Elmshorn, 24. Februar 2026. 81 junge Talente präsentierten vergangenen Freitag an der NORDAKADEMIE ihre innovativen Projekte. Die Regionen Elmshorn und Kiel dominierten das Siegerfeld, doch auch starke Ideen aus Uetersen, Büsum und dem Umland überzeugten. Ein besonderes Highlight: ein Doppel-Gold-Sieg und ungewöhnlich viel Musik in der Wissenschaft.
Das Audimax der NORDAKADEMIE war in diesem Jahr noch besser gefüllt als bei den vergangenen Wettbewerben. Das große öffentliche Interesse spiegelte die Begeisterung wider, mit der 81 Nachwuchsforschende ihre insgesamt 40 Projekte beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ und „Jugend forscht junior“ vorstellten. Unter dem Motto „Maximale Perspektive“ herrschte eine Atmosphäre, die von starkem Zusammenhalt unter den Teilnehmenden und echter Innovationsfreude geprägt war. Auffällig in diesem Jahr: Ein Großteil der Erstplatzierten, die sich für den Landeswettbewerb qualifizierten, stammt direkt aus Elmshorn und Kiel. Die beiden Städte erwiesen sich als echte Kaderschmieden für den MINT‑Nachwuchs.

12-jährige holt mit Schleimpilzen Doppelsieg in Biologie und Mathematik
Eine herausragende Leistung zeigte die zwölfjährige Theresa Lopacinski von der Elsa-Brändström-Schule in Elmshorn. Sie sicherte sich sensationelles Doppel-Gold in der Sparte „Jugend forscht junior“. Sowohl in Biologie als auch in Mathematik/Informatik belegte sie mit ihren Forschungen an Schleimpilzen den ersten Platz. Sie bewies unter anderem, dass die einzelligen Organismen hochkomplexe mathematische „Steinerbaum-Probleme“ bei der Suche nach dem kürzesten Weg zur Nahrung intuitiv lösen können.

2026 war beim Regionalwettbewerb „viel Musik drin“
In diesem Jahr gab im wahrsten Sinne des Wortes die Musik den Ton in der Wissenschaft an. Gleich zwei Siegerprojekte befassten sich mit Akustik: Theresa Lopacinski testete die Audiotaxis (das „Gehör“) ihrer Schleimpilze und untersuchte, ob sie sich bei bestimmten Musikrichtungen besser ausbreiten. Der 16‑jährige Paul Brock (Schülerforschungszentrum Kieler Forschungswerkstatt) beschallte Pflanzen. Er fand heraus, dass sich die winzigen Spaltöffnungen (Stomata) auf den Blättern durch Schallwellen steuern lassen – ein innovativer Ansatz, der die Landwirtschaft der Zukunft durch gezieltere Düngung und geringeren Wasserverlust verändern könnte.
Starke Leistung aus der gesamten Region
Nicht jeder kann gewinnen, aber auch bei den Zweitplatzierten zeigte sich das große Potenzial der gesamten Region. Mit hochgradig relevanten Projekten sicherten sich viele Gruppen einen starken zweiten Platz oder die begehrten Sonderpreise:
- Uetersen: Verhaltensforschung – Tobias Marotzki (14) und Mira Abou Lebde (15) vom Ludwig-Meyn-Gymnasium gingen der Frage nach: „Sind Jungs wirklich egoistischer als Mädchen?“. Mit einem selbst entwickelten Fragebogen testeten sie geschlechtsspezifische Unterschiede in einer moralischen Stresssituation und sicherten sich den 2. Preis in Biologie.
- Büsum: Kraftstoff aus Kunststoff – Für ihren Lösungsansatz, Plastikabfälle durch thermochemische Vergasung in grünen Wasserstoff und Synthesegas umzuwandeln, erhielten Timo Iozzinetti (15), Jonas Maximilian Fischer (16) und Noah Jakob Angerstein (16) von der Schule am Meer in Büsum den Sonderpreis Umwelttechnik.
- Elmshorn: Energie und grüne Städte – Jonas Barckmann (17, Elsa‑Brändström‑Schule) gewann mit seinem stromlosen, autonomen Bewässerungssystem für Fassadenbegrünungen den Sonderpreis „Mit Sicherheit die Zukunft gestalten“. Jannis Pöhls, Kian Landmann und Hinnerk Stammerjohann (alle 18, Bismarckschule Elmshorn) wurden für ihre intelligente, spiegelgestützte und sich selbst ausrichtende Solaranlage mit dem Sonderpreis Energie ausgezeichnet.
- Kiel: Verpackungen aus Proteinen – Um den Erdölverbrauch zu senken, gewannen Jette Golz (17), Lena Dickmeis (17) und Lia Rohweder (18) aus Hohenwestedt, Kronshagen und Itzehoe aus organischen Stoffen nachhaltiges Verpackungsmaterial. Das brachte ihnen den Sonderpreis „Ressourceneffizienz und Zirkularität“ ein.
Großer Stolz bei Ehrengästen und Paten
Dass der Wettbewerb weit über die Schulgrenzen hinausstrahlt, bewies die hochkarätige Gästeliste:
- Elmshorns neuer Oberbürgermeister Erik Sachse (56), selbst 20 Jahre lang Schulleiter, zeigte sich beim Rundgang durch das Audimax tief beeindruckt: „Es macht mich stolz, so viele neugierige junge Menschen in ‚meiner‘ Stadt zu erleben. Es bestätigt mich darin, dass es richtig ist, dass Elmshorn zu einer Bildungsmetropole entwickelt wurde.“
- Für einen emotionalen Höhepunkt sorgte der Motivationspitch von Kai Hufenbach. Der 34-jährige Alumnus der NORDAKADEMIE und zweifache ehemalige Hamburger „Jugend forscht“-Landessieger holte die Teilnehmenden mit seiner sympathischen Art ab: „Allein schon die Teilnahme an Jugend forscht wird euch später Türen öffnen – nutzt dies bestmöglich aus!“
- Auch das Paten-Trio der Veranstalter zeigte sich hochzufrieden. Anke Vogler, Kanzlerin der NORDAKADEMIE, betonte: „Wir sind sehr stolz, jetzt schon zum 13. Mal Ausrichter des Regionalwettbewerbs zu sein und den Jungforscherinnen und Jungforschern somit eine Bühne geben zu können.“
- Richard Welge von den Stadtwerken Elmshorn gab den Talenten einen persönlichen Rat mit auf den Weg: „Liebe Jungforscherinnen und Jungforscher, denkt vor dem Schlafengehen nochmals an den Tag voller Stolz zurück, denn ihr habt etwas Großartiges geleistet.“
- Stefan Witt von der VR Bank in Holstein fasste den Geist der Veranstaltung treffend zusammen: „Ein Leitspruch unserer Bank ist ‚Morgen kann kommen‘. Genau daran muss ich jetzt denken, nachdem ich euch und eure Forschungsarbeiten kennengelernt habe.“
Die Gewinnerinnen und Gewinner der ersten Preise reisen Ende März zum Landeswettbewerb nach Kiel, wo es um das begehrte Ticket für das Bundesfinale in Herzogenaurach geht.

Kurzporträts der Veranstalter
NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft
Getreu ihrem Leitbild „Mit der Wirtschaft, für die Gesellschaft und mit den Studierenden im Mittelpunkt“ fokussiert sich die NORDAKADEMIE darauf, Persönlichkeiten zu entwickeln. Ziel der Hochschule ist es, junge Menschen zu einer aktiven Partizipation in Unternehmen und in der Gesellschaft zu befähigen, damit sie für sich selbst den „richtigen“ Weg finden.
Stadtwerke Elmshorn
„Aus Liebe zur Region“ ist für die Stadtwerke Elmshorn mehr als ein Slogan – es ist ein fest verwurzelter Leitgedanke. Ihr Engagement reicht weit über die reine Energieversorgung hinaus, denn die Region und ihre Menschen liegen ihnen am Herzen. Deshalb fördern sie nachhaltige Ideen ebenso aktiv wie soziale Initiativen, Bildung und das kulturelle Leben in der Stadt.
VR Bank in Holstein
Für die VR Bank in Holstein ist wirtschaftlicher Erfolg nur eine Seite der Medaille. Er geht Hand in Hand mit einem starken Engagement für die Region, in der die Genossenschaftsbank tief verwurzelt ist. Sie gestaltet ihr Umfeld aktiv mit und übernimmt vor Ort Verantwortung, damit alle gemeinsam zuversichtlich in die Zukunft blicken können.

Gewinner im Wettbewerb „Jugend forscht junior“
Alle Erstplatzierten nehmen am Landeswettbewerb teil.
- Preise
1) Asteroideneinschlag
Disziplin: Geo- und Raumwissenschaften
Teilnehmende:
Leo Dombrowski (11) aus Kölln-Reisik, Schule: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn;
Noah Böhm (10) aus Uetersen, Schule: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Erarbeitungsort: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Projektbeschreibung: Was passiert, wenn ein Asteroid mitten im Ozean auf die Erde stürzt? Inspiriert von Medienberichten über einen möglichen Einschlag im Jahr 2024 sind die Jungforscher Leo Dombrowski (11) und Noah Böhm (10) dieser Frage nachgegangen. In aufwendigen Experimenten simulierten sie Einschläge in Wasser, Sand und Kies aus verschiedenen Winkeln zwischen 50 und 90 Grad. Die Wucht ihrer Versuche war zeitweise so groß, dass mehrere Testboxen zerbrachen und durch stabilere Materialien ersetzt werden mussten. Die anderthalbjährige, präzise Forschungsarbeit zahlte sich aus: Die beiden zeigten, dass besonders flache Einschlagwinkel gigantische, tsunamiartige Wellen erzeugen. Auch die Form des Himmelskörpers erwies sich als entscheidend – ein massiver Granitquader verdrängte beim Aufprall deutlich mehr Wasser als eine Kugel. Ihr wissenschaftliches Fazit: Form und Einschlagwinkel bestimmen maßgeblich die Zerstörungskraft eines Asteroiden.
2) Entwicklung von Lösungen für Steinerbaum-Probleme durch biologische Einzeller
Disziplin: Mathematik/Informatik
Teilnehmende: Theresa Lopacinski (12) aus Brande-Hörnerkirchen, Schule: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Erarbeitungsort: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Projektbeschreibung: Mathematik trifft Biologie – und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Schleimpilz hochkomplexe Rechenaufgaben lösen kann? Theresa Lopacinski (12) widmet sich in ihrem Projekt den sogenannten Steinerbaum-Problemen. Dabei geht es um die Frage nach der absolut kürzesten Verbindung zwischen mehreren Punkten. Für einfache Konstellationen gibt es bereits Lösungswege; bei komplexeren Varianten scheitern Mathematiker jedoch oft. Theresas genialer Ansatz: Sie überlässt die Arbeit der Natur. Schleimpilze (biologische Einzeller) besitzen eine hoch entwickelte, evolutionäre Strategie, um auf dem denkbar kürzesten und effektivsten Weg zu ihrer Nahrung zu gelangen. Die Jungforscherin macht sich diese natürliche Intelligenz zunutze und wendet sie auf verschiedene, ungelöste Beispiele des Steinerbaum-Problems an.
Eine besondere Randnotiz: Theresa Lopacinski erzielte beim diesjährigen Regionalwettbewerb echtes Doppelgold! Sie trat nicht nur mit diesem Projekt an, sondern gewann auch in der Disziplin Biologie mit einem weiteren Schleimpilz-Forschungsprojekt den ersten Preis.
3) Untersuchungen zu Taxien von Schleimpilzen
Disziplin: Biologie
Teilnehmende: Theresa Lopacinski (12) aus Brande-Hörnerkirchen, Schule: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Erarbeitungsort: Elsa-Brändström-Schule, Elmshorn
Projektbeschreibung: Doppelsieg für eine faszinierende Leidenschaft: Theresa Lopacinski (12) räumt nicht nur in Mathematik ab, sondern belegt mit ihrem zweiten Projekt auch in Biologie den ersten Platz. Vor zwei Jahren wurde die Jungforscherin durch eine Arte-Dokumentation inspiriert und beschäftigt sich seitdem mit den erstaunlichen Fähigkeiten von Schleimpilzen. Obwohl diese Einzeller weder ein Gehirn noch klassische Sinnesorgane haben, reagieren sie auf Umweltreize. Nachdem Theresa im letzten Jahr bei “Jugend forscht junior” bereits die Reaktion der Organismen auf Lichtfarben nachgewiesen hat, testet sie nun ihr „Gehör“ (die sogenannte Audiotaxis). In absolut dunklen Boxen beschallt sie die Pilze mit verschiedenen Liedern und Musikrichtungen, um zu prüfen, ob bestimmte Klänge das Ausbreitungsverhalten begünstigen. Für ihre Arbeit tauschte sie sich sogar mit einer der weltweit besten Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet aus. Dass echte Forschung auch abenteuerlich sein kann, zeigte ein früheres Experiment: Beim Versuch, eine Pipette mit einem Feuerzeug zu desinfizieren, stand beinahe die heimische Küche in Flammen.
Gewinner im Wettbewerb „Jugend forscht“
Alle Erstplatzierten nehmen am Landeswettbewerb teil.
- Preise
1) Kunststoff aus Sekundenkleber – Modifizierte Polymerisation von Ethylcyanacrylat
Disziplin: Chemie
Teilnehmende:
Vincent Habetha (16) aus Kiel (Russee), Schule: Max-Planck-Schule Kiel, Kiel;
Liam Simmons (16) aus Kiel, Schule: Max-Planck-Schule Kiel, Kiel
Erarbeitungsort: Schülerforschungszentrum Kieler Forschungswerkstatt, Kiel
Projektbeschreibung: Sekundenkleber ist nicht nur zum Reparieren da – er könnte ein nachhaltiger Kunststoff der Zukunft sein. Vincent Habetha (16) und Liam Simmons (16) erforschen, wie sich aus Ethylcyanoacrylat (ECA), dem Hauptbestandteil handelsüblicher Sekundenkleber, ein vielseitig einsetzbarer Kunststoff gewinnen lässt. Dazu verändern sie gezielt die Reaktionsbedingungen der anionischen Polymerisation. Ihre Hypothese: Mit unterschiedlichen Lösungsmitteln lassen sich die Eigenschaften des entstehenden Materials gezielt anpassen und steuern. Besonders bemerkenswert an diesem Thermoplasten ist sein großes Potenzial für die Kreislaufwirtschaft: Er lässt sich durch Destillation in einem geschlossenen Kreislauf (Closed Loop) zu bis zu 93 Prozent recyceln. Aus ihren Ergebnissen leiten die beiden Jungforscher konkrete Anwendungsmöglichkeiten ab – etwa neuartige, wiederverwertbare Verpackungen.
2) Schallgesteuerte Stomata: Ein innovativer Ansatz für effizientere Landwirtschaft
Disziplin: Biologie
Teilnehmende: Paul Brock (16) aus Flemhude, Schule: Schülerforschungszentrum Kieler Forschungswerkstatt, Kiel
Erarbeitungsort: Schülerforschungszentrum Kieler Forschungswerkstatt, Kiel
Projektbeschreibung: Können Pflanzen „hören“? Paul Brock (16) geht dieser ungewöhnlichen Frage nach. Er untersucht, ob und wie Stomata – die winzigen Spaltöffnungen auf der Blattoberfläche – auf Schallwellen reagieren. Obwohl Pflanzen keine klassischen Sinnesorgane besitzen, nehmen sie Umweltreize wahr. Für sein Projekt beschallte der Jungforscher Gierschpflanzen und vermaß die Poren anschließend unter dem Mikroskop. Seine Ergebnisse könnten die Landwirtschaft der Zukunft prägen: Schließen sich die Poren durch gezielte Beschallung, verliert die Pflanze weniger Wasser – ein entscheidender Überlebensvorteil in Dürrezeiten. Öffnen sie sich hingegen, ließen sich Düngemittel über die Blätter wesentlich effizienter und sparsamer einsetzen.
TEXT NORDAKADEMIE Elmshorn
FOTO NORDAKADEMIE | Claudia Timmann

