Mit (Fach-)Abitur kann man studieren. Muss man aber nicht.
Viele junge Schleswig-Holsteiner stehen vor der wohl schwersten Prüfung ihres Lebens. Einerseits haben Schülerinnen und Schüler so viele Chancen wie noch nie eine Generation zuvor, andererseits fühlen sie sich von der Vielzahl der Möglichkeiten schlichtweg überfordert. Wir wollen euch zeigen, was alles geht zwischen den Glücksküsten. Warum die duale Ausbildung eine intelligente Verbindung von Theorie und Praxis ist – und ideales Sprungbrett für alle erdenklichen Karrierewege bis hin zum eigenen Unternehmen.
Raus aus der Schule und rein in den Hörsaal. Das ist für die Mehrzahl der Abiturientinnen und Abiturienten in Deutschland der „goldene Weg“ zu einer guten Arbeitsstelle mit lukrativem Gehalt. Etwa drei Viertel eines Schulabschlussjahrgangs beginnt ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Nur ein Fünftel der Schulabsolventen mit Abitur entscheidet sich hingegen für eine duale Berufsausbildung.
Die häufigsten Argumente für die Aufnahme eines Studiums sind das Erreichen von bessergestellten Positionen und das damit einhergehende höhere Einkommen. Für eine Berufsausbildung sprechen die praktische Ausrichtung und der schnellere Einstieg in die Arbeitswelt sowie die damit verbundene finanzielle Unabhängigkeit. Sich für eine Ausbildung zu entscheiden, bedeutet aber keineswegs, dass man sich mit einem geringeren Gehalt begnügen muss: Handwerksmeister verdienen in einigen Firmen schon heute mehr als Diplomkaufleute.
Aber Ausbildung oder Studium sind längst nicht mehr die einzigen Möglichkeiten für Schulabgänger. Das Angebot an Berufen und Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten wächst stetig und erschwert oftmals die Entscheidung über den richtigen Weg ins Berufsleben. Diese Vielzahl überfordert viele Schüler und sie wählen einen konventionellen Werdegang: Sie beginnen mit dem Abiturzeugnis eine akademische Ausbildung.
Für immer mehr Studienanfänger erweist sich diese Wahl jedoch als die falsche, denn die Zahl der Studienabbrecher steigt. Mehr als jeder vierte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Besonders hoch sind die Abbrecherquoten bei den Ingenieuren und den Naturwissenschaftlern. Die häufigsten Gründe für einen Studienabbruch sind zu hohe Anforderungen, Finanzierungsschwierigkeiten und mangelnde Motivation. Viele sagen auch, sie hätten sich das Studium ganz anders vorgestellt.
Grund genug, die Entscheidung über den geplanten Bildungsgang genau zu überdenken und die persönlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Ist man eher der Theoretiker, der sein Gelerntes erst nach seinem Studium in die Tat umsetzen möchte? Oder will ich praxisorientiert lernen und das Gelernte sofort anwenden? Wer sich nicht sicher ist, dem helfen die zahlreichen Beratungsangebote bei den Industrie- und Handelskammern, den Handwerkskammern, den Agenturen für Arbeit, den Berufsberatungen an den Schulen oder auf Berufs-Orientierungsmessen.
Betriebe und Unternehmen suchen nicht nur gute Haupt- und Realschüler, auch Abiturienten haben beste Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Ein großer Vorteil ist ihre gute schulische Vorbildung. Zudem sind sie älter als ihre Mitbewerber ohne Hochschulberechtigung und haben aufgrund dessen oft bessere soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Verantwortungsbewusstsein, Eigenständigkeit oder Ehrgeiz. Mit Abitur in der dualen Ausbildung hat man zudem den Vorteil, schneller den Gesellenbrief zu erlangen. Eine Verkürzung der Ausbildungsdauer um ein ganzes Jahr ist keine Seltenheit, sofern man gute Leistungen erbringt. Auch sind die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu ergattern, häufig höher, als einen Studienplatz zu bekommen.
Abiturienten müssen nicht erst ein Studium absolvieren, um Karriere zu machen. Eine gute Ausbildung kann ebenso ein solides Fundament für ein erfolgreiches Berufsleben sein. Sie bietet hervorragende Perspektiven, denn schon heute sind Fachkräfte aus der beruflichen Aus- und Weiterbildung sehr begehrt.
TEXT Katharina Grzeca
FOTO Teresa Horstmann
Dieser Beitrag stammt aus der Sonderveröffentlichung zur Dualen Ausbildung EINBLICK
in Schleswig-Holstein. Das gesamte Magazin gibt es hier.

