Interesse an BO-Messen? Eine Gebrauchsanweisung

Interesse an BO-Messen? Eine Gebrauchsanweisung

Deutschland – Messeland! Ob Automobil-, Computer-, Touristik-, Boots-, oder Buchmessen – kein anderes Land der Welt präsentiert international bedeutsamere Messen! Doch nicht Wirtschaftsmessen, sondern Berufsorientierungsmessen (BO-Messen) sind der heimliche Star. Warum? Weil aus ihrem Beitrag zu Aus- und Weiterbildungsangeboten eben jene Fachkräfte hervorgehen, ohne die Wirtschaftsmessen gar nicht denkbar wären!

Schon Goethe wusste: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“ Dieser Satz lässt sich ausgezeichnet auf das Thema Berufsorientierung beziehen, denn viele Schülerinnen und Schüler fragen sich: „Wie finde ich den Beruf, der zu mir passt und der mir gut gefällt?” Die zwei Pflichtpraktika während der Schulzeit sind zwar hilfreich, aber reicht das? Welche Einblicke in das Berufsleben kann ich zusätzlich gewinnen? Da Schülerinnen und Schüler sich nicht auf dem Pausenhof über zukünftige Arbeitgeber oder weiterführende Schulen und Hochschulen informieren können, müssen andere Quellen erschlossen werden, möglichst kompakt, an einem Ort – wie auf einer Messe.

Berufsorientierungsmessen – schnell, entspannt und übersichtlich

Die Liste der Bezeichnungen ist lang: Berufsmesse, Ausbildungsmesse, Studien- messe, Jobmesse, Late-Night-Jobbing, Nacht der Bewerber. Im Wortlaut der Bildungsministerien und Schulen hat sich der Begriff Berufsorientierungsmesse etabliert. Was genau steckt dahinter? Wer sind die Veranstalter? Worüber wird informiert? Wie läuft eine Messe ab?

Wer sind die Veranstalter?

Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Veranstalter von Berufsorientierungsmessen:
• allgemeinbildende und berufsbildende Schulen sowie Hochschulen
• private Arbeitgeber
• öffentliche Arbeitgeber
• Städte und Kommunen
• Agenturen, Verbände und Stiftungen

An wen richten sich die Messen?

Die primäre Zielgruppe von Berufsorientierungsmessen sind Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 (Sekundarstufe I) sowie 11 bis 13 (Sekundarstufe II). Arbeitgeber mit Ausbildungsangeboten, die einen Ersten allgemeinbildenden oder Mittleren Schulabschluss erfordern sowie berufsbildende Schulen präsentieren ihre Angebote vorrangig auf BO-Messen von Gemeinschaftsschulen. Eine sekundäre Zielgruppe sind Eltern und Angehörige von Schülerinnen und Schülern. Sie spielen bei der Berufsorientierung und Beratung auch eine wichtige Rolle, ebenso Lehrerinnen und Lehrer, die Berufsinformationen vermitteln und individuelle Fähigkeiten von Jugendlichen erkennen und fördern.

Wann und wo finden BO-Messen statt?

Berufsorientierungsmessen finden je nach Veranstalter in Schulen, Hochschulen, Firmengebäuden oder an öffentlichen und privaten Veranstaltungsorten statt. BO-Messen finden ganzjährig statt, ausgenommen der Schulferien. Beliebte und häufig frequentierte Messetermine sind die Monate Februar und März (nach den Halbjahreszeugnissen) sowie September und Oktober (nach den Jahreszeugnissen). Die Eintrittszeiten variieren. Es gibt ein- oder zweitägige Messeveranstaltungen, die jeweils zwischen drei und acht Stunden dauern und sowohl morgens, mittags oder abends stattfinden!

Was wird geboten?

Das Informationsangebot auf Berufsorientierungsmessen besteht überwiegend aus Informationen über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie über Studiengänge, also über alle Vorstufen der Berufsfindung. Öffentliche Arbeitgeber präsentieren an ihren Messeständen landesweite Ausbildungsberufe bei der Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr sowie im Finanz- und Verwaltungsdienst. Private Arbeitgeber informieren speziell über ihre lokalen und regionalen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten. Berufsverbände stellen spezielle Informationsstände zur Verfügung, die über gesammelte Berufsbilder einer Branche Auskunft geben. Alle sogenannten „Aussteller“ verteilen Informationsmaterial, halten Vorträge, zeigen Filme und führen vor allem viele Gespräche mit Schülern, Eltern und Lehrern. Je nach Beruf und Möglichkeit laden manche Aussteller ihre Besucher dazu ein, mitzumachen. Eine Tischlerei kann an ihrem Stand beispielsweise das Schleifen von Holzbalken demonstrieren und von Schülern ausführen lassen. Darüber hinaus bieten BO-Messen allgemein zugängliche Veranstaltungen zu speziellen Themen, wie beispielsweise „Bewerbungsmappen-Check“, „Job-Speed-Dating“, „Was ziehe ich zum Vorstellungsgespräch an?“ oder „Das Bewerbungsfoto“. Einige Messen bieten Rahmenprogramme mit Live-Musik, Live-Djs, Moderatoren, Interviews, Gewinnspielen und Promi-Auftritten, um die Atmosphäre aufzulockern.

Was ist das Ziel?

Schülerinnen und Schüler benötigen berufliche Orientierung, um sich aus einer Vielfalt von Möglichkeiten einen passenden Weg zu suchen. Berufsorientierungsmessen sind deshalb unverzichtbare Veranstaltungen, weil sie kompakt und an einem Ort informieren, und potenziellen Nachwuchskräfte die Chance geben, sich mit Familie und Freunden in entspannter Atmosphäre zu informieren – ohne sich dabei „in Schale“ werfen zu müssen. Von Ausstellern kommen oft viele positive Rückmeldungen. Begegnungen zwischen Schülerschaft, Azubis und Studierenden, Eltern und Ausbildern, Lehrern und Unternehmern sind ein äußerst erfolgreiches Modell zur Vermittlung beruflicher Informationen.

Zu viele Informationen? Zwar mahnte Goethe: „Mit dem Wissen wächst der Zweifel!“ Doch die vielfältigen Informationen der Berufsorientierungsmessen sind letzten Endes hilfreich, wenn Schüler die Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium treffen müssen, für den Besuch einer weiterführenden Schule oder für die Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahres!

Text Christian Dorbandt
Foto Shutterstock