Die Raubdruckerin

Die Raubdruckerin

Die Arbeiten von „raubdruckerin“ stehen für Schönheit und Kunst im Alltag, gegen Massenproduktion und für ein sensibleres Verhältnis zur Umwelt. Das Team um Gründerin Emma-France Raff bedruckt Textilien mit Strukturen, die sie in den Städten finden.

Gullideckel, Straßenbahnschienen, Fliesen oder was die Stadt an Objekten, Formen und Strukturen zu bieten hat: Auf den Shirts, Pullis und Taschen des Berliner Unternehmens „raubdruckerin“ können die unterschiedlichsten Motive landen. Angefangen hat alles vor einigen Jahren. Textildesignerin Emma-France Raff entwickelte das Konzept für „raubdruckerin“ mit ihrem Vater Johannes Kohlrusch in dessen Atelier im portugiesischen Alentejo, damals noch unter anderem Namen. Die ersten Shirts verkaufte sie bereits im Jahr 2006.

Von Diplom-„raubdruckerinnen“ und Kreativpiloten

Die 1982 geborene Künstlerin ist in der Welt zuhause. Sie wuchs in Berlin und Portugal auf und lebte in Porto und Paris bevor sie 2009 nach Berlin zurückkehrte. Sie ist studierte Textildesignerin und arbeitet mit verschiedenen Firmen und Künstlern an kreativen Projekten. Im Jahr 2013 entschied sie sich, „raubdruckerin“ zu ihrem Hauptprojekt zu machen. Gemeinsam mit ihrem Team hat Emma-France im Jahr 2018 die Auszeichnung „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ gewonnen. Unter diesem Namen zeichnet das U-Institut für unternehmerisches Denken und Handeln in jedem Jahr 32 Unternehmen aus, die gesellschaftliches Engagement mit Einfallsreichtum verbinden. Das Institut wird dabei vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt.

Shirts, Pullover und Taschen werden so zu Unikaten.

Wenn Gullideckel Kunst werden

Das Konzept hinter „raubdruckerin“ ist eigentlich ganz einfach: Zunächst suchen sich die sogenannten Street-Printer einzigartige Strukturen. Das können Gullideckel sein, aber auch Straßenbahnschienen, Kacheln oder Ornamente, die sich in einer Stadt auf Gittern aller Art finden lassen. Die Objekte dienen als „Druckplatten“, werden dann gesäubert, mit spezieller Farbe versehen, und wenige Augenblicke später ziert das Motiv die (verschiedensten Gegenstände und Materialien. Shirts, Pullover und Taschen werden so zu Unikaten. Die Idee ist faszinierend: „raubdruckerin“ will zeigen, dass man nur die Augen offenhalten muss, um Schönheit zu entdecken. Wer genau hinsieht, wird die überraschendsten Objekte und Details in der eigenen Stadt entdecken! Bei der Suche nach den ‚verborgenen‘ Stadtkunstwerken kann man vieles lernen – über die Stadt, aber auch über sich selbst.

 

Für die Street-Printer kommen die außergewöhnlichsten Oberflächen als Druckplatten in Frage.

 

Doch das ist nicht alles. Da die Drucke per Hand gefertigt werden (nur eine Malerrolle, die Straße und los geht es!), setzt das Team auch ein Zeichen gegen die Massenproduktion. Ein bewusster und achtsamer Umgang mit der Umwelt bedeutet eben, sich um sie, aber auch für sie zu sorgen. Selbstverständlich, dass nach der Raubdruckerei alles gründlich gereinigt wird!
Für neugierige Entdecker „raubdruckerin“ wird übrigens bald ein Set zum Selberdrucken anbieten. Das DIY-„Sei ein raubdrucker“- Set wirst du über den Shop der Homepage erhalten können.
Für alle, die sofort Interesse an dem Projekt haben: „raubdruckerin“ bietet auch Workshops an, in denen das Projekt besprochen wird und die Teilnehmer/-innen dann im Handumdrehen selbst zu Street-Printern werden können. Wir finden das Projekt wirklich spannend! Und überhaupt: Ein wenig Achtsamkeit hat noch niemandem geschadet!

 

TEXT Jana Limbers
FOTOS Orpheas Tziagidis