Das Audimax der HAW ist gut gefüllt. 16 Messestände wurden rund um die Bestuhlung aufgebaut. Nervöse Jugendliche murmeln im Vorraum ihre Präsentationstexte vor sich hin. Denn: Es ist das Finale eines mehrmonatigen Wettbewerbs. Heute wird das Siegerteam der StartUp Challenge SH 2026 gekürt.
Vorher muss jedoch jedes Team auf der Bühne seine Idee vorstellen. Genau fünf Minuten Zeit haben die Schülerinnen und Schüler, die Jury zu überzeugen– samt Powerpoint-Präsentation, kurzer einstudierter Verkaufsgespräche und anschließender Fragerunden am Teamstand.
Prof. Dr. Kay Poggensee moderiert das Finale
„Egal, mit welchem Platz Sie hier rausgehen, Sieger sind Sie eh schon alle.” Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Kay Poggensee, Dozent am Fachbereich Wirtschaft, nach einer kurzen Ansprache das Finale. Den Anfang macht das Team „Medi Help” aus Oldenburg in Ostholstein. Sie haben einen Alltagshelfer für ältere Menschen entwickelt: Ein elektronisches Armband erinnert in festen Intervallen an die Einnahme von Medikamenten und Wasser.
Die nächste Gruppe „Safe Print” hat sich mit dem Diebstahl von E-Scootern befasst, beziehungsweise damit, wie man diese verhindern kann. Ein in den Roller integriertes Sicherungssystem soll durch die Fingerabdruck-Sicherung vor Diebstahl schützen. Das Team von „Quantum Energy” aus Bad Segeberg befasst sich hingegen mit erneuerbarer Energie und hat ein Unterwasser-System entwickelt, dass auch bei Ebbe zuverlässig Strom erzeugen soll.
Nachhaltigkeit ist wichtiges Thema für die jungen Erwachsenen
Weniger essentiell, dafür aber gut duftend, ist das Produkt, dass das Duo von „Frenavi” entwickelt hat. Auch die beiden jungen Frauen wollen die Natur entlasten und haben ein nachhaltiges Duschpulver entwickelt, das nicht in Plastik verpackt ist und so Ressourcen und Emissionen einspart. Auch der Gruppe „Reloop” liegt die Umwelt am Herzen: Eine wiederverwendbare Versandtasche aus Kunststoff soll beim Versenden von Artikeln überflüssigen Papiermüll vermeiden. Die Pakettüte soll von Firmen gekauft oder geliehen werden, um neben der Müllvermeidung auch das nachhaltige Image zu erhöhen.
Das Team von „CarryUp” vom BBZ Rendsburg-Eckernförde stellt einen selbst konzipierten Treppenlift vor, der Saugroboter über verschiedenen Stockwerke hinweg transportieren soll. „So braucht man den Roboter weder die Treppe hinauftragen noch jeweils einen für jedes Stockwerk anschaffen”, sagt die Gruppe. Als nächstes folgt das Team von „Side Quest”. ME2BE hatte die jungen Männer bereits in Kiel kennengelernt und berichtete. Im Finale stellen sie ihre Idee einer App, die gute Taten wie beispielsweise Ehrenämter, durch Gamification in der virtuellen Welt belohnt, erneut vor.
KI-basierte Ideen boomen
Ihnen folgte die Gruppe rund um „EcoPilot”, einer KI-Entwicklung, die die Energieeffizienz von Unternehmen steigern soll. Ein ähnliches Ziel hat das Team von „Step´n Charge”. Die Jugendlichen wollen öffentliche Sitzbänke entwickeln, auf denen man durch das Treten von Fahrradpedalen Strom erzeugen und das Handy laden kann. Ebenso praktisch ist die Idee von „Easy Kitchen”. Das Team hat ein 3in1-Multi-Tool entwickelt, das in der Küche Platz sparen und durch hochwertiges Material und Langlebigkeit überzeugen soll.
Die nächsten beiden Teams haben sich wie „EcoPilot” mit KI befasst. „MatchMe” nutzt die Künstliche Intelligenz, um alle Kleidungsstücke im Kleiderschrank zu scannen und damit jeden Tag neue Kombinationen zu finden. So soll die Zeit vor dem Spiegel und der Konsum von neuen Artikeln reduziert werden. „Vivo” hingegen ist ein KI-gestützter Alltagsassistent, der ähnlich wie bereits bestehende KI-Angebote lesen und beraten kann.
Ein Partybecher kann KO-Tropfen selbständig erkennen
Die Gruppe rund um „SafeCup” aus Lübeck stellt anschließend ihren sicheren Partybecher vor, der durch PH-Wert-Testverfahren im Boden Drogen und andere Substanzen im Getränk ausmachen soll. „So kann feiern wieder sicher werden”, sagen die Gruppenmitglieder, die bereits oft mitbekommen haben, dass vor allem junge Mädchen ungewollt KO-Tropfen und andere Stoffe im Getränk hatten. Auch das Team von „Smart Bottle Light” befasst sich mit Getränken. Allerdings geht es den Entwicklern darum, Menschen das regelmäßige Wassertrinken durch Lichtimpulse am Flaschendeckel regelmäßig in Erinnerung zu rufen.
Das Team von „Leoguard” kommt sportlich auf die Bühne. Sie haben ein Trainingsshirt entwickelt, das Sportler während Höchstleistungen per EKG überwacht und so bisher verborgene Anzeichen von Herzinfarkten oder Überbelastungen feststellt. Der Trainer kann die Daten der Sportler per App einsehen und entsprechend frühzeitig reagieren.
Die letzte Gruppe des Finales kommt vom BBZ Dithmarschen und nennt sich „Field Ray”. Die jungen Männer haben eine Technologie entwickelt, die Metallgegenstände beim Maishäckseln durch Röntgenscans schon frühzeitig erkennt und so die teuren Geräte schont.
Das sind die Siegerinnen und Sieger 2026
Nach 16 Präsentationen folgt im Audimax eine längere Pause, in der die Jury bereits die Messestände besuchen kann. Die jungen Erwachsenen stehen dort auch für ungeklärte Fragen und weitere Informationen zur Verfügung. Nach reiflichem Überlegen und Beraten der acht Jurorinnen und Juroren stehen am frühen Nachmittag die Gewinner und Gewinnerinnen fest.
„SafeCup” gewinnt den Sonderpreis, der von Möbel Kraft gesponsert wurde. „Match Me” kann sich den vierten Platz und damit 500 Euro sichern. Den dritten Platz belegt „Reloop”. „Field Ray” schafft es auf Platz Zwei und sichert sich damit 2000 Euro Preisgeld.
Leoguard gewinnt die StartUp Challenge SH 2026
Über den ersten Platz und 3000 Euro freut sich im Finale 2026 das Team von „Leoguard„. Die Gruppe kommt feiernd nach vorne und nimmt den Scheck entgegen. „Es fühlt sich noch total surreal an”, sagen die jungen Erwachsenen aus Steinburg. Die Freude ist allerdings riesig, das sieht man ihnen an. Nach dem Sieg wollen sie auf jeden Fall weiter an ihrer Technologie arbeiten, erzählen sie. Und das beste: „Wir konnten hier sogar schon Kontakte knüpfen, die mit uns Leoguard weiterentwickeln wollen.”
Die Jury setzte sich in diesem Jahr aus Björn Christensen, Präsident der HAW Kiel; Dr. Annelie Tallig, Teamleiterin startuphub.SH, WTSH; Doris Ipsen, Geschäftsführerin Unternehmensverband Unterelbe-Westküste; Jörn Krüger, Direktor SHIBB; Daniela Möltgen, Referentin Wirtschaftsministerium; Susann Dressler, Leiterin IB.SH Europa und Förderlotsen, Investitionsbank Schleswig-Holstein; Prof. Dr. Ralf Thiericke, ehemaliger Leiter des Innovationszentrum Itzehoe, und Jan Genge, Mitarbeiter der Kieler Wirtschaftsförderungs- und Strukturentwicklungs GmbH, zusammen.
TEXT Morgana Pfeifer Schridde
FOTOS Mareike Neumann





