Die coolsten Mopeds auf diesem Planeten

Die coolsten Mopeds auf diesem Planeten

Interview mit Niels-Peter Jensen, ehemaliger Mountainbike-Profi & Gründer von Liberta Motorcycles

Niels-Peter Jensen alias NPJ ist ein Tausendsassa. Als Mountainbike-Profi war er Vizeweltmeister, Europameister, japanischer Meister und mehrfacher King of Freeride. Er hat mit seinem Fahrrad einen Bungeesprung vom 136 Meter hohen Hamburger Fernsehturm gemacht und ist einen aktiven Vulkan auf Bali heruntergefahren. NPJ war Werbepartner für McDonalds, Red Bull, Swatch, Nutella und Suzuki, er hat eine Sendung auf MTV moderiert und sogar sein eigenes Sony-Playstation Computerspiel („No Fear Downhill Mountainbiking“) produziert. Heute ist NPJ der kreative Kopf der Hamburger Firma Liberta Motorcycles, die Mopeds im Look der 1960er Jahre baut.

Ein Mann mit Bart, Mütze und Jeanshemd sitzt vor einem Motorrad.

Niels-Peter Jensen

Niels, erinnerst du dich noch, wie du zum Radfahren gekommen bist?
Die Begeisterung für Fahrräder ist bei mir Anfang der 1980er Jahre aufgekommen, als ich „E.T.“ gesehen habe. In dem Film flieht eine Gruppe von Jugendlichen auf BMX-Rädern vor der Polizei und rettet so einen Außerirdischen. Mein Vater hat mir damals aus den Vereinigten Staaten ein Original E.T. BMX-Rad mitgebracht, das vorne sogar einen Korb hatte – genauso wie in dem Film. Ich bin von da an 19 Jahre lang jeden Tag Fahrrad gefahren. Erst BMX-Räder und später dann Mountainbikes.

Du hast in der Zeit an 600 Rennen teilgenommen und hast es ganze 487 Mal in die Top-3 geschafft. Wo stehen die ganzen Pokale?
Du wirst es nicht glauben, aber ich habe fast alle Pokale gegen einen riesigen antiken Gartentisch eingetauscht (lacht). Ich bewahre zu Hause nur noch die 30 wichtigsten Trophäen auf.

Du hast den Prototypen für Liberta selbst entworfen und zusammengebaut. Woher kommt deine Leidenschaft für das Schrauben?
Mein Vater ist als Kapitän zur See gefahren und war relativ selten zu Hause. Meine Mutter hat außerdem nachts als Krankenschwester gearbeitet. Ich habe deshalb schon früh im Haushalt mitgeholfen und Arbeiten am Haus erledigt. Wir hatten in unserer Garage eine Werkbank und dort habe ich zusammen mit Nachbarskindern allen möglichen Schnickschnack gebaut, ein Floß, ein U-Boot und irgendwann auch ein Skateboard.

Du wurdest früh zur Selbstständigkeit erzogen.
Ja, und irgendwie hat sich bei mir damals auch der komische Ehrgeiz entwickelt, dass ich besonders dann motiviert bin, wenn mir jemand sagt, dass etwas nicht machbar ist. Ich will dann alle Welt von dem Gegenteil überzeugen. Diese Eigenschaft hatte in vielen Situationen schon Vorteile, hat mir aber auch Probleme eingebrockt. Beim Mountainbiken wollte ich z.B. immer der Erste sein, der irgendwo rüberspringt. Das hat oft gut geklappt, bei einem World Cup in Österreich ging aber einiges schief. Es gab da einen schwer einschätzbaren Hügel und ein französischer Profi und ich haben uns vor den anderen Fahrern darum gebattelt, wer als Erster da herunterfährt. Am Schluss bin ich als Erster losgefahren, allerdings viel zu schnell. Bei der Landung habe ich mir das Handgelenk, die Schulter, die Hüfte und sieben Rippen gebrochen. Und ich lag drei Wochen lang i
m Koma. Danach ich habe ich den Profisport an den Nagel gehängt.Ein Motorradreifen lehnt an einem Holzbock.

Wie bist du darauf gekommen, Mopeds im 1960er Retrolook zu bauen?
Aus einer Laune heraus. Ich war mit Jared von der Bloodhound Gang und dem Schauspieler Oliver Korittke auf einer langweiligen Party in Berlin und da kamen wir auf den Gedanken, dass es doch toll wäre, gemeinsam eine Motorradtour von Hamburg nach Norwegen zu machen. Das Problem war aber, dass keiner von uns einen Motorradführerschein hat und auf eine Vespa wollten wir uns auch nicht setzen. Wir haben uns dann selbstständig Mopeds gebaut, die aussehen wie die Motorräder aus dem legendären Bikerfilm „Easy Rider“, die man aber mit einem normalen Autoführerschein fahren kann.

Aus dieser Idee ist dann Liberta entstanden.
Ja, mir ist irgendwann klar geworden, dass es ganz viele Leute gibt, die zwar keinen Motorradführerschein besitzen, aber trotzdem das Freiheitsgefühl wie auf einer echten Maschine erleben wollen. Die Freiheit, die man auf einem Motorrad erlebt, wenn man durch die Stadt oder über das Land cruist, ist einfach unbeschreiblich. Dazu passt auch unser Name. „Liberta“ ist das italienische Wort für „Freiheit“. Auf einer Liberta fühlt man sich wie auf einem richtigen Motorrad. Die Liberta hört sich an wie ein echtes Motorrad und ist für jeden zwischen 16 und 60 einfach zu lenken. Wir haben zwei Versionen im Angebot. Die kleinere Maschine hat 50 ccm Hubraum und kann mit jedem Autoführerschein gefahren werden, der vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurde. Die größere Maschine hat 125 ccm Hubraum. Dafür braucht man entweder einen Motorradführerschein der Klasse A1 oder einen Autoführerschein, der vor dem 1. April 1980 ausgestellt wurde.

Wo soll die Reise mit Liberta hingehen?
Ich will die coolsten Mopeds auf diesem Planeten bauen. Und ich stelle mir vor, dass Liberta irgendwann im selben Atemzug genannt wird wie Vespa und dass es in ein paar Jahren normal ist, wenn man eine Liberta auf der Straße sieht. Ich weiß noch, wie vor zehn Jahren alle geguckt haben, wenn ein Smart auf der Strasse gefahren ist und heute ist es völlig normal.

www.liberta-motorcycles.com
www.facebook.com/LibertaMotorcycles 

TEXT Slaven Marinovic
FOTO Niels-Peter Jensen