Fünf Azubis mit unterschiedlichen Lebenswegen, Interessen, Talenten und Erwartungen verfolgen ein Ziel: die Ausbildung im Verwaltungswesen. Tim (17), Michelle (22), Laura (25), Virginia (29) und Marie (34) berichten über ihre ersten Erfahrungen bei der Kreisverwaltung Dithmarschen. ME2BE wird sie auf ihrem dreijährigen Weg begleiten und traf sie zum Auftaktgespräch an Tag vier ihrer Ausbildung.
Frau von Würtzen-Pieper, Virginia, Tim
Warum haben Sie sich für eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter bei der Kreisverwaltung Dithmarschen entschieden?
Tim: Meine Mutter ist seit vielen Jahren bei der Kreisverwaltung in Dithmarschen tätig. Ihre Schilderungen aus dem beruflichen Alltag fand ich immer sehr interessant, da ich mir gut vorstellen kann, auch in einem Büro zu arbeiten. Zudem interessiere ich mich sehr für Gesetzestexte.
Michelle: Ich habe mich für die Ausbildung bei der Kreisverwaltung entschieden, da ich hier einerseits eigenverantwortlich arbeiten und andererseits den Bürgern bei ihren Anliegen helfen kann. Ein bisschen buchhalterische Erfahrung habe ich bereits in der Gastronomie sammeln können und gemerkt, dass mir Struktur und Ordnung Freude machen.
Laura: Ich mache eine Teilzeitausbildung und für mich als zweifache Mutter war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Kreisverwaltung ausschlaggebend. Zusätzlich reizt mich die Möglichkeit, in den verschiedenen Fachbereichen zu arbeiten.
Virginia: Es gibt wirklich ein großes Spektrum an Möglichkeiten. Die Einsatzgebiete sind vielfältiger als zum Beispiel bei einer Stadtverwaltung. Ich bin nach zwölf Jahren wieder nach Dithmarschen zurückgekehrt und möchte in meinem Heimatort mithelfen, etwas zu bewegen. Da ich alleinerziehende Mutter bin, mache ich ebenfalls eine Teilzeitausbildung. Für mich ist es wichtig, einen sicheren Arbeitsplatz mit festen Arbeitszeiten und Entwicklungschancen zu haben.
Marie: Mich hat ebenfalls die Vielseitigkeit gereizt. In der Ausbildung lernen wir die verschiedenen Bereiche von der Bußgeldstelle über das Veterinäramt bis hin zum Corona-Team. Später ist ein Wechsel möglich. Aspekte wie Gleitzeit, Teilzeitarbeit sind natürlich auch wichtig. Da ich ebenfalls aus Dithmarschen komme, ist die Chance im Kreis etwas aktiv mitgestalten zu können, sehr reizvoll.
Laura
Michelle
Mit dem Begriff Verwaltungsarbeit verbinden manche starre, intransparenten Strukturen. Hatten Sie auch zunächst Vorbehalte?
Marie: Nein, gar nicht. Ich finde es eher angenehm, wenn eine Arbeitsstruktur vorgegeben ist und man seine Aufgaben erledigen kann.
Michelle: Es gibt in jedem Beruf Klischees, und in unserem Fall kann ich sagen, dass man, je nach Fachbereich oder Aufgabe, einen Ermessensspielraum hat, was die Arbeit interessant macht. Also langweilig ist es hier nicht.
Tim: Das Vorurteil, diese Tätigkeit sei aufgrund mangelnder Bewegung nicht anstrengend, stimmt überhaupt nicht. Geistige Arbeit über Stunden ist mindestens genauso anstrengend wie körperliche Arbeit.
Virginia: Ein paar Sorgen, ob die Bürotätigkeit überhaupt etwas für mich ist, habe ich mir schon gemacht. Ich muss aber sagen, dass ich bereits jetzt bei meiner ersten Station, der Bußgeldstelle gemerkt habe, wie abwechslungsreich die einzelnen Fälle sind und wie spannend es ist, sich mit Hilfe der Gesetzestexte einzuarbeiten.
Laura: Vorbehalte ,jein’. Natürlich kenne ich die Vorurteile, aber wer sich vorher informiert, zum Beispiel auf der Webseite der Verwaltung für den Kreis Dithmarschen, stellt fest, dass es sehr viele spannende Einsatzmöglichkeiten gibt. Ich bin jetzt im Corona-Team, und das ist alles andere als langweilig.

Marie

Tim
Wer eine Ausbildung bei der Kreisverwaltung Dithmarschen absolviert, darf sich über zwei Einführungswochen und ein abwechslungsreiches Kennenlernprogramm freuen. Wie haben Sie die ersten Wochen Ihrer Ausbildung erlebt?
Tim: Ich bin gerade im Bereich ‘Innerer Service – Personal und Organisation’ tätig und wurde sehr nett von meinen neuen Kollegen empfangen. Meine anfängliche Nervosität legte sich daher schnell und war so gut wie verflogen, als ich an meinem Arbeitsplatz saß und eine Einführung für den Tätigkeitsbereich des ,Inneren Services’ in die Hand bekam. Meine erste Aufgabe war, die Rechte und Pflichten eines Azubis im TVöD (Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst) zu lesen und die wichtigsten Informationen zu notieren.
Während der Einführungswochen sind wir durch den Kreis Dithmarschen gefahren und haben einige Außenstellen der Verwaltung kennen gelernt. Zusätzlich gab es ein interessantes Seminar zum Thema ,Lernen lernen’. Besonders hilfreich war für mich der Tipp: morgens mit leichten Themen zu beginnen und sich erst später komplexeren zu widmen.
Michelle: Da ich aus Rendsburg komme, war die Erkundung des Kreises für mich im Gegensatz zu den anderen Azubis neu. Stationen wie das Landesmuseum, Außenstellen und die Umgebung standen auf dem Programm, und die älteren Auszubildenden haben uns einiges erklären können. Das Seminar hat mir ebenfalls viel gebracht. Es ging unter anderem darum einzuschätzen, welcher Lerntyp man ist, wie man effektiver lernt und wo spätere Präferenzen liegen könnten. Momentan bin ich im Bereich ,Kultur und Allgemeines’ tätig und kümmere mich zum Beispiel um die Bearbeitung von Rechnungen und Bestellungen. Zunächst gab es eine allgemeine Einführung und die Erklärung der internen Organisationsstruktur. Dann habe ich eine Exceltabelle mit Portokosten erstellt – durfte also direkt eine Aufgabe übernehmen.
Laura: Die Idee der Einführungswochen gefällt mir sehr gut. Auch wenn es immer mal wieder Momente gab, in denen wir etwas warten mussten, haben wir viele interessante Einblicke bekommen: Da ich eine Ausbildung in Teilzeit mache, konnte ich leider nicht an dem kompletten Programm teilnehmen, aber wir waren bei der Feuerwehrleitstelle in St. Michaelisdonn, am Eidersperrwerk und haben in der Bäckerei Balzer Pizza gebacken.
In meiner jetzigen Ausbildungsstation, dem ,Corona-Team’, geht es um Quarantäne-Nachverfolgung. Wir kümmern uns sowohl um die Einhaltung der Maßnahmen als auch um die täglichen Anrufe, wie es den Betroffenen geht. Das sind am Tag zurzeit etwa 200 Personen.
Ich wurde sehr herzlich begrüßt, allen Mitarbeitern vorgestellt und danach in meinen Arbeitsplatz eingewiesen. Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass ich meine Ausbildung im Corona-Team starte, bin aber mittlerweile sehr froh darüber, da es viel zu tun gibt. Besonders freue ich mich auf die Station ,Familie und Soziales’, weil ich auf die Geschichten hinter den Fällen gespannt bin und den Menschen mit ihren Anliegen gerne helfen möchte.
Virginia: Die anderen Auszubildenden kennenzulernen, war für uns sehr wichtig, so können wir uns jetzt jederzeit untereinander austauschen und später in der Berufsschule besser zusammen lernen. Da ich mich als Mutter gut organisieren muss, bin ich sehr dankbar über die Anregungen im Seminar. Mir bleiben nur die Abendstunden, um Sachverhalte aufzuarbeiten, da sind hilfreiche Tipps wie das Anlegen von Strukturkarten wirklich wichtig.
Meine erste Ausbildungsstation ist die ,Bußgeldstelle – Bereich Geschwindigkeitskontrolle’. Hier geht es um die Umwandlung von offenen Verwarnungsgeldern in Bußgelder im Rahmen der Gesetzestexte. Fahrzeughalterermittlung in Zusammenarbeit mit anderen Stellen, Anlegen der Akten, aber auch die telefonische Auseinandersetzung mit den Betroffenen. Man lernt viel – vor allem ruhig und sachlich zu bleiben.
Marie: An der Einführungswoche haben mir besonders die Programmpunkte gefallen, die ein besseres Kennenlernen ermöglichen. Ich denke jedoch, dass das Programm für unsere Teilzeitkräfte zeitlich etwas angepasst werden müsste und einige Abläufe straffer organisiert sein könnten. In Bezug auf das Lernseminar fand ich vor allem die Hinweise zur Selbstorganisation gut, damit man sich mit seinen Aufgaben nicht verzettelt.
Ich bin nun seit vier Tagen in der Stabsstelle ,Hilfen im Übergang’ tätig, ein Außenposten hier in Heide. Dort werden überwiegend Projekte realisiert, wie zum Beispiel im Bereich Jugendarbeit oder auch Hilfe für Demenzkranke. Der Empfang war überaus freundlich. Das Team arbeitet Hand in Hand, aber als Ausbildungsstart ist der Posten für Anfänger, aufgrund des besonderen Formats ,Außenstelle’ nicht unbedingt von Vorteil.
Die Kreisverwaltung Dithmarschen bietet die Möglichkeiten, in elf Fachdienststellen zu arbeiten und zu lernen. Auf welchen Bereich sind Sie besonders gespannt?
Tim: Am meisten freue ich mich auf mehr Kundenkontakt und Teamarbeit. Die Bußgeldstelle wäre ein Bereich, den ich mir für mich als kommunikationsfreudiger Mensch gut vorstellen könnte.
Michelle: Ich freue mich generell auf all die unterschiedlichen Bereiche. ,Kultur und Allgemeines’ finde ich interessant, genauso kann ich mir aber auch den Bereich ,Familie und Soziales’ vorstellen oder ,Hilfe im Übergang’. Hauptsache etwas bewegen.
Laura: Es ist spannend, in jedem Fachbereich neue Mitarbeiter, Methoden und andere Arbeitsweisen kennenzulernen. Der Bereich ,Familie und Soziales’ ist aufgrund meiner eigenen Lebenssituation mir besonders wichtig. Die Geschichten hinter den Akten zu erfahren und helfen zu können, ist eine erfüllende Aufgabe.
Virginia: Ich sehe das so ähnlich wie Laura. Verschiedene Stationen zu durchlaufen, die Vielfältigkeit und das Ineinandergreifen der Strukturen zu verstehen, ist sehr spannend. Zukünftig kann ich mir auch einen Platz im Corona-Team oder im Bereich Ahndung von Verstößen gegen das Waffengesetz oder im Veterinärwesen vorstellen.
Marie: Erstmal freue ich mich auf eine abwechslungsreiche Zeit mit Berufserfahrung, Unterrichtseinheiten und den Aufenthalt im Internat in Bordesholm. Von der Zusammenarbeit mit anderen Behörden wie zum Beispiel der Ausländerbehörde oder von interessanten Außenterminen erhoffe ich mir viele neue Einblicke. Bald geht es an die Schulen zum Projekt ,Praktikum Westküste’ – bestimmt spannend. Welcher Bereich es dann längerfristig sein soll, kann ich jetzt noch nicht sagen. Flexibel und am Standort Dithmarschen zu bleiben, ist das Ziel.
Wir danken den Interviewpartnern für ihre Zeit und ihre ersten Eindrücke und gratulieren der Kreisverwaltung zu ihrer Auswahl an motivierten und reflektierten Mitarbeitern. Wir sind gespannt auf die weitere Reise und bleiben dran!
Mehr zur Ausbildung bei der Kreisverwaltung Dithmarschen: Über sich hinauswachsen in der Kreisverwaltung Dithmarschen
TEXT: Anja Nacken, Sophie Blady
FOTOS: Anna Leste-Matzen