Beim TSV Rot-Weiß Niebüll zählt die Mannschaft, denn Schwimmen ist nichts für Einzelkämpfer
Der TSV Niebüll ist ein Sportverein mit Tradition. Er kann auf sage und schreibe 125 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Heute zählt er mit über 2100 Sportlern mehr als jeden fünften Niebüller zu seinen Mitgliedern. In 22 Sparten, von Badminton bis Volleyball, wird hier Sport getrieben. Um ein hohes sportliches Niveau zu erreichen, muss man kämpfen und trainieren – aber das geht auch mit Spaß!
„Es ist manchmal schon schwierig, Schule und Sport zu koordinieren“, erzählt Sina Erichson. Sie trainiert vielmal pro Woche, da wird die Zeit schon mal knapp. Trotzdem muss es auch in der Schule gut laufen. Die Gymnasiastin geht in die 11. Klasse der Friedrich-Paulsen-Schule. „Das Schwimmen ist ein super Ausgleich. Und auch, wenn ich nach dem Training ganz schön kaputt bin, ist die Konzentration wieder voll da und ich kann meine Hausaufgaben erledigen und lernen.“
Dass Sina nach dem Training kaputt ist, kann man sich gut vorstellen, wenn man die Schwimmer des TSV Rot-Weiß Niebüll im Hallenbad besucht. Zwei Stunden lang brodelt das Wasser buchstäblich, ziehen pfeilschnelle Körper ihre Bahnen. Weiter und immer weiter. Scheinbar unermüdlich. Ab und an rufen Trainer vom Beckenrand aus die geschwommenen Zeiten zu. Für den Nichtwissenden sieht das ehrlich gesagt ein wenig langweilig aus: „Es sieht so aus, das gebe ich zu“, erklärt Birgitta Talis, „aber man kann sich wunderbar auspowern und ordentlich Dampf ablassen.“ Wie die meisten Helfer am Beckenrand ist auch sie durch ihre Kinder zum TSV gekommen. „Erst bringt man die Kinder zum Training, dann backt man Kuchen und verkauft ihn bei Wettkämpfen und irgendwann macht man den Kampfrichterschein und ist mittendrin.“ Und das ist auch gut so, denn ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre der Verein nicht das, was er ist und auch die Schwimmsparte könnte nicht diese Erfolge feiern. „Gerade waren Bezirksmeisterschaften“, berichtet Maurice Prochnow. Dort hat er ordentlich abgeräumt, ein paar erste Plätze belegt. Gerne schwimmt er auch im Freiwasser, so wie bei den Deutschen Meisterschaften, wo er auf der Fünfkilometerstrecke startete und sich unter die ersten zehn schwamm. Er besucht die 11. Klasse des Tønder Gymnasium, trainiert seit er sechs Jahre alt ist, inzwischen fünfmal in der Woche: „Ich bekomme das alles gut hin und wenn ich größere Projekte habe, zum Beispiel das ‚International Swim Meeting‘ in Berlin, nehme ich mir frei. An dänischen Schulen wird Sport sehr unterstützt und es gibt nie Probleme“, erklärt er.

Laura ist Sinas jüngere Schwester und mit 14 Jahren das Küken in der Runde: „Bei den Landesmeisterschaften im 200 und 400 Meter Kraulen bin ich Zweite geworden“, erinnert sie sich. „Ja, und du hältst den Kreisrekord – auch in der offenen Klasse“, erzählt ihre Schwester, schon ein bisschen stolz.
Stolz auf die Leistungen der jungen Schwimmer ist auch ihr Cheftrainer und Spartenleiter Ernst Hinrichsen: „In unserer Leistungsgruppe trainieren etwa 50 Schwimmer zwischen 10 bis 25 Jahren. Einer von ihnen sogar gerade im Olympiastützpunkt in Hamburg – ein potentielles Talent.“ Das Geheimnis seines Erfolges als Trainer verrät er mit einem Schmunzeln: „Ich kann selbst nicht besonders gut schwimmen. Deshalb fällt es mir leicht, meine Schwimmer zu loben – sie können es nämlich alle viel besser als ich!“ Er untertreibt ein wenig, denn als Trainer-B für Leistungssport und als Rettungsschwimmer wird er sich schon über Wasser halten können – vielleicht nicht ganz so elegant wie seine Schützlinge. Neben der Motivation und dem Lob sind es aber auch die individuell für jeden Schwimmer ausgearbeiteten Trainingspläne, die die Leistung steigern: „Sie orientieren sich vor allem an der Kondition. Herzfrequenzen werden während des Trainings regelmäßig kontrolliert und notiert“, erklärt Birgitta Talis. Der größte Garant für gute Leistung ist jedoch der Spaß, und den haben die Schwimmer vom TSV. Sina bringt es auf den Punkt: „Wir agieren als Mannschaft, verstehen uns alle super. Das ist es, was zählt!“
TEXT Claudia Kleimann-Balke
FOTOS Tim Riediger

