ist.

Lehnen Sie auch schon mal Kundenwünsche ab?

Ab und zu passiert das. Mir fällt auf, dass sich viele Kunden an Bildern im Internet oder Zeitschriften orientieren und wir immer mal wieder darauf hinweisen müssen, dass die Frisur aufgrund der Haarstruktur und der Gesichtsform ganz anders aussehen wird, daher entwickeln wir im Beratungsgespräch meist mit den Kunden eine Vision und holen so das Beste und Machbare für sie  heraus. Besonders umsichtig sind wir, wenn jemand beispielsweise nach einer Trennung mit dem Wunsch nach einer kompletten Typveränderung kommt. Hier gilt es, mit viel Fingerspitzengefühl den Kunden zu beraten und als Seelen-Versteher zu agieren, denn der Schmerz vergeht manchmal schneller als ein nicht typgerechter Haarschnitt.

Haben Sie einen Haarschnitt, den Sie besonders gerne schneiden?

Mit einer gewissen Berufserfahrung sollte man in allen verschiedenen Bereichen qualifiziert sein. Trotzdem hat natürlich jeder seine speziellen Talente. Wir haben hier einen Mitarbeiter, der Profi im Bereich Hochsteckfrisuren ist, oder ein anderer ist besonders innovativ und versiert im Bereich Strähnchentechnik, die wir hier ganz speziell im Salon praktizieren.

Sie arbeiten mit den Farben von Kevin Murphy: Die Marke pflegt das Haar ohne Sulfate und Parabene von der Wurzel bis zu den Spitzen, ohne es zu beschweren. Verpackungen sind recycelt und biologisch abbaubar. Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Salon?

Eine sehr große. Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend. Auf Farb- und Pflegeseite arbeiten wir mit Kevin Murphy, das sind Naturprodukte, die sehr nachhaltig aus 100 % recyceltem Kunststoff aus dem Ozean und komplett frei von Tierversuchen hergestellt sind. Unsere langlebigere Schnitttechnik ist ebenfalls als nachhaltig zu bezeichnen. Bei der Einrichtung meines  Salons habe ich in diesem Zusammenhang sehr viel Wert auf die Verarbeitung nachhaltiger Materialien und Stoffe gelegt. Das gibt ein gutes Gefühl und prägt die Atmosphäre des Salons. Auch privat bemühe ich mich um einen nachhaltigen Lebensstil, kaufe Bioprodukte mit Körben, statt mit Plastiktüten, ein und versuche überhaupt wenig Müll zu produzieren.

2019 haben Sie sich mit Ihrem eigenen Salon LOOK by Damian in Eckernförde selbständig gemacht. Welche Möglichkeiten bietet der eigene Salon?

Der eigene Salon war eines meiner großen Ziele, aber ich habe noch ein paar Ideen, die den LOOK by Damian erweitern werden. Was und wie, möchte ich aber noch nicht verraten. Auch wenn ich zuvor bereits sehr eigenverantwortlich gearbeitet habe, genieße ich es mit LOOK by Damian meine Vision zu leben eine authentische zufriedene Beratung. Der Salon ist Ausdruck meiner Persönlichkeit mit einem geradlinigen, stylischen, modernen und trotzdem gemütlichen Design.

Look Salon

Welche Möglichkeiten bietet dieser Beruf jungen Menschen, die sich für Haare, Looks und Frisuren interessieren?

Der Beruf des Friseurs bringt sehr viele Möglichkeiten mit sich: Man kann nach der Ausbildung überlegen, ob man sich spezialisieren möchte: auf Techniken, Farben, Strähnen, individuelle Haarschnitte, oder es gibt die Möglichkeit, nach der Ausbildung seinen Meister zu machen, sich als Trainer zu spezialisieren oder als Ausbilder Lehrlinge zu begleiten. Man kann sich auch selbständig machen oder eine Ausbildung als Maskenbildner für das Theater absolvieren. Oder auf einem Kreuzschiff arbeiten … generell  im Ausland … alles ist möglich wenn du gut bist. Der Beruf bietet so viele Möglichkeiten, und das ist das Schöne und Interessante an diesem Beruf.

Trotz der Auslandserfahrungen, warum dann wieder Eckernförde?

Die Stadt ist seit 20 Jahren meine Heimat, meine Familie lebt hier, und ich habe gemerkt, dass ich das Leben hier vermissen würde. Wenn ich aus Kiel kommend in Eckernförde reinfahre, geht mir immer wieder das Herz auf. Die Community ist privat und beruflich eng, und wir leben ein Miteinander und nicht ein Gegeneinander.

Typische Frauenfrage zum Schluss 🙂 Auf welche Haartrends dürfen wir uns in Zukunft freuen? Farben, kurz, lang, Perücken…?

Momentan geht der Trend verstärkt zum blondierten, nordischen Haartyp. Von den Schnitten her ist es durchmischt. Im Trend ist zum Beispiel nach wie vor der Bob, nur etwas länger und weicher. 

Mujtaba hat mit 17 ganz allein seine Heimat Afghanistan verlassen. Er ist mittlerweile in Eckernförde zuhause und liebt seinen Beruf im Friseursalon LOOK by Damian. Er hat uns seine spannende Geschichte erzählt, die ein Beispiel für Loslassen und Ankommen ist.

Mujtaba, wie sind Sie zum Haareschneiden gekommen?

Das fing mit 13 Jahren im Friseursalon meines Vaters in Kabul in Afghanistan an. Nach der Schule sah mein Vater es gerne, wenn ich im Laden vorbei kam und dort Aufgaben machte und aushalf, anstatt irgendwo rumzuhängen. Irgendwann wollte ich mir ein eigenes Taschengeld verdienen und kam auf die Idee, meinen Freunden die Haare zu schneiden. Dadurch, dass ja sowieso alle eine kurzrasierte Frisur haben mussten, konnte ich üben, ohne viel falsch zu machen. Natürlich alles unter Anleitung meines Vaters. Nach einiger Zeit bekam ich Geld und habe mir voller Stolz mein erstes eigenes Handy gekauft – ein Sony Ericsson.  

Gab es da schon die Idee, das beruflich zu machen?

Nein gar nicht, es war eher wie ein Hobby. Papa war zufrieden und ich auch. Beruflich wollte ich Arzt oder Ingenieur werden oder etwas im Import-Export-Bereich machen. Warum ausgerechnet Import-Export, weiß ich nicht, aber das Business hat mich immer gereizt und wer weiß, vielleicht mache ich das ja auch irgendwann.

Und wie sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich bin ganz alleine mit 17 Jahren nach Deutschland gekommen. Meine Entscheidung, die Heimat und die Familie zu verlassen, habe ich mir nicht leicht gemacht. Aber es war notwendig. In Kabul war ich auf einer teuren Privatschule und wollte dort meinen Abschluss machen. Aufgrund der immer schwieriger werdenden und gefährlicheren Bedingungen wuchs in mir die Idee, mein Land zu verlassen, die Eltern zu entlasten und in Freiheit zu leben. Mein Ziel in Europa war Schweden.

Ein mutiger Schritt ganz allein. Was haben denn Ihre Eltern gesagt?

Sie fanden die Idee nicht gut, aber ich war entschlossen. Nach einer Flucht-Odyssee, über die Türkei und dann zu Fuß, per Auto, per Boot, bin ich schließlich in Rendsburg gelandet. Ich wusste vorher gar nicht, wo das liegt und wollte weiter. Durch eine Hilfsorganisation kam ich nach Eckernförde und wurde unter die Betreuung des Jugendamtes gestellt. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Sprache lernen und Schulabschluss. Dabei kam mir die gute private Ausbildung aus Kabul zugute. Während der Schule habe ich dann ein Praktikum in einem Friseurladen hier vor Ort gemacht. Ich wollte aber etwas anderes. Über einen kleinen Umweg im Bereich Technik bin ich dann letztendlich doch in der Friseurausbildung gelandet.

Ist die Arbeit hier als Friseur mit der Arbeit in Kabul vergleichbar?

Nein, in Kabul ging es überall schlimmer wie auf einem Hauptbahnhof zu. Alles geht dort schnell, schnell und zwischendurch noch Haareschneiden. Hier ist alles viel entspannter und bietet eine ganz andere Lebensqualität – für uns und auch für die Kunden. Die Arbeit macht zufrieden und glücklich. Das ist jeden Tag ein Grund aufzustehen, mehr brauche ich nicht!

Sind Sie irgendwann in der Ausbildung an Ihre Grenzen gestoßen?

Ja, besonders am Anfang, wenn viel los war und man zwölf Stunden auf den Beinen war und manchmal auch keine Zeit zum Essen blieb. Natürlich gab es auch sprachlich für mich noch Probleme, und das macht zusätzlich müde, weil man mit permanentem Übersetzen im Kopf beschäftigt ist. Jetzt hat sich aber alles eingespielt, und ich konnte sogar als Einziger meines Jahrganges die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. Das bedeutete natürlich trotzdem, den Stoff der Schule abends noch alleine nacharbeiten zu müssen. Aber es hat sich gelohnt.

Haben Sie ihren Vater seitdem gesehen oder ihm sogar die Haare geschnitten?

Leider nicht. Ich habe ihm ein paar Videos zugeschickt, aber meine neue Welt kennt er noch nicht. 

Vielen Dank für die spannenden Einblicke in deinen bewegten Lebensweg und viel Erfolg bei all deinen Plänen und Träumen für die Zukunft.

 

TEXT Sophie Blady
FOTOS Anna Leste-Matzen