Olaf Scholz im Interview

Olaf Scholz im Interview

Wie wird man eigentlich Bürgermeister?

Wie kam es zur Entscheidung, Jura zu studieren?
Ich hatte schon früh das Berufsziel, Rechtsanwalt zu werden. Da war die Wahl des Studienfaches natürlich klar. Bis zu meiner ersten Wahl in den Deutschen Bundestag war ich 13 Jahre als Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht tätig.

Haben Sie sich schon immer für Politik interessiert und ab wann war für Sie klar, dass Sie Berufspolitiker werden?
Ich habe mich bereits zu Schulzeiten ehrenamtlich engagiert, war Klassensprecher und Schulsprecher. Das Engagement damals hat dann dazu beigetragen, dass ich in die Politik hineingewachsen und mit 17 Jahren schließlich in die SPD eingetreten bin. Ich hatte schon einige Funktionen bei der sozialdemokratischen Jugendorganisation – den Jusos – und in der SPD ausgeübt, als ich 1998 für den Bundestag kandidierte. Seit ich in jenem Jahr zum ersten Mal für den Wahlkreis Hamburg-Altona als Abgeordneter gewählt wurde, bin ich Berufspolitiker geblieben.

Ist die Kandidatur für das Bürgermeister-Amt eine logische Konsequenz daraus gewesen oder wie kam es, dass Sie sich für das Amt zur Wahl gestellt haben?
Ich hatte ja schon vorher andere Regierungsämter bekleidet, war Hamburger Innensenator und Bundesarbeitsminister. Irgend- wann hatte sich die politische Situation in der Stadt so entwickelt, dass in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wurde, ob ich für dieses Amt kandidieren sollte. Es gab viel Zuspruch. Und als es zu vorgezogenen Neuwahlen kam, musste die Entscheidung über die Kandidatur schnell getroffen werden – wie sie letztlich ausfiel, hat dann niemanden mehr überrascht.

Was ist das Schönste daran, Erster Bürgermeister der Stadt Hamburg zu sein?
Für jemanden, der wie ich in Hamburg aufgewachsen ist, ist es natürlich eine große Ehre, Bürgermeister seiner Heimatstadt zu sein. Das Schönste ist, dass wir als Bundesland gestalten und politische Schwerpunkte setzen können. Und die sind für mich ganz klar. Es geht dabei um die Frage, was wir für die jungen Leute tun können, wie wir gute Lebensperspektiven schaffen. Deshalb haben wir konkrete Verbesserungen der Bildungsangebote auf den Weg gebracht. Unser klares Ziel und mein ganz persönliches Anliegen ist: Alle Jugendlichen sollen nach der Schule entweder eine Berufsausbildung oder ein Studium beginnen können. Um das zu erreichen, fördern wir Bildung in allen Bereichen und Altersstufen: mit einem flächendeckenden, bezahlbaren Angebot an Krippen und Kitas, mit Deutschlands kleinsten Grundschulklassen, mit mehr Ganztagsschulen, mit Gymnasien und Stadtteilschulen, die beide zum Abitur führen können, mit der Stärkung von dualer Ausbildung und beruflicher Weiterbildung, der Möglichkeit, nach einer Aufnahmeprüfung auch ohne Abitur zu studieren und nicht zuletzt mit der Abschaffung der Studiengebühren.

Was macht Ihnen am wenigsten Spaß?
Ich gehöre nicht zu denen, die sich beklagen. Jeder Beruf bringt Dinge mit sich, die einem mal mehr, mal weniger gefallen. Wichtig ist, dass am Ende immer das Positive überwiegt. Daraus entsteht die Motivation zum Weitermachen.

Text Eva Neuls