Große Bühne für die berufliche Zukunft: die getBIZzy in Meldorf

Große Bühne für die berufliche Zukunft: die getBIZzy in Meldorf

104 Unternehmen, unzählige Möglichkeiten: Die Ausbildungsmesse getBIZzy am BBZ Dithmarschen gehört zu den größten Events für Berufsorientierung an der Westküste. Thomas Ritter, Mitglied des Organisationsteams, erklärt, was die Messe so besonders macht.

Am BBZ Dithmarschen in Meldorf herrscht an diesem Freitagvormittag im Oktober reges Treiben. Vor dem Eingang der Schule tummeln sich hunderte Schülerinnen und Schüler. Beinahe die komplette Kramerstraße ist abgesperrt und hat sich in eine Ausstellungsfläche mit Ständen und Mitmachaktionen verschiedener Betriebe verwandelt. Auch im Erdgeschoss und Innenhof der Schule reiht sich Messestand an Messestand. Nachdem die getBIZzy im letzten Jahr aufgrund von Umbauarbeiten am BBZ ausfallen musste, kehrt die Ausbildungsmesse in diesem Jahr noch größer und eindrucksvoller zurück.

Thomas Ritter, stellvertretender Schulleiter und Mitorganisator der Messe, ist zufrieden mit der diesjährigen getBIZzy.

Thomas Ritter, stellvertretender Schulleiter und Mitorganisator der Messe, ist zufrieden mit der diesjährigen getBIZzy.

MINT zum Anfassen

Direkt im Eingangsbereich lenkt der Stand des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie (ISIT) aus Itzehoe die Blicke auf sich. Die Azubis Henry Wichelmann und Mathis Fillbrandt sind in weißen Schutzanzügen, mit Kopfhauben und Mundschutz vor Ort. Denn: Sie arbeiten im Reinraum, einem abgeschlossenen Raum, in dem empfindliche Bauelemente für Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik produziert werden. Um Verunreinigungen durch Schmutz, Staub und kleine Partikel zu verhindern, ist Schutzkleidung Pflicht.

„Wir sind sozusagen die Schnittstelle zwischen einer Idee und dem fertigen Produkt in der Industrie“, erklären die beiden angehenden Mikrotechnologen. „Wir bekommen ganz unterschiedliche Anfragen, zum Beispiel von Kunden aus der Medizintechnik, die einen Sensor benötigen, der den Blutzucker ermittelt“. Am Stand des ISIT können sich Schülerinnen und Schüler unter dem Mikroskop das Innenleben eines Mikrochips anschauen. Der 22-jährige Mathis erinnert sich noch gut an seine eigene Schulzeit: „Mein Klassenlehrer hat mir damals empfohlen, in den Reinraum zu gehen, weil ich schon immer ordentlich und sauber gearbeitet habe.“ Außerdem seien Interesse an Naturwissenschaften und gute Noten in Mathematik, Physik und Chemie hilfreich für die Ausbildung zum/zur Mikrotechnolog/-in.

Theo Clausen (li.) und Elias Ils absolvieren eine Ausbildung zum Automatiserungstechniker bei CM-Automation.

Theo Clausen (li.) und Elias Ils absolvieren eine Ausbildung zum Automatiserungstechniker bei CM-Automation.

Sorgfältiges Arbeiten und Interesse an MINT-Fächern sind auch bei CM-Automation aus Meldorf gefragt. Das Unternehmen mit sechs Standorten in Deutschland entwickelt Komplettlösungen im Bereich der Automatisierungstechnik. Am Standort Meldorf können junge Menschen die Ausbildung zum/zur Elektroniker/-in für Automatisierungstechnik oder Elektroniker/-in für Gebäude- und Energietechnik absolvieren. Emilia Marie Pankonin ist im zweiten Lehrjahr und erklärt, worauf es ankommt: „Man sollte technisches Interesse und die Fähigkeit, logisch zu denken und sich schnell in Prozesse einarbeiten zu können, mitbringen.“ Am Stand von CM-Automation können die Jugendlichen erste Erfahrungen im Programmieren sammeln. Das Team hat eine Autowaschanlage mit Schaltung im Miniaturformat mitgebracht.

Einblicke in die MFA-Ausbildung

Wer sich für den medizinischen Bereich interessiert, ist am Stand der Ärztekammer Schleswig-Holstein (ÄKSH) richtig. Diese vertritt rund 21.000 Ärztinnen und Ärzte in Norddeutschland und unterstützt unter anderem im Bereich Aus- und Weiterbildung. Ausbilderin Heidi Reimers und Angelika Dewald, angehende Kauffrau für Büromanagement, stellen den Schülerinnen und Schülern auf der getBIZzy den Beruf des/der Medizinischen Fachangestellten (MFA) vor. Die Ausbildung eignet sich für Menschen, die gern im Team arbeiten, sich für Medizin interessieren und auch Verwaltungsaufgaben nicht scheuen. Die ÄKSH ist für die Azubis ein wichtige Anlaufstelle. „Die Azubis kommen einmal im Jahr jeweils für eine Woche zu uns nach Bad Segeberg und lernen bei uns Inhalte, die die Berufsschule und der Betrieb nicht vermitteln können“, erklärt Heidi Reimers. „Das können zum Beispiel Tätigkeiten sein wie Verbände anlegen, Laboruntersuchungen, EKGs schreiben oder den OP-Tisch decken.“ Dank kleiner Lerngruppen mit zwölf bis 14 Azubis sei die Atmosphäre familiär und persönlich, so Heidi Reimers. „Das ist wirklich immer eine schöne Zeit.“

Ausbilderin Heidi Reimers (li.) und angehende Kauffrau für Büromanagement Angelika Dewald zeigen den Schülerinnen und Schülern, wo das Herz und andere Organe im menschlichen Körper zu finden sind.

Ausbilderin Heidi Reimers (li.) und angehende Kauffrau für Büromanagement Angelika Dewald zeigen den Schülerinnen und Schülern, wo der Magen und andere Organe im menschlichen Körper zu finden sind.

Auch Handwerksberufe auf der getBIZzy vertreten

Die soziale Komponente spielt auch in einem anderen Berufsfeld eine wichtige Rolle: „Am besten an der Arbeit gefällt mir der Kontakt mit den Menschen“, erzählt Schornsteinfegermeister Oliver Koch. „Mit der Zeit hat man einen festen Kreis an Kundinnen und Kunden. Wir begleiten die Menschen über Jahre hinweg und bekommen mit, wenn wichtige Lebensereignisse wie eine Geburt oder ein Todesfall stattfinden.“ Oliver Koch und sein Kollege Thomas Dörs vertreten heute die Schornsteinfeger-Innung Flensburg auf der getBIZzy. Ihr Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler über die Ausbildung zum/zur Schornsteinfeger/-in zu informieren. Die dreijährige Berufsausbildung umfasst Blockunterricht am BBZ Dithmarschen in Meldorf sowie praktische Ausbildungsabschnitte, die in Flensburg oder Hannover absolviert werden können. Bewerberinnen und Bewerber sollten laut Oliver Koch „offen sein, reden können, gesundheitlich fit und schwindelfrei sein sowie Interesse an Mathe, Physik und Chemie mitbringen“.

„Selbst der größte Miesepeter lächelt, wenn er uns durch die Straßen laufen sieht“, erzählen Schornsteinfegermeister Oliver Koch (li.) und Thomas Görs.

„Selbst der größte Miesepeter lächelt, wenn er uns durch die Straßen laufen sieht“, erzählen Schornsteinfegermeister Oliver Koch (li.) und Thomas Görs.

Ein weiterer Handwerksbetrieb auf der Messe ist Dahmlos Gartengestaltung aus Tellingstedt. Leif Dildey, Auszubildender im dritten Lehrjahr, führt den Besucherinnen und Besuchern draußen im Innenhof vor, wie man einen Weg pflastert. „Die Ausbildung macht echt Spaß. Die Arbeit ist aber körperlich anstrengend. Man sollte fit sein und keine Angst haben, sich dreckig zu machen“, erklärt der angehende Gärtner im Garten- und Landschaftsbau. Neben der Ausbildung gibt es auch die Möglichkeit, ein duales Studium zu absolvieren. Interessierte können zwischen dem Bachelor of Engineering „Landschaftsbau Dual“ und dem Bachelor of Arts „BWL in kleineren und mittleren Unternehmen“ wählen. Der Vorteil: Wer sich für ein duales Studium entscheidet, kann anschließend sowohl einen Berufsabschluss als auch einen Bachelorabschluss vorweisen. Zudem sammeln die Studierenden bereits während ihrer Ausbildung Praxiserfahrung im Landschaftsbau. „Der Beruf ist wirklich vielfältig. Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Materialien. Jede Baustelle ist anders. Man kann kreativ sein und am Ende das Ergebnis sehen“, zählt Mitarbeiterin Lena Sikora einige Vorteile auf.

Leif Dildey, Azubi bei der Dahmlos Gartengestaltung, zeigt den Messebesucherinnen und -besuchern, wie man einen Weg pflastert.

Leif Dildey, Azubi bei der Dahmlos Gartengestaltung, zeigt den Messebesucherinnen und -besuchern, wie man einen Weg pflastert.

Arbeiten in der Steuerkanzlei: „Das Menschliche macht unsere Beratung aus“

Ganz anders sieht der Arbeitsalltag bei der SHBB-Steuerberatungskanzlei in Meldorf aus. „Azubis sollten bereit sein, am Computer zu arbeiten und Neues zu lernen. Künstliche Intelligenz wird bei uns ein immer größeres Thema“, erklärt Steuerberater und Kanzleileiter Arne Bothmann. Gleichzeitig findet ein entscheidender Teil der Arbeit analog statt. „Das Allerwichtigste ist der Kontakt zu den Mandantinnen und Mandanten. Das Zwischenmenschliche macht unsere Beratung aus“, betont Bothmann. Gemeinsam mit Steuerberaterin und Kanzleileiterin Anneke Jochims, Steuerberater und Kanzleileiter Denis Schnippa und Bilanzbuchhalterin Jana Schnippa nimmt er sich Zeit für die Fragen der Jugendlichen und spricht mit ihnen über ihre beruflichen Möglichkeiten. Der Besuch auf der getBIZzy hat sich für das Team aus Meldorf gelohnt: Im Gespräch konnten sie eine Schülerin für ein Praktikum in den Ferien begeistern.

Ein Messebesuch mit Erfolg: Das Team der SHBB Meldorf hat im Austausch mit den Jugendlichen eine Praktikantin für die Herbstferien gewonnen.

Ein Messebesuch mit Erfolg: Das Team der SHBB Meldorf hat im Austausch mit den Jugendlichen eine Praktikantin für die Herbstferien gewonnen.

Positive Bilanz nach der Messe

Auch Thomas Ritter, stellvertretender Schulleiter und Mitorganisator, ist zufrieden mit der Resonanz. Rund 1.500 Besucherinnen und Besucher waren vor Ort. Neben den 12. Klassen des BBZ Dithmarschen waren zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus umliegenden Orten wie Heide, Marne und Büsum zu Besuch. „Die getBIZzy ist eine der größten Berufsmessen an der Westküste. Wir bieten einen sehr großen Branchenmix von Gastronomie über Handwerk bis hin zu Technik. Das ist Berufsorientierung par excellence“, schwärmt Ritter. Besonders das Angebot auf der Kramerstraße sei im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal gewachsen. „Es gibt immer mehr Mitmachangebote. Dadurch werden Berührungsängste der Schülerinnen und Schüler abgebaut.“ Dank der neuen Kontakte eröffnen sich den jungen Menschen vielfältige berufliche Perspektiven.

TEXT & FOTO Mareike Neumann