Dass Professor Dr. Dirk Jacob als gebürtiger Würzburger auf einem Hausboot lebt, ist vielleicht extravagant. Dass er bei seinen Studierenden einen außergewöhnlich guten Ruf genießt, wundert hingegen kaum. Nach einem Physikstudium, privatwirtschaftlicher Tätigkeit im Bereich Gebäudeenergieoptimierung und einer Forschungstätigkeit am Fraunhofer Institut verschlug es den Freiburger privat nach Hamburg und beruflich an die TH Lübeck. Dort begeistert er als Studiengangsleiter seit 2016 angehende Ingenieure und Ingenieurinnen für die Themen ‚Nachhaltige Energie- und Gebäudeplanung‘ und ‚Energiesparen‘.

Begeistert seine Studierenden mit kreativen Übungen: Prof. Dr. Dirk Jacob
ME2BE Campus: Hallo, Herr Professor Jacob. 2016 wurde an der Technischen Hochschule Lübeck der Bachelor-Studiengang „Energie- und Gebäudeingenieurwesen“ ins Leben gerufen, für den Sie berufen wurden. Worum geht es in diesem Fach und warum ist es besonders zukunftsorientiert?
Prof. Dr. Jacob: Im Basisstudium vermitteln wir Grundlagen des Bauwesens und der Ingenieurtechnik. Im Kernstudium befassen wir uns mit der gesamten Breite der nachhaltigen Gebäudetechnik, d.h. des Energie- und Gebäudeingenieurwesens und beschäftigen uns sowohl theoretisch als auch projektbezogen mit entsprechenden Aufgabengebieten. Der Studiengang orientiert sich an den Empfehlungen der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein. Der Bedarf an Fachkräften in der Technischen Gebäudeausrüstung ist enorm. Wir brauchen Ingenieure und Ingenieurinnen für Energie- und Gebäudetechnik, damit sie die zukünftigen Energieverbräuche von Gebäuden und Anlagen planen und gestalten. Von ihnen wird ein hohes Maß an Fachkompetenz erwartet sowie Bereitschaft für neue Ideen.
Der Bedarf an Fachkräften in der Technischen Gebäudeausrüstung ist enorm
– Professor Dr. Dirk Jacob
Welche Kenntnisse und Fähigkeiten sollten Studierende mitbringen?
Was man grundsätzlich mitbringen sollte, ist eine Begeisterung für die Themen Technik, Ökologie und Nachhaltigkeit. Da es sich um ein Ingenieurstudium handelt, ist auch eine Affinität zur Mathematik und Modellierung notwendig sowie das Interesse, sich mit technischen Dingen zu beschäftigen.
Viele Schulabgänger zeigen großes Interesse an Umwelt und Technik, befürchten aber zu viel Theorie im Studium. Wie gestalten Sie Ihre Veranstaltungen an der TH Lübeck, damit die Praxis nicht zu kurz kommt?
Die Beschäftigung mit theoretischen Inhalten ist zwingend notwendig; doch die Technische Hochschule Lübeck legt besonderen Wert auf einen hohen Praxisbezug. In zahlreichen Projekten haben unsere Studierenden die Gelegenheit, die theoretischen Grundlagen in der Praxis anzuwenden. Als Überzeugungstäter in Sachen Energie und Umwelt präsentiere ich mich den Studierenden authentisch. Ich möchte etwas Gutes tun! Themen und Ideen, die mich persönlich begeistern, diskutieren wir und überlegen anschließend gemeinsam, wie wir sie modellhaft umsetzen können. Man merkt, wie motivierend, lehrreich und inspirierend die praktischen Übungen sind, ob bei der Analyse der Energieeffizienz auf dem Hausboot meines Nachbarn, bei der Planung einer schwimmenden Sauna, beim Schrauben an Gasthermen im Labor der Emil-Possehl-Stiftung oder auf der Suche nach konkreten Energiesparmöglichkeiten auf dem Campus.
TEXT Christian Dorbandt
FOTOS Sebastian Weimar


