Finissage in Bückeburg: Ausstellung über Ida von Kortzfleisch feierlich verabschiedet

Finissage in Bückeburg: Ausstellung über Ida von Kortzfleisch feierlich verabschiedet

Im Niedersächsischen Landesarchiv, Abteilung Bückeburg, war vom 27. März 2025 bis zum 29. Januar 2026 die Ausstellung „Frauenbild und Frauenbildung“ zu sehen. Sie widmete sich den landwirtschaftlichen Frauenschulen des Reifensteiner Verbandes (1897–1997), einem der bedeutendsten Schulträger für Frauenbildungsstätten in Deutschland.

Gegründet wurde der Verband von Ida von Kortzfleisch (1865–1915). Die Reformpädagogin entstammte der Familie von Kortzfleisch und gehörte derselben Generation an wie der Großvater des heutigen Geschäftsführers der ME2BE MEDIEN GmbH, Axel von Kortzfleisch. Aus dieser familiären Verbindung heraus engagiert sich ME2BE für die wissenschaftliche und publizistische Aufarbeitung ihres Wirkens.

Die zentrale, für ihre Zeit durchaus unkonventionelle Idee ihres reformpädagogischen Projekts lautete:

„Die Berufsarbeit soll auch bei den Frauen der große Anziehungspunkt des Lebens sein.“

Im Laufe des nahezu hundertjährigen Bestehens gehörten 15 Einrichtungen zum Schulverband, weitere 37 waren kooperativ angeschlossen.

Zu den prominenten Schülerinnen zählten unter anderem Käte Delius, spätere Direktorin der Bundesanstalt für Hauswirtschaft, Freya von Moltke, Juristin und Widerstandskämpferin, Witwe von Helmuth James Graf von Moltke, sowie Verena Wagner, Enkelin des Komponisten Richard Wagner.

Um Person und Werk dieser Pionierin der weiblichen Berufsbildung angemessen zu dokumentieren und historisch einzuordnen, haben das Niedersächsische Landesarchiv und ME2BE eine Zusammenarbeit für ein gemeinsames Buchprojekt vereinbart.

ME2BE-Geschäftsführer Axel von Kortzfleisch, Vorfahre von Ida von Kortzfleisch, mit Barbara Otte-Kinast, Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags
ME2BE-Geschäftsführer Axel von Kortzfleisch, Nachfahre von Ida von Kortzfleisch, mit Barbara Otte-Kinast, Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags

Zum Abschluss der Ausstellung fand am 29. Januar eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Was hat Hauswirtschaft mit Frauenemanzipation zu tun?“ statt. Die Teilnehmerinnen sprachen nicht nur über prägende Schulerfahrungen, sondern diskutierten auch die Aktualität von Hauswirtschaft und Care-Arbeit.

Der folgende Bericht des Abteilungsleiters Dr. Stefan Brüdermann zur Finissage erschien am 10. Februar 2026 in der Schaumburger Zeitung unter dem Titel „Frauenbildung als Wegbegleiter“.

TEXT Erhard Mich
FOTO ME2BE MEDIEN

„Wir Frauen müssen diese Versuche fortsetzen …“  (Ida von Kortzfleisch)

Die Ausstellung „Frauenbild & Frauenbildung. Die landwirtschaftlichen Frauenschulen des Reifensteiner Verbandes“ im Niedersächsischen Landesarchiv in Bückeburg ist mit einer Finissage zu Ende gegangen. Die Ausstellung schauten sich im vergangenen Jahr über tausend Besucherinnen und Besucher an, zum Teil bei insgesamt 18 Führungen der Ausstellungskuratorin Malwine Kolary, stellvertretende Leiterin des Archivs.

Zum Einstieg der Finissage wurde ein 20-minütiger Dokumentationsfilm aus den 1930er Jahren über das Leben, Lernen und Arbeiten an der Frauenschule Reifenstein gezeigt
Zum Einstieg der Finissage wurde ein 20-minütiger Dokumentationsfilm aus den 1930er Jahren über das Leben, Lernen und Arbeiten an der Frauenschule Reifenstein gezeigt

Der Abend, zu dem sich trotz des widrigen Wetters viele Besucherinnen einfanden, begann mit einem etwa 20-minütigen Dokumentationsfilm aus den 1930er Jahren über das Leben, Lernen und Arbeiten an der Frauenschule Reifenstein. Im Anschluss konnten die Gäste sich bei einem Getränk die Ausstellung noch einmal ansehen und auf die anschließende Podiumsdiskussion einstimmen.

Ein letztes Mal konnten die Besucherinnen und Besucher am 29. Januar die Ida von Kortzfleisch Ausstellung in Bückeburg besuchen
Ein letztes Mal konnten die Besucherinnen und Besucher am 29. Januar die Ida von Kortzfleisch Ausstellung in Bückeburg besuchen

Höhepunkt des Abends war das Gespräch zum Thema: „Was hat ländliche Hauswirtschaft mit Frauenemanzipation zu tun? Die Maidenjahre an den Reifensteiner Frauenschulen.“ Begrüßt wurden die Gäste von Dr. Sabine Graf, Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs. Sie dankte allen an der Veranstaltung Beteiligten und hob die Bedeutung des Archivbestands der Reifensteiner Schulen für das Landesarchiv hervor. Frau Barbara Otte-Kinast, Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtags, schilderte in ihrem Grußwort mitreißend die Bedeutung ihres Ausbildungsjahres an der Frauenschule Wöltingerode für ihren weiteren beruflichen Weg bis zur Berufung als Landwirtschaftsministerin und ermutigte Frauen damit, eigenständig ihren Weg zu suchen.

Dr. Sabine Graf, Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs (li.), mit Mechthild Schramme-Haack, Vorsitzende des Kuratoriums Landesfrauenrat Niedersachsen e.V.
Dr. Sabine Graf, Präsidentin des Niedersächsischen Landesarchivs (li.), mit Prof. Dr. Leicht-Eckardt von der Hochschule Osnabrück

Moderiert von Constantin Soschynski, Doktorand an der Universität Marburg, diskutierten dann auf dem Podium miteinander Frau Dr. Kerstin Wolff, Leiterin der Forschungsabteilung des Archivs der deutschen Frauenbewegung in Kassel, Frau Mechthild Schramme-Haack, Vorsitzende des Kuratoriums Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. und der Initiative FrauenORTE Niedersachsen, und Ina Farwick, ehemalige langjährige Vorsitzende des Reifensteiner Verbandes e.V.

Bei der Podiumsdiskussion sprachen Ina Farwick (li.), Dr. Kerstin Wolff (re.) und Mechthild Schramme-Haack (nicht im Bild) über die Bedeutunfg der Frauenschulen
Bei der Podiumsdiskussion sprachen Ina Farwick (li.), Dr. Kerstin Wolff (re.) und Mechthild Schramme-Haack (nicht im Bild) über die Bedeutunfg der Frauenschulen

Sie knüpften in ihren Beiträgen an Erinnerungen aus der Schulzeit an den Frauenschulen an und wiesen auf die Bedeutung der erlernten Fertigkeiten an diesen Schulen hin. Das Gespräch entwickelte sich in Reflexionen über den geschichtlichen Kontext hinaus hin zu gegenwärtigen Fragestellungen: Die Frauenschulen des Reifensteiner Verbandes hatten gerade in der Anfangszeit innerhalb einer sonst nicht berufsbezogenen Frauenbildung eine Sonderstellung, sie waren damit Wegbereiter der späteren Emanzipation. Aber noch heute tragen fast ausschließlich Frauen die Aufgaben der Fürsorge-(„Care“-)arbeit. Daher wurde die Aufwertung und die Gleichstellung in der Hauswirtschaft gefordert. In ihrem Schlusswort untermauerte Prof. em. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt, Hochschule Osnabrück, die Forderung der Gesprächsteilnehmerinnen nach einer Stärkung des Faches Hauswirtschaft an den Schulen.

TEXT Dr. Brüdermann, Abteilungsleiter des Niedersächischen Landesarchivs, Abteilung Bückeburg
FOTO ME2BE MEDIEN