DESIGN TRÄGT EINE VERANTWORTUNG! Im Gespräch mit Jesta Brouns – Schulleiterin der Design Factory International

DESIGN TRÄGT EINE VERANTWORTUNG! Im Gespräch mit Jesta Brouns – Schulleiterin der Design Factory International

ME2BE-Redakteur Chris im Gespräch mit Jesta Brouns, Schulleiterin der Hamburger Design Factory International

Jesta Brouns ist Schulleiterin der Design Factory International (DFI) im Rainville-Campus in Hamburg-Altona. Zuvor führte sie unter anderem als Art Director das Mode-Magazin „Grazia“ für den Klambt-Style Verlag bei Gruner & Jahr auf dem deutschen Markt ein, verantwortete den Look der „Petra“ für den Jahreszeitenverlag, war für die Münchener Medienverlagsgesellschaft tätig sowie als Creative Director für die Berliner Agentur „Kircherburkhardt“. Begonnen hat ihre Karriere 1992 … als Studierende der neu gegründeten Design Factory International. Mit der Übernahme der DFI-Schulleitung von ihrem Vorgänger und Mentor Gerrit Ahnen im Jahre 2014 schloss sich für die Hamburgerin ein Kreis.

DFI

ME2BE: Hallo, Jesta. Danke für die Einladung. Wow! Euer Ausblick auf den Hamburger Hafen ist atemberaubend …!

Brouns: Absolut. Und er ist jeden Tag inspirierend. Der Hafen wirkt angenehm unaufgeregt, und das Sonnenlicht entwirft ständig neue Bilder.

Werden Schüler und Studierende heute nicht eher auf YouTube, Instagram und Pinterest inspiriert?

Überall dort, wo wir uns aufhalten, erfahren wir Inspiration. Das können soziale Netzwerke sein, aber auch kulturelle und natürliche Räume. Unser Rat an Studierende lautet: Kommt raus aus dem Keller, schaut euch um, geht auf Reisen, besucht Theater- und Ballettvorstellungen … und hört auf euer Bauchgefühl!

Wie bist du selbst zum Design gekommen? Worauf hast du dich spezalisiert?

Ich war 1992 eine der ersten Studierenden an der Design Factory. Damals hieß das Studium noch ‚Graphikdesign’. Ich erinnere mich noch daran, dass wir im dritten Semester mit den ersten Apple-Macs ausgestattet wurden – ein Startschuss in die Digitalisierung!
Was hat mich angetrieben? Mir ging es vor allem darum, mich auszudrücken. Zeichnen, Typografie, Konzeptionen – das Designstudium ist dafür ideal. Nach meinem Abschluss an der DFI wechselte ich zu K.N.S.K. BBDO und entwickelte dort Wahlkampagnen für die SPD zur Schröder-Wahl mit und arbeitete an Pitches u.a. für Volkswagen. Doch es fehlte irgendwie die Leidenschaft. Deshalb verließ ich die Branche nach kurzer Zeit und spezialisierte mich auf den Bereich Editorial Design. Viele Jahre konnte ich dann als Art Director im Jahreszeitenverlag den Look der Zeitschrift ‚Petra’ entwickeln. Diese Aufgabe hat mir großen Spaß gemacht! Mein beruflicher Weg führte mich anschließend auch nach München und Berlin, bis ich 2014 das Angebot erhielt, die Schulleitung der DFI zu übernehmen. Das konnte ich nicht ablehnen! Wichtig war mir immer, meinem Bauchgefühl zu folgen, um dort tätig zu sein, wo ich mich mit meinem Talent wohlfühle. Das ist mir, glaube ich, bisher ganz gut gelungen.

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Wir werfen heute einen Blick auf euren Studiengang ‚Kommunikationsdesign’ und sprechen mit Studierenden aus unterschiedlichen Semestern. Was zeichnet aus deiner Sicht die Design Factory aus?

Wir haben hier ein besonderes Miteinander kultiviert, legen Wert auf eine gewisse Lockerheit und möchten für Studierende, Eltern und Besucher nahbar sein. Im Gegensatz zu Kunsthochschulen, die hohe künstlerische Ansprüche stellen, möchten wir bei jedem Studierenden dessen individuelles Talent freilegen. Ein weiteres Merkmal der Design Factory ist, dass wir frühe Möglichkeiten der Spezialisierung bieten und ausgesprochen praxisbezogen arbeiten. Bereits während des dreijährigen Studiums besteht die Möglichkeit, Einblicke in Agenturen zu bekommen, dort als Werksstudent oder Praktikant mitzuarbeiten und Kontakte zu knüpfen. Am Ende der Studienzeit schauen wir uns die Portfolios jedes einzelnen Absolventen an und bieten intensive Unterstützung beim Übergang ins Berufsleben.

Viele Studierende der DFI haben sich nach dem Studium erfolgreich weiterentwickelt. Welche Personen fallen dir spontan ein?

Spontan fallen mir drei Beispiele ein: Erstens, die ‚Agentur Sherpa’, bestehend aus drei Designern, die sich heute erfolgreich auf dem Markt etabliert haben. Zweitens, Fred Falke, der unbedingt in Silicon Valley arbeiten wollte und dessen Abschlussarbeit im Game Design angesiedelt war. Anschließend absolvierte er an unserer Partnerhochschule in Hildesheim ein Masterstudium und schaffte tatsächlich den Sprung zu Google nach Kalifornien. Drittens, die ‚Adana Twins’, die uns bereits während des Studiums mit einer außergewöhnlichen Arbeit beeindruckten und heute gefeierte DJs sind.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Welche Aufgaben kommen auf Designer zu?

Schon jetzt werden technische Innovationen nicht nur von Ingenieuren hergestellt, sondern von Designern geplant. Design verändert die Welt und bedeutet nicht nur Gestaltung, sondern auch Beratung. Designern wird die große Aufgabe zufallen, den Menschen die digitale Welt näher zu bringen. Wir werden uns zukünftig mit der Frage beschäftigen: Wo bleibt der Mensch, wenn Computer mehr und mehr Aufgaben übernehmen? Es geht um unsere Kultur. Deshalb trägt Design eine Verantwortung!

Hat dich ein Designer besonders geprägt?

Es gibt jemanden, den ich seit langer Zeit beobachte, der sich immer wieder neu erfindet und dessen konsequenter Stil mich fasziniert, … das ist der Modedesigner Paul Smith.

 

TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Christian Brandes