Auf’n Weihnachtskeks mit dem Bürgermeister

Auf’n Weihnachtskeks mit dem Bürgermeister

Herr Frank, heute, am 11.11. ist nicht nur Martinstag, sondern auch Karnevalsbeginn. Sie haben selbst viele Jahre im Münsterland gelebt und wissen, wie närrisch es normalerweise an diesem Tag zugeht. Auch wenn Gettorf nicht als Karnevalshochburg bekannt ist, bedeutet diese Zeit viel Verzicht und Disziplin, gerade für junge Menschen.

Ja, das stimmt. Jugendliche müssen in diesen Tagen vermehrt auf soziale Medien zurückgreifen, um Kontakt zu ihren Freunden zu halten und sich virtuell zu treffen. Der virtuelle Raum ersetzt reale Begegnungen zwar nicht, ist aber momentan die sicherste Option, um die Gemeinschaft zu schützen. In den Kindergärten gab es kleine Laternenfeste, aber Umzüge können in diesem Jahr leider nicht stattfinden.

Sie waren viele Jahre als Geschäftsführer einer Marketingagentur tätig. Inwiefern helfen Ihnen diese Erfahrungen für Ihr Amt als Bürgermeister in Coronazeiten?

Die Erfahrungen, die ich in meinem gesamten beruflichen Werdegang von der Ausbildung zum Offizier bis hin zum Geschäftsführer einer Marketingagentur gesammelt habe, helfen mir dabei, Strömungen wahrzunehmen und aufzugreifen – nicht nur in Coronazeiten. In einem Bürgerprozess habe ich in Abstimmung mit der Gemeinde Abläufe entwickelt, die festlegen, wie der Ort sich verändern soll. Da in den letzten 25 Jahren ein stürmisches Wachstum über Gettorf hineingebrochen ist und die Einwohnerzahl sich von 5000 auf über 7000 Einwohner erhöht hat, liegt mir eine gesunde Entwicklung sehr am Herzen.

Was könnte der Grund für den großen Zuwachs an Bürgerinnen und Bürgern sein?

Wer eine attraktive Wohnlage im Grünen sucht und Wert auf eine gute Anbindung zur Autobahn oder in die Stadt legt, hat in Gettorf alle Möglichkeiten. Auch die medizinische Versorgung und die Einkaufsmöglichkeiten mit dem Wochenmarkt und der Fußgängerzone bieten ein reichhaltiges Angebot für die gehobene Grundversorgung.

Gettorf genießt eine begnadete Lage zwischen Eckernförde und Kiel, genau das ist unser Vorteil! Der Ort bietet beste Ausgangsmöglichkeiten für Unternehmungen. Das Meer liegt direkt ums Eck und lädt zum Kiten, Segeln, Surfen, SUP’n, Schwimmen und Spazierengehen ein.

Was macht Gettorf für junge Menschen auf der Suche nach beruflichen Perspektiven?

Wir haben eine ganze Menge handwerkliche und gewerbliche Arbeitsplätze in Gettorf, die wir durch Ansiedlungs- und Vergrößerungsmöglichkeiten ausbauen wollen. Beispielsweise durch die Erweiterung des Gewerbegebiets, da sich viele Arbeitgeber in der Region mehr Raum für ihre Betriebe wünschen. Für Selbständige und Start-ups haben wir im Oktober einen modernen Co-Workingspace ‚Gettwork eröffnet. Unser Ziel: unternehmerisch Denkende und Kreative mit bestehenden Betrieben zu koppeln, um einen Erfahrungs- und Ideenaustausch zu ermöglichen. Gettwork bietet modernste Technik mit einer ausgezeichneten WLAN-Verbindung, sodass beispielsweise in Videokonferenzen externer Sachverstand in die Ideenentwicklung vor Ort eingebunden werden kann.

Wie ist die Resonanz?

Da wir den Co-Workingspace erst im Oktober eröffnet haben, leiden wir in dieser Beziehung etwas unter Corona. Unsere 36 Arbeitsplätze sind noch nicht in dem Maße ausgelastet, wie wir es uns wünschen. Acht Arbeitsplätze belegt unser Kooperationspartner Dataport, die restlichen 17 Plätze können jederzeit frei gebucht werden. Besonders freuen wir uns über die Resonanz unseres Konferenzraumes, der über eine sehr gute Infrastruktur verfügt und für Konferenzen oder Kundentermine gebucht wird.

Und wie lockt Gettorf seine Jugendlichen von der Couch?

Schüler und Jugendliche können sich in der Jugendlounge direkt am Sportpark kreativ austoben. Wir haben das frühere Hausmeisterhaus zu einem attraktiven Treffpunkt für junge Leute mit Billardtisch und Bastelraum umgebaut. Der Jugendbeirat und eine fest angestellte Mitarbeiterin organisieren neben Film- und Grillabenden auch Themenabende, die zum Mit- und Nachdenken anregen sollen. Aber auch Sportler kommen in Gettorf voll auf ihre Kosten: Wir freuen uns über ein wirklich breites Sportangebot mit aktiven Vereinen im Ort. Besonders beliebt bei unseren Jugendlichen ist der Fußballverein mit einer aktiven Schützenabteilung sowie einer Badminton-Mannschaft und der Handballsparte. All jene, die sich im Ballsport nicht wiederfinden, können sich im Turnverein oder im Fitnessstudio auspowern. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass die Jugendlichen in Gettorf besonders viel Wert auf ein gutes WLAN-Netz und eine gute Verkehrsverbindung legen.

Nicht schlecht, aber die Konkurrenz lauert von zwei Seiten. Wie hebt sich Gettorf von der Landeshauptstadt Kiel und dem Urlaubermagneten Eckernförde ab?

Gettorf genießt eine begnadete Lage zwischen Eckernförde und Kiel, genau das ist unser Vorteil! Der Ort bietet beste Ausgangsmöglichkeiten für Unternehmungen. Das Meer liegt direkt ums Eck und lädt zum Kiten, Segeln, Surfen, SUP’n, Schwimmen und Spazierengehen ein. Wer Schiffe bestaunen möchte, geht zum Kanal. Wer Wandern oder Fahrradfahren möchte, findet im Umland zahlreiche Routen und Wege. Wir haben hier eine gesunde Mischung von großdörflichen bis kleinstädtischen Möglichkeiten und nahe Kontaktmöglichkeiten zu städtischen Betrieben.

Was ist typisch Gettorf?

Die Mischung von Neubürgern und Altbürgern, die aufeinander zugehen und immer mehr zusammenwachsen, empfinde ich als sehr typisch für diesen Ort. Ich selbst bin das beste Beispiel für diese Entwicklung. Ich habe in den 70er-Jahren mit meiner damals jungen Familie in Gettorf gelebt. Nach 14 Jahren sind wir nach Westfalen gezogen und haben uns nach 20 Jahren bewusst dazu entschieden, wieder in den Norden Deutschlands zurückzukehren. Und weil wir uns in Gettorf immer noch heimisch gefühlt haben, sind wir an diesen Ort zurückgekehrt. Mir ist aufgefallen, dass Gettorf in der Zwischenzeit viel offener für Neubürger geworden ist, sodass es leicht war, wieder Fuß zu fassen.

Bitte beenden Sie den Satz: Für mich ist Gettorf…

… eine absolut runde Sache, weil dieser Ort so viele Möglichkeiten für Alt und Jung bietet.

DIE AUSZUBILDENDE DES BÜRGERMEISTERS

Nike: Verwaltungsfachangestellte bei der Stadtverwaltung Gettorf

Nike macht eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Gettorf

„Ich bin ein echter Familienmensch und fühle mich sehr mit der Region verbunden.“

„Nach einem zehnmonatigen Praktikum beim Ostsee Resort Damp wusste ich, dass mir Büroarbeit gut liegt und mir geregelte Arbeitszeiten sehr wichtig sind. Daraufhin habe ich mich für die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten in der Gemeinde Gettorf beworben. Besonders schätze ich bisher die unterschiedlichen Fachbereiche: vom Hauptamt-Zentrale Dienste über die Kämmerei bis hin zum Bürgerbüro, Bauamt, Ordnungsamt und Standesamt. Es fühlt sich gut an, das theoretisch gelernte Wissen in der Praxis anzuwenden und Verantwortung zu übernehmen. Derzeit arbeite ich im Bürgerbüro, das leider seit November wieder geschlossen ist. Wir empfangen nur Bürger, die einen Termin haben. Meine Hauptaufgaben sind: Anträge für Personalausweise, Reisepässe, Führungszeugnisse zu bearbeiten sowie Parkausweise, Beglaubigungen und entsprechende Dokumente auszustellen. Die Themen sind wirklich abwechslungsreich, und das Arbeitsklima unter den Kollegen ist immer freundlich – das ist auf jeden Fall viel Wert. Da ich ein echter Familienmensch bin, genieße ich die familiäre Atmosphäre bei der Arbeit und die Nähe zu meinen Eltern. Als ich mich auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht habe, wollte ich unbedingt Schleswig-Holstein bleiben, da ich mich mit dem Meer und der Region sehr verbunden fühle. Mein großes Ziel ist, die Ausbildung gut abzuschließen und von meinem Arbeitgeber übernommen zu werden. Vielleicht entscheide ich mich später, auch noch das Studium für den gehobenen Dienst zu absolvieren – mir stehen ja noch alle Möglichkeiten offen.“

Im 2. Ausbildungsjahr zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeindeverwaltung Gettorf

 

TEXT Sophie Blady
FOTOS Christina Kloodt